Wie ich zur Messe aller Zeiten gefunden habe

Wie ich zur Messe alle Zeiten gefunden habe

  1. Nach meiner Taufe

Wie so viele andere Menschenkinder auch wurde ich als Säugling getauft – und dann folgte gar nichts. Nicht ein einziger Gottesdienst, nicht ein einziger Hinweis auf Gottes Existenz. Gar nichts. Die Taufhandlung ist manchmal erschreckend hohl. Nicht von der Absicht Gottes aus, sondern aufgrund der Gottvergessenheit der Menschen, die in Seinem Namen handeln sollen.

Wenn Gott nicht Augen, Ohren, Hände, Füße und vor allen Dingen ein Herz von Menschen geliehen bekommt, um Mensch unter uns zu werden, dann wird er zur verzerrten Fratze von Religionsfunktionären, die dafür bezahlt werden.

‚Phönizier, Pharisäer, Sadduzäer und Aramäer‘ –  je komplizierter die Fremdwörter sind, umso schwieriger ist es, einen Jungen von 10 Jahren an der Grundschule beizubringen, wer ‚Gott‘ ist. Ich hatte damals gelernt, dass ‚Gott‘ irgendetwas mit ‚Palästina und Israel‘ zu tun haben musste. Aber was genau, hätte ich niemals sagen können. Es war einfach zu schwierig – ein Fremdwort nach dem anderen.

Auf dem Gymnasium wurde ich auf Gott aufmerksam, weil andere Mitschüler konfirmiert wurden. Dann ging ich auch hin – für eine Probestunde. Der evangelische Pfarrer war der Vater einer Mitschülerin. Es war eine übliche Stunde im Standardformat, nicht, dass er es nötig gehabt hätte, sich etwas Besonderes zu überlegen, um mich getauften Heiden zu bekehren.

Als ich dann drei Jahre später Kommunist wurde, wollte ich austreten. Da sagte mir das Fräulein vom Finanzamt, ich sollte vorher beim Pfarrer Bescheid geben. Die Ehefrau des Pfarrers informierte mich dann kurz und bündig, ich hätte gar nicht anrufen brauchen; austreten könne man auch so. Und das war es.

 

  1. Gottloser Kommunist – und dann?

Der wissenschaftliche Materialismus, auch Kommunismus genannt, lehrt, dass die menschliche Entwicklung streng nach Gesetzen verläuft. Der Mensch ist dann Herr seiner Geschichte, wenn er diese Gesetzmäßigkeit kennt – und revolutionär bestimmt.

Krass gesagt: der Mensch ist seines Glückes Schmied! Leid ist so lange zugelassen, bis das Endziel des Paradieses auf Erden erreicht ist – der Kommunismus.

Das heißt aber auch: alles Menschliche ist letztlich erklärbar. Wir können alles erkennen – und beherrschen.

Schlimm sind alle, die das nicht einsehen wollen, also alle, die nicht meinen, dass alles beherrschbar ist und die Arbeiterklasse siegen muss. Erlaubt ist alles, was das kaputt macht, was die Menschen kaputt macht. Menschen zu töten ist also erlaubt – im Namen der siegreichen Arbeiterklasse.

Nun, in meinem Westberliner Biotop war die Revolution in weiter Ferne. Zwar lag das Arbeiterparadies ganz nah, nur eine Mauer trennte den freien Westen vom ‚realen Sozialismus‘. So richtig leben wollte dort niemand von uns West-Kommunisten: guter Öffentlicher Nahverkehr, schöne Schaufenster und die Sonne Spaniens und Griechenlands waren verlockender.

Dann gab es einen tiefen Schnitt: über Nacht fiel die Mauer. Unsere Brüder und Schwester aus dem Osten Berlins überschwemmten den freien Westen – und wir freuten uns überschwänglich. „Wahnsinn“ war damals das Wort der Stunde, als überall die stinkenden Trabis fuhren und die Mitte Westberlins, der Bahnhof Zoologischer Garten, von Menschen aus der ‚Zone‘ überflutet war.

„Wahnsinn“: niemand hatte 1989 erwartet, dass die DDR zusammenbrechen würde. Und niemand konnte in Westberlin etwas dagegen haben, dass Deutsche aus Ostdeutschland frei reisen und sich als Deutsche fühlen wollte.

Der reine Wahnsinn war der Zustand vorher: eine tödliche Mauer genau mitten durch Berlin – durch alle Verwandtschaftsgrade und vier Millionen Menschen hindurch. Wahnsinnig muss die Panik der Deutschen gewesen sein, die so etwas zugelassen haben. Mitten durch Deutschland die Mauer der Schande.

 

  1. Der Finger Gottes

Nun, ich war durch das Eingreifen Gottes kuriert. Es konnte nicht falsch sein, wenn Deutsche sich mit Deutschen treffen wollten. Es konnte nicht falsch sein, wenn Deutsche von nun an selbst bestimmt ihr Leben gestalten wollen – in Einigkeit und Recht und Freiheit, wie es unsere Nationalhymne ausdrückt.

Damit war der Kommunismus in mein Leben erledigt. Ein bisher nie dagewesenes Gefühl der Heimatverbundenheit stellte sich ein. Wir Deutsche waren ein einig Volk von Brüdern und Schwestern. Die hasserfüllte Einteilung in Ausbeuter und Unterdrückte hatte ausgedient. Es fühlte sich warm und weich an, endlich in freier Selbstbestimmung demokratisch mitbestimmen zu dürfen, wie dieses schöne Land regiert werden sollte.

Wenn es nicht mehr gut ist, im Namen des wissenschaftlichen Atheismus Menschen abzustempeln, weil diese Menschen Brüder eines Vaterlandes sind, was ist dann gut? Ich beschäftigte mich damals mit ethischen Fragen – und damit mit Gott: braucht es Gott, um gut handeln zu können?

So wie 1989 Deutschland von einer Schreckensherrschaft befreit wurde, sollte auch das kleine Land namens Kuweit 1991 nicht vom Diktator Saddam Hussein wegen Öl unterjocht werden. Ich geriet mit meinen Eltern so sehr in die Haare, dass ich den Kontakt abbrach.

Ein Gottes Wort brannte in meinem Herzen: ‚Du sollst Vater und Mutter ehren!‘ Je mehr ich versuchte, Argumente gegen eine Versöhnung zu finden, um so mehr merkte ich: eine Abwärtsspirale war im Gang.

Es brannte in mir – und ich hatte kein Wasser, um mein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Ich fühlte mich todunglücklich. In der Sache mit Saddam Hussein hatte ich unbedingt Recht, das wusste ich. Aber den Kontakt mit den Eltern abbrechen, das ging zu weit.

 

  1. Umkehr zu Jesus

An einem kalten Samstagabend im Januar vor sechsundzwanzig Jahren kniete ich mich hin – und betete zu Gott. Was, weiß ich gar nicht mehr, denn niemals hatten meine Eltern mit mir ein Tischgebet gemurmelt. Ich weiß nur, wie es sich anfühlt, wenn sich bekehrt: wie der verlorene Sohn, wenn er endlich nach Hause kommt.

Zum zweiten Mal nach dem Mauerfall hatte ich meinen Vater entdeckt: erst im Heimatland und dann im himmlischen Herrn der Heerscharen. Weich ist es und warm und sanft, wenn uns Gott auf den Weg der Liebe lockt und uns ins Gewissen haucht: willst du nicht lieber mit mir den Weg der Liebe gehen, Stephan?

Ja, ich wollte. Die Zehn Gebote hatten mich zu Gott gebracht, ihnen wollte ich treu bleiben. Ich hatte das unbeschreibliche Glück einen wahrhaft tapferen Mann kennen zu lernen: Superintendent emeritus Reinhold George. Er gehörte der damaligen ‚Bekennende Kirche‘ an, die in scharfer Opposition zur Nazi-Kirche stand. Im Nachkriegsdeutschland war seine wichtige Zeitschrift ‚Evangelische Sammlung‘ das Westberliner Sammelbecken der Bekenntnisbewegung ‚Kein anderes Evangelium‘.

‚Kein anderes Evangelium‘ ist ein Wort des heiligen Völkerapostels Paulus im ersten Kapitel des Galaterbriefes. In Vers 8 heißt es:

„Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.“

Reinhold George gehört zu den wenigen Christen, die die Worte Jesu ernst nehmen. Das Wort „verflucht“ heißt auf Latein „Anathema“ und begegnet uns in der offiziellen katholischen Lehre wieder, wenn das Lehramt auf einem Konzil die gute Lehre gegen die Feinde der Kirche festlegt: Zuerst wird das Gute bekräftigt und sodann böse Irrlehre verworfen.

Ja, die guten alten Lutheraner habe daran festgehalten: es gibt das Gute – und das Böse ist zu verwerfen.

 

  1. Warum ich katholisch wurde

Reinhold George starb bald darauf – und die Westberliner evangelische Kirche ist dem heiligen Evangelium nicht treuer geworden, ganz im Gegenteil.

Gott sei Dank musste er nicht mehr miterleben, wie die evangelische Kirche zehn Jahre nach seinem Tod die offenbare Todsünde gelebter Homosexualität offiziell segnen will. Noch nie in der christlichen Kirchengeschichte hat es einen solchen Gräuel gegeben. Niemals in der gesamten zweitausendjährigen Kirchengeschichte ist man so tief gefallen, selbst die verderbten Heiden sind nicht so verrückt.

Jeder Bibelleser weiß um Sodom und Gomorra – und ihren Untergang. Jeder denkende Mensch weiß um seine Geschlechtsteile: die männlichen und weiblichen passen ganz genau zu- und ineinander. Homosexualität ist contra naturam, das weiß jeder, der Augen hat und an sich heruntersieht.

Nun, mein Jesus hatte mich zur Versöhnung und Liebe geführt, indem ich mich bekehren durfte – durch das Gebot ‚Du sollst deine Eltern ehren‘: niemals konnte ich mich von Jesus trennen!

Im ‚Katechismus der Katholischen Kirche‘ stand das, was das allgemeine Sittengesetz aller Zeiten und der gesunde Menschenverstand uns lehren: contra naturam zu leben, ist Sünde. Also wurde ich Katholik.

Die Heiligen wurden meine Brüder und Schwestern, allen voran meine absolute Lieblingsheilige, Schwester Faustina Kowalska vom Allerheiligsten Altarsakrament; sie machte den Barmherzigen Jesus bekannt. Die Beichte liebe ich bis heute, denn meine Schwester lehrt mich in ihren unbeschreiblich schönen ‚Tagebuch‘:

Demut ist nur Wahrheit.(TB 1502)

Sie spricht davon, wie ihr Jesus selbst im Priester begegnet.

Und so halte ich es: mindestens dreimal im Monat gehe ich beichten, denn Jesus begegnet mir dort – er ganz persönlich. Er empfängt mich in Privataudienz. Ich sehe es so, wie mein großes Vorbild: ich bringe mich meinem Jesus ganz – und da spielt es gar nicht so die Rolle, ob es Sünde oder nur eine Unvollkommenheit oder ein Skrupel ist. Jesus ist dort – und das reicht mir.

Nun, ich hatte den Katechismus und meine Lieblingsheilige: ich war glücklich.

 

  1. Die Zweifel der Kardinäle

Die Missstände in der Kirche waren mir immer bekannt, da ich viele Zeitschriften lese. Doch dann las ich von vier mutigen Kardinälen, die ihre Zweifel (dubia) hinsichtlich eines päpstlichen Lehrschreibens namens Amoris laetitia dem Heiligen Vater unterbreitet haben. Öffentlich wurde dies Mitte November letzten Jahres.

‚Du sollst nicht ehebrechen‘ heißt das sechste Gebot. All die Jahre hatte ich auf eine kräftige Enzyklika gewartet, die den Gräuel der Homosexuellen-Ehe verdammt und die armen christlichen Politiker mit guten Argumenten ausrüstet.

Noch unbeschreiblicher ist das so genannte Gender-Mainstreaming. Während Homosexualität immer aktenkundig war, ist die freie Wahl aller Menschen für alle selbst erdachten Geschlechter tatsächlich ein Novum. Handlungsbedarf also gibt es, denn die Anzahl der Kinder nimmt in den entwickelten Ländern des freien Westens eklatant ab. In krassem Zusammenhang dazu steht der Zerfall der Familien. Nicht nur zerrüttete Familien, sondern auch halb-, viertel-, und Patchwork-Familien zeugen von einem Wirrwarr, wie er selbst im dekadenten Rom zurzeit Jesu nicht möglich war.

In Deutschland geschah nun das Unfassbare. In Antwort auf Amoris laetitia verfassten alle deutschen Bischöfe am 23.Januar 2017 ein Hirtenwort, indem sie wörtlich schrieben, dass die Beichtkinder entscheiden sollen, ob sie absolviert werden sollen.

Und es ist von Beichte und Kommunion für „interkulturelle Paare“ die Rede: es geht gar nicht mehr um eine Heirat – und nicht mehr um Mann und Frau, sondern auch um Mann und Mann sowie Frau und Frau!

Das ist das Ende jeder Moral: es berührt zutiefst unangenehm, im Land zu leben, das Auschwitz möglich machte – und nun wiederum jede Moral abschafft , von der Kirche selbst!

 

  1. Der zweite Mann in meinen Leben

Ich habe mir dieses ‚Hirtenwort‘ mehrmals durchgelesen. Ich habe mir Anstreichungen mit einem Textmarker gemacht. Ich denke immer noch es ist Fake News, denn nur der Teufel ist zu so etwas fähig.

Wieder also musste ich mich aufmachen und weiter pilgern. Meine deutsche Ortskirche ist abgebrannt. Es war nur ein schnelles Strohfeuer, so trocken und hohl war sie schon zuvor. Wer konnte Bestand haben? Wer konnte Jesus treu sein, wenn die reichste Ortskirche der Welt jeder Moral abgesagt hat und tiefer als alle Heiden gesunken ist?

Wieder einmal hatte ich Glück: als ich mich frisch bekehrte, da erreichte mich aus Dänemark eine Postkarte meines lieben tapferen Reinhold George. Jetzt brauchte ich nur in fünf Kilometern Entfernung eine Kapelle besuchen – und sah Jesus erneut: im Hochaltar von St. Petrus.

Nein, es war nicht die lateinische Messe, wie sie auch in meiner alten Pfarrgemeinde gefeiert wurde: als ob das mausetote Latein irgendeinen Zauber hätte.

Nein, es war nicht die Tridentinische Messe, wie sie von manchen gefeiert wird: hier ein Knicks, da eine Kniebeuge – und dann hübsche bunte Gewänder für die Augen.

Nein, hier war die Heilige Messe aller Zeiten, die nicht anders sein kann als auf Latein: weil Petrus und Paulus in Rom waren, weil Rom der Sitz des Papstes ist und weil vor allen Dingen Papst Pius V im Gehorsam des Trienter Konzils genau diese Messe für alle Zeiten festgelegt hat!

Ja, hier ist Jesus, weil wir Jesus nur haben, wenn wir ihm treu sind. Da spielt die Sprache keine Rolle, da spielen die Gewänder keine Rolle. Jesus hat sich den tapferen Bekennern offenbart: zuerst den zwölf Aposteln, dann dem heiligen Paulus.

Und nur weil diese überaus kostbaren Menschen und diese überaus tapferen Männer bis auf das Blut dem Bösen widerstanden, haben wir die Messe aller Zeiten.

Zum ersten Mal begegne ich seit Mitte März meinem Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament – und liebe ihn dafür, dass Er es ist, der sich für uns hingegeben hat.

Vor dem März war es immer so, dass ich die Beichte mehr geliebt habe als die Eucharistie, was ein bisschen merkwürdig ist. Jetzt weiß: Jesus lebt – besonders in seinem Altarsakrament.

Und ich habe den zweiten echten Mann in meinem Leben kennengelernt. Häufig hat er den Antiochenischen Zwischenfall zwischen Petrus und Paulus (Gal 2,11-21) als biblischen Beleg für die Tatsache benannt, wonach es nicht so selten in der Kirche geschah, dass ein Papst eine Korrektur brauchte. Es ist Erzbischof Lefebvre. Er ist der zweite Mann in meinem Leben, von dem ich nicht zweifele, dass er wie Reinhold George sein Leben daheim gegeben hätte, wenn es Zeit sein sollte.

 

  1. Die Messe aller Zeiten

Was sich in Rom abspielt, ist atemberaubend. Und doch ist das ganz Eigenartige: seit Mitte März habe ich jetzt in einer Gewissheit, wie noch niemals in meinem Leben.

Es war schon immer so eigenartig, dass ich die Beichte liebe, aber nicht die Eucharistie. Das ganze Brimborium ist mehr herzlich  egal, aber ich habe dort ganz wirklich Jesus.

Ich habe verstanden, was Jesus uns sagt:

„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“(Mt 28,20)

Dieses Wort meint Ihn selbst in der heiligsten Eucharistie!

Solange wir Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament haben, kann uns nichts geschehen, denn kein Mensch der Welt, keine Litanei und kein Gewand können ihn ersetzen!

Amen.

 

 

 

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