Credo in una sancta Ecclesia: in Memoriam Reinhold George

 

Credo in una, sancta, catholica et apostolica Ecclesia (Credo in una sancta Ecclesia )

 

1.       Widmung

 

Viele meiner Zeitgenossen sehen Dogmen als schwere Last, die zu tragen nicht nur unnütz, sondern sogar schädlich ist, nicht nur für den Rücken.

 

Schon als Protestant dachte ich: unsere Dogmen sind Leben. Sie sind die tragenden Säulen, ohne die unsere Mutter Erde zusammenstürzen würde.

 

Meine vier Überlegungen wurzeln in dem einen Gedanken der Menschwerdung: Verbum caro factum est. Das einzige Wort Gottes wurde Mensch – und nur deshalb ist es unserer Vernunft zugänglich.

 

Wir verstehen sicher nur in Bruchstücken, aber diese Bruchstücke retten leben. Unsere qualmenden Funzeln können Leben retten: für unsere Familien und unsere Nachbarn.

 

Die große Fackel in meinem Leben war ein Protestant: Reinhold George. Als ich mich um diese Zeit vor 26 Jahren bekehrte, war mein Glaube schwach und drohte, zu ersticken. Über zehn Ecken erfuhr ich von der ‚Evangelischen Sammlung um Bibel und Bekenntnis‘ im Heilsbronnen.

 

Unausdenkbar ist, wenn dieser ostpreußische Haudegen im Ruhestand nicht auf meinen Brief geantwortet hätte; mich erreichte seine Postkarte aus dem Urlaub in Dänemark.

 

Unausprechbar ist, was mit meinem Glauben gewesen wäre, wenn sein Glauben nicht standgehalten hätte. In seinem kleinen Monatsblättchen konnte man Widerständiges lesen: Abtreibung ist Sünde und tut man nicht; und Frauen dürfen nicht in das ordinierte Amt. Karriere konnte man damit noch nie machen, jedenfalls nicht in der Evangelischen Kirche.

 

Was ich nicht wusste: er hatte die Leugnung der christlichen Heilslehre bei vollem Bewusstsein seit den sechziger Jahren erlebt, also seit damals dreißig Jahren; wir Nachkommen rechneten mit besseren Zeiten.

 

Von diesem tapferen Bekenner steht nur noch ein Grabstein, hundert Meter von der einzigen Reliquie meiner Lieblingsheiligen Faustina entfernt, die wir hier in Berlin haben.

 

 

 

2.       Una

 

Weil das ewige Wort Gottes Fleisch geworden ist, ist es unserer Vernunft zugänglich. Wir können über Gott sprechen, sicher nur bruchstückweise, aber immerhin.

 

Weil Gott ewig ist, kann die Lehre über ihn nicht den Schwankungen der Zeit unterworfen sein. In der Lehre der Kirche gilt das, was Vincent von Lerinum (aus dem Ort Lérins) formuliert hat: katholisch ist das, was an allen Orten, immer und von allen geglaubt wird: quod ubique, quod semper und quod ab omnibus.

 

Damit ist ausgedrückt, dass wir die Heilslehre von Jesus Christus immer gleich erkennen können: alle Völker der Erde verstehen das Gleiche – zu allen Zeiten.

 

Deswegen ist der Gewissheitsgrad unserer Glaubenserkenntnis so tief: wir brauchen nicht lächerliche Theologenkommissionen zu diesem oder jenem; nein, wir sind vernunftbegabte Geschöpfe und können auf allen Kontinenten das Gleiche verstehen.

 

Ausgeschlossen ist damit das, was Reinhold George so furchtbar besorgt machte: die Irrlehren der rechten und linken Ideologen.

 

Er war Mitglied der Bekennende Kirche innerhalb der Evangelischen Reichskirche, die aktiv gegen die so genannten ‚Deutschen Christen‘, also die Nazi-Kirche, kämpfte, deren Bischof sie nicht anerkannte.

 

Nachdem Krieg musste er schrecklicherweise erleben, wie umgekehrt die linken Ideologen eine Bastion nach der anderen nahmen: Frauenordination, Anerkennung der Abtreibung und Homosexuellen-Segnung.

 

Die Kampflosung der Bekennenden Kirche gilt auch uns Heutigen: „Kirche muss Kirche bleiben“, weil sie nur dem Einen Wort Gottes treu ist – und nicht dem Zeitgeist sein darf!

 

 

 

3.       Sancta

 

Die Nazi-Kirche war im Dritten Reich knallhart antisemitisch. Die Zehn Gebote, mit dem Gebot der Nächstenliebe, das in ihnen steckt, waren ihr ein Dorn im Auge.

 

Abtreibung musste sein, wenn es um so genanntes ‚lebensunwertes‘ Leben ging, also Behinderte oder Juden.

 

Die Nächstenliebe war aber auch dem Krieg im Wege. „Gut ist, was hart macht“ war Teil der Nazi-Ideologie.

 

Heute ist es umgekehrt, da heute die Weichmacher herrschen: „Gut ist, was Spaß macht“ reden uns die Links-Ideologen zu.

 

Da ist es dann zu anstrengend, den Geboten Gottes zu folgen und alles Leben von der Geburt bis zum Tode in sein Herz zu schließen. Und da ist es auch zu viel, den Feinden Gottes zu widerstehen und Irrlehre beim Namen zu nennen.

 

Ein durch das Wort Gottes Geheiligter gehört nicht mehr dem Zeitgeist, sondern Gott. Wir leben als Christen im Machtbereich Gottes. Nicht mehr wir selbst sollen uns leben, sondern wir sind Gottes.

 

Nur wenn wir heile sind, können wir kämpfen und geheilt bleiben. Gesunde Familien und Beziehungen sind deshalb von großer Wichtigkeit.

 

In der Not aber müssen wir wählen: sind wir Gottes oder fürchten wir die Menschen mehr? Reinhold George ist der einzige Mann, von dem ich sicher annehme, dass er, vor die Wahl gestellt, Christus wählen würde. Die christliche Religion ist die einzige, die der Würde des Menschen niemals schadet: sie stellt sie vielmehr her, denn sie ist die Grundbedingung für die Bekehrung.

 

Nur ein freier Mensch wählt das Leben in Gott.

 

 

 

4.       Catholica

 

Die rechten und die linken Ideologen sind die Feinde Christi und eines jeden Volkes. An Gott den Einen zu glauben ist nicht gegen die Heimatliebe, sondern gerade für sie, denn sie folgt aus dem vierten Gebot der Elternliebe.

 

Reinhold George kam ursprünglich aus dem ostpreußischen Königsberg; er war ein Vertriebener. Selbstverständlich war für ihn war die Aussöhnung zwischen Hiesigen und Unhiesigen. Nur die tiefe Verwurzelung im Glauben hat diese gewaltigen Verletzungen der Heimatvertriebenen heilen können.

 

In seiner Gemeinde ‚Zum Heilsbronnen‘ sprach er in die Herzen der Geschundenen an den ‚Tagen der Heimat‘.

 

Damals kamen sie alle: die Armen und die Reichen, die Kranken und die Gesunden. Ihr evangelischer Glaube einte sie und half, die Unbilden der Zeit zu verkraften.

 

Wer heute Kirchgemeinden betritt, egal, ob katholisch oder evangelisch, sieht nicht mehr das Volk in seiner Breite. Er sieht die Überlebenden einer linken Ideologie, die die Leute buchstäblich aus der Kirche treibt.

 

Alles ist erlaubt und soll mit Sakramenten versehen werden, die nicht mehr ‚Heilmittel zur Unsterblichkeit‘(pharmakon athanasias) sind, sondern Selbstbeschwichtigungsdrogen der Heillosigkeit.

 

Zwischen Christus und Mammon wird nicht mehr unterschieden. Wer denken kann, sagt sich zu Recht: wenn es letztlich keine Sünde mehr gibt, brauche ich auch keine Kirche mehr!

 

Reinhold George kannte nicht nur die gute alte Volkskirche, die im besten Sinne Kirche für das Volk war, sondern sorgte sich um sie; sie war eine der besten Erfindungen Gottes für unser Volk, der wir unendliche Schätze zu verdanken haben.

 

Wenn die kirchlichen Gemeinden sich auflösen, wird letztlich das politische Gemeinwesen zerstört. Katholisch heißt allumfassend: das dürfen wir niemals vergessen!

 

 

 

5.       Apostolica

 

Die hellsten Fackeln müssen verlöschen, wenn sie niemand tragen will. Und die schönsten Worte verhallen, wenn sie kein Echo finden.

 

Sicher, einen Reinhold George gibt es kein zweites Mal. Große Persönlichkeiten sind manchmal rar gesät. Und doch: wenn die vielen kleinen Lichter leuchten, entsteht ein Meer von Blitzen, z.B. dann, wenn auf Demonstrationen die Handys eingeschaltet werden.

 

Vor sechsundzwanzig Jahren erreichte mich eine Postkarte: weil mein pflichtschuldiger Ostpreuße in Dänemark ein Briefmarke leckte und ein deutscher Postbote den richtigen Briefkasten fand.

 

Unausdenkbar ist, wenn dieser knorrige Preuße gerechterweise auf dem Standpunkt gestanden hätte, dass sein Lebensabend am Strand von Dänemark wichtiger als eine Anfrage eines unbekannten Nobodys sein könnte.

 

Und was hätte meine Wenigkeit auch bewirkt? Die Wiedervereinigung war damals gerade vorbei und hat Westdeutschland objektiv gottloser gemacht: unser schönes Westberlin mit satten 50% Prozent Protestanten wurde mit nur 2% ebensolchen aus dem Ostteil vermischt: zu damals deutlich unter einem Drittel insgesamt.

 

Helmut Kohl war einer der wenigen weitsichtigen Politiker, die davor Angst hatten, was zur unsäglichen ‚Rote-Socken-Kampagne‘ im Westen führte.

 

Objektiv war für Reinhold George jede Schlacht also verloren. Aber er hatte keine Lust, sich verloren zu geben.

 

Er handelte so, wie alle Apostel gehandelt haben: ohne Rücksicht auf Verluste wird gesagt, was gesagt werden muss!

 

Nur ein Apostel starb eines natürlichen Todes: Johannes in der Verbannung auf Patmos.

 

Meine Fragen: Bin ich mehr wert als die edlen tapferen Streiter, die ihr Leben letztlich für mich gegeben haben? Lohnt es sich wirklich schon jetzt nicht, sein Leben ganz für Christus hinzugeben?

 

 

 

Im militärischen Widerstand gegen Hitler ermutigte damals ein Vater seinen Sohn mit den Worten: Wenn dieser nicht den Mut hätte, dem Tod in das Auge zu blicken, würde seine Todesangst sein ganzes weiteres Leben prägen.

 

Ist es nicht das, was Jesus uns zuruft: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“(Mt 16,25)?

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