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Correctio filialis de haeresibus propagatis: Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien
16. Juli 2017,  Fest Unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel

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____________________________________________
Inhalt
Heiliger Vater, 3
Correctio 14
Unterzeichner 19
Erklärung 23
A. Das Problem des Modernismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
B. Der Einfluss Martin Luthers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Angaben zum Dokument 40
2
Heiliger Vater,
mit tiefem Schmerz, aber bewegt von der Treue zu Unserem Herrn Jesus
Christus, von der Liebe zur Kirche und zum Papsttum und von der kindlichen
Hingabe zu Ihrer Person, sehen wir uns gezwungen, Ihnen gegenüber eine
Zurechtweisung auszusprechen wegen der Verbreitung einiger Häresien durch
das Apostolische Schreiben Amoris laetitia und anderer Worte, Handlungen
und Unterlassungen Eurer Heiligkeit.
Es ist uns durch das Naturrecht, das Gesetz Christi und das Gesetz der
Kirche, drei Dinge, die Eure Heiligkeit durch die Göttliche Vorsehung berufen
sind, zu beschützen, erlaubt, diese Zurechtweisung vorzunehmen. Durch
das Naturrecht: Denn so wie die Untergebenen der Natur gemäß die Pflicht
haben, ihren Vorgesetzen in allen vom Gesetz vorgesehenen Dingen zu gehorchen,
so haben sie das Recht, dass ihre Vorgesetzten danach regieren.
Durch das Gesetz Christi: Denn Sein Geist hat den Apostel Paulus inspiriert,
Petrus öffentlich zurechtzuweisen, als dieser nicht gemäß der Wahrheit
des Evangeliums handelte (Gal 2). Der heilige Thomas von Aquin stellt fest,
daß diese öffentliche Zurechtweisung eines Untergebenen gegenüber seinem
Vorgesetzten legitim war aufgrund der unmittelbar drohenden Gefahr eines
Ärgernisses für den Glauben (Summa Theologiae IIa IIae, 33, 4 ad 2), und
die „Glosse des heiligen Augustinus“ fügt hinzu, dass bei dieser Gelegenheit
„Petrus selbst den Oberen das Beispiel gab, sich nicht darüber zu empören,
von den Untergebenen zurechtgewiesen zu werden, wenn sie vom rechtenWeg
abweichen sollten“ (ibid). Auch das Gesetz der Kirche zwingt uns dazu, da
es besagt, dass die „Gläubigen […] entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit
und ihrer hervorragenden Stellung das Recht (haben) und bisweilen
sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den
geistlichen Hirten mitzuteilen“ (Codex Iuris Canonici , Can. 212, § 2 und 3;
Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium , Can. 15, § 3).
Der Kirche und der Welt wurde in Sachen Glauben und Moral Ärgernis
gegeben durch die Veröffentlichung von Amoris laetitia und durch andere
Handlungen, durch die Eure Heiligkeit die Tragweite und den Zweck dieses
Dokuments ausreichend deutlich gemacht hat. In der Folge haben sich Häre-
3
sien und andere Irrtümer in der Kirche ausgebreitet.Während einige Bischöfe
und Kardinäle weiterhin die von Gott offenbarten Wahrheiten über die Ehe,
das Moralgesetz und den Empfang der Sakramente verteidigt haben, haben
andere diese Wahrheiten geleugnet und von Eurer Heiligkeit keinen Tadel
erfahren, sondern eine Gunst. Umgekehrt haben jene Kardinäle, die Eurer
Heiligkeit Dubia unterbreitet haben, damit durch diese in der Vergangenheit
bewährte Methode die Wahrheit des Evangeliums leicht erfasst werden
könne, keine Antwort erhalten, sondern Schweigen.
Heiliger Vater, das Petrusamt wurde Ihnen nicht anvertraut, damit Sie
den Gläubigen seltsame Lehren auferlegen, sondern damit Sie als treuer Diener,
das anvertraute Gut bis zur Wiederkunft des Herrn bewahren (Lk 12;
1 Tim 6). Wir stimmen bedingungslos der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit
zu, wie sie vom Ersten Vatikanischen Konzil definiert wurde, und
stimmen deshalb der Erläuterung zu, die das Konzil selbst über dieses Charisma
gab, die folgende Erklärung miteinschließt: „Denn Petri Nachfolgern
ward der Heilige Geist nicht dazu verheißen, dass sie aus seiner Eingebung
heraus neue Lehren verkündeten. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die von den Aposteln
überlieferte Offenbarung oder das anvertraute Glaubensgut unter dem
Beistand des Heiligen Geistes gewissenhaft zu hüten und getreu auszulegen“
( Pastor Aeternus, 17). Aus diesem Grund hat Ihr Vorgänger, der selige Pius
IX., die gemeinsame Erklärung der deutschen Bischöfe gelobt, die erklärte,
dass „die Meinung, laut der der Papst ‚wegen seiner Unfehlbarkeit ein absoluter
Souverän’ ist, auf einem völlig falschen Verständnis des Dogmas von
der päpstlichen Unfehlbarkeit beruht“ 1 Vergleichbar betonte beim Zweiten
Vatikanischen Konzil die Theologische Kommission in Bezug auf die Dogmatische
Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, dass die Vollmachten
des römischen Papstes auf viele Weise eingeschränkt sind.2
Dennoch werden jene Katholiken, die die Grenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit
nicht klar erfassen, durch die Worte und Handlungen Eurer Heiligkeit
in einen von zwei katastrophalen Irrtümern getrieben: entweder machen sie
sich die Häresien zu eigen, die nun verbreitet werden, oder sie werden im
Bewusstsein, dass diese Lehren dem Wort Gottes widersprechen, an den Vorrechten
der Päpste zweifeln oder sie leugnen. Andere Gläubige sind verleitet,
die Gültigkeit des Amtsverzichts des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu
bezweifeln. Auf diese Weise wird das Petrusamt, das der Kirche von Unserem
Herrn Jesus Christus für das Wohl der Glaubenseinheit verliehen wurde,
missbraucht, der Häresie und dem Schisma einen Weg zu öffnen. Mehr noch,
1Denzinger-Hünermann (DH) 3117, Apostolisches Schreiben Mirabilis illa constantia,
4. März 1875.
2Vgl.Relatio der Theologischen Kommission zur Nr. 22 von Lumen gentium, in Acta
Synodalia, III/I, S. 247.
4
indem sie feststellen, dass die jetzt von den Worten und Handlungen Eurer
Heiligkeit ermutigten Praktiken nicht nur dem ewiggültigen Glauben und der
Ordnung der Kirche widersprechen, sondern auch den lehramtlichen Erklärungen
Ihrer Vorgänger, denken die Gläubigen über die Tatsache nach, dass
die Erklärungen Eurer Heiligkeit nicht eine größere Autorität haben können
als die der vorherigen Päpste. Auf diese Weise leidet das wahre päpstliche
Lehramt an einer Wunde, die sich nicht so schnell wieder schließen könnte.
Wir glauben dennoch, dass Eure Heiligkeit über das Charisma der Unfehlbarkeit
und der universalen Jurisdiktion über die Gläubigen Christi in dem
von der Kirche definierten Sinn verfügt. In unserer Anklage gegen Amoris
laetitia und andere Handlungen, Worte und Unterlassungen, die damit verbunden
sind, bestreiten wir nicht die Existenz dieses päpstlichen Charismas
oder seines Besitzes durch Eure Heiligkeit, da weder Amoris laetitia noch
irgendeine der Behauptungen, die dazu beigetragen haben, die durch dieses
Schreiben eingedrungenen Häresien zu verbreiten, durch diese Göttliche
Garantie der Wahrheit gedeckt ist. Unsere Zurechtweisung ergibt sich zwingend
aus der Treue zu den unfehlbaren päpstlichen Lehren, die mit einigen
Aussagen Eurer Heiligkeit unvereinbar sind.
* * *
Wir wollen nun aufzeigen, wie einige Stellen von Amoris laetitia zusammen
mit Handlungen, Worten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit dazu dienen,
sieben häretische Thesen zu verbreiten.3
Die Stellen von auf die wir uns beziehen, sind folgende:
AL 295: Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II.
das sogenannte »Gesetz der Gradualität« vor, denn er wusste:
Der Mensch »kennt, liebt und vollbringt [. . . ] das sittlich Gute
[. . . ] in einem stufenweisen Wachsen«.[323] Es ist keine „Gradualität
des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen
Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage
sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu
schätzen oder ganz zu erfüllen.
AL 298: Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum
Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden,
die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen
werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen
und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall
3Dieser Abschnitt enthält die eigentliche Correctio, die die Unterzeichner in der Hauptsache
und direkt unterschreiben wollen.
5
einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen
Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem
Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der
eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen,
ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt.
Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner
aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung
der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen
können«. [Anm. 329: Viele, welche die von der Kirche angebotene
Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen
und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige
Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in
Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden
(kann).« Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen
unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter
gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall
derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick
auf die Erziehung der Kinder und [. . . ] manchmal die subjektive
Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte
Ehe niemals gültig war«. Etwas anderes ist jedoch eine neue
Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit
allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und
ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von
jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber
versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das
Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen
stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die
Hirten in ihrer Urteilsfindung immer »angemessen zu unterscheiden
« haben, mit einem »differenzierten Blick« für »unterschiedliche
Situationen«. Wir wissen, dass es keine Patentrezepte« gibt.
AL 299: Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die
darauf hinweisen wollten, dass »Getaufte, die geschieden und zivil
wiederverheiratet sind, [. . . ] auf die verschiedenen möglichen
Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen],
wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik
der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit
sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche
ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung
erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern,
der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl
aller auf sie aus. […] Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommu-
6
niziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche
leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die
sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf
dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.«
AL 300: Und da »der Grad der Verantwortung [. . . ] nicht in allen
Fällen gleich [ist]«, müsste diese Unterscheidung anerkennen,
dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig
immer dieselben sein müssen. [336: Auch nicht auf dem Gebiet
der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann,
dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt.]
AL 301: Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass
alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben,
sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende
Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben
nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein
Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten
haben »im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen
Norm geht«, oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden,
die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen
zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.
AL 303: Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass
eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des
Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das
erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott
geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken,
dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der
konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn
sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.
AL 304: Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas
erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir
lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: »Obgleich
es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit
gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den
Bereich des Spezifischen absteigt [. . . ] Im Bereich des Handelns
[. . . ] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische
Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des
Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen
dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise
bekannt [. . . ] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr
man in die spezifischen Einzelheiten absteigt.« Es ist wahr, dass
die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals au-
7
ßer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen
können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.
AL 305: Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren
ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation
der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest
nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben
kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen
kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. [351: In
gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein.
Deshalb »erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl
keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit
des Herrn«. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie
»nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges
Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen« ist.].
AL 308: Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral
vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt.
Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte,
die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten
der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter,
die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich
»nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr
läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen«.
AL 311: Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören,
diese Betrachtungen in sich aufzunehmen.
Die Worte, die Handlungen und die Unterlassungen Eurer Heiligkeit, auf
die wir uns beziehen und die zusammen mit diesen Stellen von Amoris laetitia
zur Verbreitung von Häresien in der Kirche beitragen, sind folgende:
• Eure Heiligkeit hat sich geweigert, eine positive Antwort auf die Ihnen
von den Kardinälen Burke, Caffarra, Brandmüller und Meisner vorgelegten
Dubiazu geben, mit denen Sie respektvoll ersucht wurden, zu
bestätigen, dass das Apostolische Schreiben Amoris laetitia nicht fünf
Lehren des katholischen Glaubens abschafft.
• Eure Heiligkeit hat in die Zusammensetzung der Relatio post disceptationem
der Außerordentlichen Synode über die Familie eingegriffen. Die
Relatio schlug vor, geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken
die Kommunion durch Unterscheidung „von Fall zu Fall“ zu gewähren
und sagte, dass die Hirten die „positiven Aspekte“ der Lebensstile, die
von der Kirche als schwer sündhaft betrachtet werden, einschließlich
8
der standesamtlichen Ehen nach der Scheidung und des vorehelichen
Zusammenlebens, betonen sollten. Diese Vorschläge wurden aufgrund
Ihres persönlichen Beharrens in die Relation aufgenommen, obwohl sie
nicht die von der Synoden-Geschäftsordnung geforderte Zweidrittel-
Mehrheit erreicht hatten, die notwendig sind, damit ein Vorschlag in
die Relatio aufgenommen wird.
• In einem Interview im April 2016 fragte ein Journalist Eure Heiligkeit,
ob es konkrete Möglichkeiten für wiederverheiratete Geschiedene gibt,
die es vor der Veröffentlichung von Amoris laetitia nicht gab, haben Sie
geantwortet: „Ich könnte sagen: ’Ja’ und Punkt.“ Eure Heiligkeit hat
dann erklärt, dass auf die Frage des Journalisten Kardinal Schönborn
in einer Vorstellung von Amoris laetitia geantwortet habe. Kardinal
Schönborn hat bei jener Vorstellung behauptet:
Meine große Freude an diesem Dokument ist, dass es konsequent
die künstliche, äußerliche, fein säuberliche Trennung
von „regulär““ und „irregulär“ überwindet und alle unter
den gemeinsamen Anspruch des Evangeliums stellt, gemäß
dem Wort des Hl. Paulus: „Er hat alle in den Ungehorsam
eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen“ (Röm 11,32). […]
Natürlich wird die Frage gestellt: und was sagt der Papst
über den Zugang zu den Sakramenten für Personen, die in
„irregulären“ Situationen leben? Schon Papst Benedikt hatte
gesagt, dass keine „einfache Rezepte“ (AL 298, Anm. 333)
existieren. Und Papst Franziskus erinnert noch einmal an die
Notwendigkeit, die Situationen gut zu unterscheiden in der
Linie von „Familiaris consortio“ (Nr. 84) von Papst Johannes
Paul II. (AL 298). „Die Unterscheidung muss dazu verhelfen,
die möglichen Wege der Antwort auf Gott und des Wachstums
inmitten der Begrenzungen zu finden. In dem Glauben,
dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den
Weg der Gnade und desWachstums und nehmen den Mut für
Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen“ (AL 305). Und
Papst Franziskus erinnert an ein so wichtiges Wort, das er in
Evangelii Gaudium 44 geschrieben hatte: „Ein kleiner Schritt
inmitten großer menschlicher Begrenzungen kann Gott wohlgefälliger
sein als das äußerlich korrekte Leben dessen, der
seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten
zu stoßen“ (AL 304). Im Sinne dieser „via caritatis“ (AL
306) sagt der Papst dann schlicht und einfach in einer Fuß-
9
note (351), dass auch die Hilfe der Sakramente in gewissen
Fällen gegeben werden kann, wenn „irreguläre“ Situationen
vorliegen.4
Eure Heiligkeit hat diese Erklärung erweitert, indem Sie versichert haben,
dass Amoris laetitia den in der Diözese von Kardinal Schönborn
praktizierten Ansatz gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen,
wo diesen der Kommunionempfang erlaubt ist, unterstützt.
– Am 5. September 2016 haben die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos
Aires eine Erklärung zur Umsetzung von Amoris laetitia veröffentlicht,
in der sie behaupten:
6) En otras circunstancias más complejas, y cuando no se
pudo obtener una declaración de nulidad, la opción mencionada
puede no ser de hecho factible. No obstante, igualmente
es posible un camino de discernimiento. Si se llega a reconocer
que, en un caso concreto, hay limitaciones que atenúan
la responsabilidad y la culpabilidad (cf. 301–302), particularmente
cuando una persona considere que caería en una
ulterior falta dañando a los hijos de la nueva unión, Amoris
laetítía abre la posibilidad del acceso a los sacramentos de la
Reconciliación y la Eucaristía (cf. notas 336 y 351). Estos a
su vez disponen a la persona a seguir madurando y creciendo
con la fuerza de la gracia. [. . . ]
9) Puede ser conveniente que un eventual acceso a los sacramentos
se realice de manera reservada, sobre todo cuando
se prevean situaciones conflictivas. Pero al mismo tiempo no
hay que dejar de acompañar a la comunidad para que crezca
en un espíritu de comprensión y de acogida, sin que ello implique
crear confusiones en la enseñanza de la Iglesia acerca
del matrimonio indisoluble. La comunidad es instrumento de
la misericordia que es «inmerecida, incondicional y gratuita»
(297).
10) El discernimiento no se cierra, porque «es dinámico y
debe permanecer siempre abierto a nuevas etapas de crecimiento
y a nuevas decisiones que permitan realizar el ideal
de manera más plena» (303), según la «ley de gradualidad»
(295) y confiando en la ayuda de la gracia.

4https://www.erzdioezese-wien.at/expose-kardinal-schoenborn-amoris-laetitia.
10
6) In anderen, komplexeren Situationen und wenn es nicht
möglich war, eine Nichtigkeitserklärung der Ehe zu erhalten,
ist die soeben genannte Option in der Tat nicht gangbar.
Dessen ungeachtet ist dennoch ein Weg der Unterscheidung
möglich. Wenn man so weit kommt, zu erkennen, dass es in
einem bestimmten Fall persönliche Grenzen gibt, die die Verantwortung
und das Bewusstsein vermindern (vgl. 301–302),
besonders wenn eine Person berücksichtigt, in weitere Fehler
zu fallen und die Kinder dieser neuen Verbindung zu schädigen,
öffnet Amoris laetitia die Möglichkeit zu den Sakramenten
der Versöhnung und der Eucharistie zugelassen zu werden
(vgl. Anm. 336 und 351). Diese ihrerseits werden die Person
veranlassen, den Reifungsprozess fortzusetzen und mit der
Kraft der Gnade zu reifen. […]
9) Es kann zweckmäßig sein, dass eine eventuelle Zulassung
zu den Sakramenten auf diskrete Weise erfolgt, vor allem
dann, wenn man Situationen der Uneinigkeit annehmen kann.
Gleichzeitig ist nicht aufzuhören, die Gemeinschaft zu begleiten,
um ihr zu helfen im Geist des Verständnisses und der
Aufnahme zu wachsen, indem genau darauf geachtet wird,
keine Verwirrung bezüglich der Lehre der Kirche über die
Unauflöslichkeit der Ehe zu schaffen. Die Gemeinschaft ist
ein Instrument der Barmherzigkeit, die „unverdient, bedingungslos
und gegenleistungsfrei“ ist (297).
10) Die Unterscheidung endet nicht, weil sie „dynamisch ist
und immer offen bleiben muss für neue Phasen des Wachstums
und für neue Entscheidungen, die erlauben, das Ideal
auf vollkommenere Weise zu verwirklichen“ (303), gemäß
dem „Gesetz der Gradualität“ (295) und auf die Hilfe der
Gnade vertraut.
Hier wird behauptet, dass man laut Amoris laetitia keine Verwirrung
bezüglich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe schaffen
soll, dass die wiederverheirateten Geschiedenen die Sakramente
empfangen dürfen und dass das Verbleiben in diesem Stand damit vereinbar
ist, die Hilfe der Gnade zu empfangen. Eure Heiligkeit hat einen
offiziellen Brief an Bischof Sergio Alfredo Fenoy von San Miguel, Delegierter
der Pastoralregion Buenos Aires, geschrieben, der dasselbe Datum
wie das Schreiben der argentinischen Bischöfe trägt, in dem Sie
erklären, daß die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires die „einzige
mögliche Interpretation von Amoris laetitia“ gegeben haben.
11
«Querido hermano: Recibí el escrito de la Región Pastoral
Buenos Aires «Criterios básicos para la aplicación del capítulo
VIII de Amoris laetítia». Muchas gracias por habérmelo
enviado; y los felicito por el trabajo que se han tomado: un
verdadero ejemplo de acompañamiento a los sacerdotes… y
todos sabemos cuánto es necesaria esta cercanía del obíspo
con su clero y del clero con el obispo . El prójimo «más prójimo
» del obispo es el sacerdote, y el mandamiento de amar
al prójimo como a sí mismo comienza para nosotros obispos
precisamente con nuestros curas.
El escrito es muy bueno y explícita cabalmente el sentido del
capitulo VIII de Amoris Laetitia. No hay otras interpretaciones
».
. . .
Lieber Bruder,
ich habe das Dokument der Pastoralregion Buenos Aires „Kriterien
für die Anwendung des VIII. Kapitels von Amoris laetitia“
erhalten. Vielen Dank für die Übermittlung. Ich gratuliere
zur geleisteten Arbeit: ein wirkliches Beispiel der Begleitung
der Priester … und alle wissen wir, wie notwendig diese
Nähe des Bischofs zu seinem Klerus und des Klerus zu seinem
Bischof ist. Der Nächste „Allernächste“ des Bischofs ist
der Priester, und das Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich
selbst, beginnt für uns Bischöfe genau mit unseren Priestern.
Der Text ist sehr gut und bringt das Kapitel VIII von Amoris
laetitia genau zum Ausdruck. Es gibt keine anderen Interpretationen.
Ich bin mir sicher, dass er sehr gut tun wird. Möge
der Herr diese Anstrengung der pastoralen Liebe vergelten.5
• Eure Heiligkeit hat Erzbischof Vincenzo Paglia zum Vorsitzenden der
Päpstlichen Akademie für das Leben und zum Großkanzler des Päpstlichen
Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie ernannt.
Als Leiter des Päpstlichen Rates für die Familie war Erzbischof
Paglia für die Veröffentlichung eines Buches, Famiglia e Chiesa, un legame
indissolubile (Libreria Editrice Vaticana, 2015), verantwortlich, das
5Schreiben der Bischöfe der Pastoralregion Buenos Aires (5. September 2016):
https://www.data.lifesitenews.com/images/pdfs/Criterios_aplicacio%CC%81n
_AL_-_Regio%CC%81n_BA.pdf Schreiben von Papst Franziskus an die Bischöfe der
Pastoralregion Buenos Aires (5. September 2016): https://www.data.lifesitenews.co
m/images/pdfs/Carta_Francisco_en_respaldo_Criterios.pdf
12
die Vorträge von drei Seminaren enthält, die von seinem Dikasterium
zum Thema „Ehe: Glaube, Sakramente, Ordnung“; „Familie, eheliche
Liebe und Generation“ und „Die verletzte Familie und die irregulären
Verbindungen: welche pastorale Haltung“ abgehalten wurden. Dieses
Buch und die Seminare zielen darauf ab, die Vorschläge der Familiensynode
voranzubringen und die Gewährung der Kommunion an die
geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken zu fördern.
• Unter der Autorität Eurer Heiligkeit sind die Richtlinien der Diözese
Rom erstellt worden, die in einigen Umständen den Empfang der
Eucharistie durch Katholiken erlauben, die staatlich geschieden und
standesamtlich wiederverheiratet sind und die mit ihrem Partner more
uxorio zusammenleben.
• Eure Heiligkeit hat Bischof Kevin Farrel zum Präfekten des neuen Dikasterium
für Laien, Familie und Leben ernannt und zum Kardinal
gemacht. Kardinal Farrel hat seine Unterstützung für den Vorschlag
von Kardinal Schönborn gezeigt, dass die wiederverheirateten Geschiedenen
die Kommunion empfangen sollen. Er hat erklärt, dass der Empfang
der Kommunion durch wiederverheiratete Geschiedene ein „Prozess
der Unterscheidung und des Gewissens“6 ist.
• Am 17. Januar 2017 veröffentlichte der Osservatore Romano, die offizielle
Tageszeitung des Heiligen Stuhls, die vom Erzbischof von Malta
und dem Bischof von Gozo erstellten Richtlinien für den Empfang
der Eucharistie durch Personen, die in einer ehebrecherischen Beziehung
leben. Diese Richtlinien haben den sakrilegischen Empfang der
Eucharistie durch einige Personen in dieser Situation erlaubt, in dem
behaupten, dass es in einigen Fällen für diese Personen unmöglich ist,
die Enthaltsamkeit zu praktizieren und schädlich ist, die Keuschheit
leben zu wollen. Der Osservatore Romano äußerte keine Kritik an diesen
Richtlinien, die er lediglich als Ausübung des Lehramtes und der
bischöflichen Autorität darstellte. Diese Veröffentlichung ist ein offizieller
Akt des Heiligen Stuhls, der von Eurer Heiligkeit nicht korrigiert
wurde.
6https://www.ncronline.org/news/vatican/new-cardinal-farrell-amorislaetitia-
holy-spirit-speaking.
13
Correctio
His verbis, actis, et omissionibus, et in iis sententiis libelli Amoris Laetitia
quas supra diximus, Sanctitas Vestra sustentavit recte aut oblique, et in
Ecclesia (quali quantaque intelligentia nescimus nec iudicare audemus) propositiones
has sequentes, cum munere publico tum actu privato, propagavit,
falsas profecto et haereticas:
1. „Homo iustificatus iis caret viribus quibus, Dei gratia adiutus, mandata
obiectiva legis divinae impleat; quasi quidvis ex Dei mandatis sit iustificatis
impossibile; seu quasi Dei gratia, cum in homine iustificationem
efficit, non semper et sua natura conversionem efficiat ab omni peccato
gravi; seu quasi non sit sufficiens ut hominem ab omni peccato gravi
convertat.“
2. „Christifidelis qui, divortium civile a sponsa legitima consecutus, matrimonium
civile (sponsa vivente) cum alia contraxit; quique cum ea
more uxorio vivit; quique cum plena intelligentia naturae actus sui et
voluntatis propriae pleno ad actum consensu eligit in hoc rerum statu
manere: non necessarie mortaliter peccare dicendus est, et gratiam
sanctificantem accipere et in caritate crescere potest.“
3. „Christifidelis qui alicuius mandati divini plenam scientiam possidet
et deliberata voluntate in re gravi eam violare eligit, non semper per
talem actum graviter peccat.“
4. „Homo potest, dum divinae prohibitioni obtemperat, contra Deum ea
ipsa obtemperatione peccare.“
5. „Conscientia recte ac vere iudicare potest actus venereos aliquando probos
et honestos esse aut licite rogari posse aut etiam a Deo mandari,
inter eos qui matrimonium civile contraxerunt quamquam sponsus cum
alia in matrimonio sacramentali iam coniunctus est.“
14
6. „Principia moralia et veritas moralis quae in divina Revelatione et in
lege naturali continentur non comprehendunt prohibitiones qualibus genera
quaedam actionis absolute vetantur utpote quae propter obiectum
suum semper graviter illicita sint.“
7. „Haec est voluntas Domini nostri Iesu Christi, ut Ecclesia disciplinam
suam perantiquam abiciat negandi Eucharistiam et Absolutionem iis
qui, divortium civile consecuti et matrimonium civile ingressi, contritionem
et propositum firmum sese emendandi ab ea in qua vivunt vitae
conditione noluerunt patefacere.“7
Alle diese Thesen widersprechen von Gott offenbarten Wahrheiten, die
7Durch diese Worte, Taten und Unterlassungen und durch die oben genannten Stellen
im Dokument Amoris laetitia hat Eure Heiligkeit auf direkte oder indirekte Weise (mit
welchem und wieviel Bewusstsein wissen wir nicht noch wollen wir das beurteilen) folgende
falschen und häretischen Thesen unterstützt, die in der Kirche sowohl mit dem offiziellen
Amt als auch durch private Handlungen propagiert werden:
1.) Eine gerechtfertigte Person hat nicht die Kraft mit der Gnade Gottes die objektiven
Gebote des Göttlichen Gesetzes zu halten, so als wären einige der Gebote unmöglich zu
halten für jene, die gerechtfertigt sind; oder als würde die Gnade Gottes, indem sie ein
Individuum rechtfertigt, nicht unveränderlich und durch ihre Natur die Bekehrung von
jeder schweren Sünde bewirken; oder daß sie nicht ausreichend wäre für die Bekehrung
von jeder schweren Sünde.
2.) Die Christen, die zivilrechtlich die Scheidung vom Ehegatten erhalten haben, mit
dem sie gültig verheiratet sind, und standesamtlich eine neue Ehe mit einer anderen Person
eingegangen sind (während ihr Ehegatte noch lebt), die also more uxorio mit ihrem
standesamtlichen Partner zusammenleben und entschieden haben, in vollem Bewusstsein
der Natur ihrer Handlung und mit voller Zustimmung des Willens in diesem Status zu verbleiben,
befinden sich nicht unbedingt im Stand der Todsünde, können die heiligmachende
Gnade empfangen und in der Liebe wachsen.
3.) Ein Christ kann die volle Kenntnis eines Göttlichen Gesetzes haben und willentlich
entscheiden, es in einer schwerwiegenden Sache zu verletzten, und dennoch nicht als Folge
dieser Handlung im Stand der Todsünde sein.
4.) Während sie dem Göttlichen Gesetz gehorcht, kann eine Person kraft desselben
Gehorsams gegen Gott sündigen.
5.) Das Gewissen kann wirklich und richtig beurteilen, dass sexuelle Handlungen zwischen
Personen, die eine standesamtliche Ehe eingegangen sind, obwohl eine oder beide
sakramental mit einer anderen Person verheiratet sind, manchmal moralisch gut, erforderlich
oder von Gott geboten sind.
6.) Die moralischen Grundsätze und Wahrheiten, die in der Göttlichen Offenbarung und
im Naturrecht enthalten sind, enthalten keine negativen Verbote, die bestimmte Arten von
Handlungen, die aufgrund ihres Objekts immer auf schwere Weise unzulässig sind, absolut
verbieten.
7.) Unser Herr Jesus Christus will, dass die Kirche ihre immerwährende Disziplin aufgibt,
den wiederverheirateten Geschiedenen die Eucharistie zu verweigern und den wiederverheirateten
Geschiedenen, die keine Reue wegen ihres Lebensstandes zeigen und keinen festen
Vorsatz sich zu ändern, die Absolution zu verweigern.
15
Katholiken durch Zustimmung zum Göttlichen Glauben zu glauben haben.
Sie wurden bereits in der Petition zu Amoris laetitia als Häresien identifiziert,
die von 45 katholischen Gelehrten den Kardinälen und den Patriarchen der
Ostkirchen übermittelt wurde.8
81) Konzil von Trient, Sechste Sitzung, Sum hoc tempore über die Rechtfertigung, Can.
18: „Wenn jemand sagt, die Gebote Gottes seien auch dem gerechtfertigten, und unter die
Gnade gestellten Menschen zu halten unmöglich, der sei im Bann“ (DH 1568).
Siehe auch: Gen 4,7; Dtn 30,11–19, Sir 15,11–22, Mk 8,38; Lk 9,26; Hebr 10,26–29; 1
Joh 5,17; Zosimus, 15 (oder 16), Synode von Karthago, Can. 3 über die Gnade (DH
225); Felix III, Zweite Synode von Orange (DH 397); Konzil von Trient, Fünfte Sitzung,
Ut fides nostra catholica, Can. 5; Sechste Sitzung, Sum hoc tempore, Can. 18–20, 22, 27
und 29; Pius V., Bulle Ex omnibus afflictionibus, Irrtümer des Michael Baius, 54 (DH
1954); Innozenz X., Konst. Cum occasione, Irrtümer des Cornelius Jansen. 1 (DH 2001);
Clemens XI., Konst. Unigenitus Dei Filius, Irrtümer des Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471);
Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Reconciliatio et pænitentia, 17, AAS 77 (1985),
222; idem, Veritatis splendor, 65–70, AAS 85 (1993), 1185–1189 (DH 4964–4967).
2) Mk 10,11–12: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht
ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der
Ehe entlässt und einen anderen heiratet.“
Siehe auch: Ex 20,14; Mt 5,32 und 19,9; Lk 16,18; 1 Kor 7,10–11; Hebr 10,26–29; Konzil
von Trient, Sechste Sitzung,Sum hoc tempore, Can. 19–21; Vierundzwanzigste Sitzung,
Matrimonii perpetuum, Can. 5 und 7; Innozenz XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 62–63
(DH 2162–2163); Alexander VIII., Dekret des Heiligen Offiziums über die „Philosophische
Sünde“ (Peccatum philosophicum) (DH 2291); Johannes Paul II.,Veritatis splendor, 65–70,
AAS 85 (1993), 1185–1189 (DH 4964–4967).
3) Konzil von Trient, Sechste Sitzung, Sum hoc tempore, Can. 20: „Wenn jemand sagt,
der gerechtfertigte und, wie immer, vollkommene Mensch sei nicht zur Haltung der Gebote
Gottes und der Kirche, sondern nur zum Glauben verpflichtet; so als wenn das Evangelium
eine nackte und unbedingte Verheißung des ewigen Lebens wäre, ohne die Bedingung der
Beobachtung der Gebote, der sei im Bann“ (DH 1570).
Siehe auch: Mk 8,38; Lk 9,26; Hebr 10,26–39; 1 Joh 5,17; Konzil von Trient, Sechste
Sitzung, Sum hoc tempore, Can. 19 und 27; Clemens XI., Konst.Unigenitus Dei Filius,
Irrtümer des Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Reconciliatio et pænitentia, 17, AAS 77 (1985), 222; Idem, Veritatis splendor, 65–70, AAS
85 (1993), 1185–1189 (DH 4964–4967).
4) Ps 19,8: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele.“
Siehe auch: Sir 15,21; Konzil von Trient, Sechste Sitzung, Sum hoc tempore, Can. 20
(DH 1570); Clemens XI., Konst.Unigenitus Dei Filius, Irrtümer des Pasquier Quesnel, 71
(DH 2471); Leo XIII., Libertas præstantissimum, ASS 20 (1886–1888), 598 (DH 3248);
Johannes Paul II., Veritatis splendor, 40, AAS 85 (1993), 1165 (DH 4953).
5) Konzil von Trient, Sechste Sitzung, Sum hoc tempore, Can. 21: „Wenn jemand sagt,
Jesus Christus sei den Menschen von Gott nur als ein Erlöser, dem sie glauben und nicht
auch als ein Gesetzgeber, dem sie gehorchen sollen, gegeben worden, der sei im Bann“ (DH
1571).
Konzil von Trient, Vierundzwanzigste Sitzung, Matrimonii perpetuum, Can. 2: „Wenn
jemand sagt, es sei den Christen erlaubt, zugleich mehrere Frauen zu haben und dies sei
durch kein göttliches Gesetz verboten, der sei im Bann“ (DH 1802).
Konzil von Trient, Vierundzwanzigste Sitzung, Matrimonii perpetuum, Can. 5: „Wenn
16
jemand sagt, wegen Irrlehre oder beschwerlicher Beiwohnung oder vorgeschobener Abwesenheit
des einen Ehegatten könne das Band der Ehe aufgelöst werden, der sei im Bann“
(DH 1805).
Konzil von Trient, Vierundzwanzigste Sitzung, Matrimonii perpetuum, Can. 7: „Wenn
jemand sagt, die Kirche irre, da sie lehrte und lehrt, dass nach der evangelischen und apostolischen
Lehre, wegen Ehebruch des einen Ehegatten, das Band der Ehe nicht aufgelöst
werden könne und dass Keiner von beiden, nicht einmal der Unschuldige, der nicht Ursache
zum Ehebruch gab, eine andere eingehen könne, so lange der andere Ehegatte lebt und
dass derjenige, welche eine Ehebrecherin entlassend, eine andere ehelicht und diejenige,
welche den Ehebrecher entlassend, sich einem anderen ehelicht, Ehebruch begehe, der sei
im Bann“ (DH 1807).
Siehe auch: Ps 5,5; Ps 18,8–9; Sir 15,21; Hebr 10,26–29; Jak 1,13; 1 Joh 3,7; Innozenz
XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 62–63 (DH 2162–2163); Clemens XI., Konst.
Unigenitus Dei Filius, Irrtümer des Pasquier Quesnel, 71 (DH 2471); Leo XIII., Libertas
præstantissimum, ASS 20 (1887–1888), 598 (DH 3248); Pius XII., Dekret des Heiligen Offiziums
über die „Situationsethik“ (DH 3918); Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et
spes, 16; Johannes Paul II., Veritatis splendor, 54, AAS 85 (1993): 1177; Katechismus der
Katholischen Kirche, 1786–1787.
6) Johannes Paul II., Veritatis splendor 115: „Jeder von uns weiß um die Bedeutung
der Lehre, die den Kern dieser Enzyklika darstellt und an die heute mit der Autorität
des Nachfolgers Petri erinnert wird. Jeder von uns kann den Ernst dessen spüren, worum
es mit der erneuten Bekräftigung der Universalität und Unveränderlichkeit der sittlichen
Gebote und insbesondere derjenigen, die immer und ohne Ausnahme in sich schlechte Akte
verbieten, nicht nur für die einzelnen Personen, sondern für die ganze Gesellschaft geht“
(DH 4971).
Siehe auch: Röm 3,8; 1 Kor 6,9–10; Gal 5,19–21; Apg 22,15; Viertes Laterankonzil, Kap.
22 (DH 815); Konzil von Konstanz, Bulle Inter cunctas, 14 (DH 1254); Paul VI.,Humanae
vitae, 14, AAS 60 (1968), 490–491; Johannes Paul II.,Veritatis splendor, 83, AAS 85 (1993),
1199 (DH 4970).
7) 1 Kor 11,27: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn
trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.“
Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 84: „Die Wiederversöhnung
im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann
nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus
und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das
nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass,
wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der
Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, „sie sich verpflichten,
völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten
vorbehalten sind.“
Zweites Laterankonzil, Can. 20: „Weil es fürwahr unter anderem eines gibt, was die
heilige Kirche im höchsten Grad verwirrt, nämlich die falsche Buße, ermahnen wir unsere
Mitbrüder und die Priester, nicht zu dulden, dass die Seelen der Laien durch falsche
Bußen getäuscht und in die Hölle gezogen werden. Um eine falsche Buße aber handelt es
sich bekanntlich, wenn man unter Vernachlässigung von mehrerem nur für eines Buße tut,
oder wenn man so für eines (Buße) tut, dass man von etwas anderem nicht ablässt“ (DH
717).
Siehe auch: Mt 7,6; Mt 22,11–13; 1 Kor 11,27–29; Hebr 13,8; Konzil von Trient, Konzil
17
Für das Wohl der Seelen ist es nötig, dass sie erneut von der kirchlichen
Autorität verurteilt werden. Mit der Auflistung dieser sieben Thesen wollen
wir keine vollständige Liste aller Häresien und Irrtümer vorlegen, die der
Leser bei einer objektiven Lektüre von Amoris laetitia, gemäß seinem natürlichen
und offensichtlichen Sinn, feststellen würde, da sie durch das Dokument
behauptet, nahegelegt oder in begünstigt werden. Vielmehr beziehen wir uns
auf jene sieben Thesen, die Eure Heiligkeit durch Worte, Taten und Unterlassungen
– wie bereits dargelegt – effektiv unterstützt und verbreitet, und
dadurch einen große und unmittelbare Gefahr für die Seelen verursacht hat.
Deshalb wenden wir uns in dieser kritischen Stunde an diecathedra veritatis,
die Römische Kirche, die durch das Göttliche Gesetz Vorrang vor allen
Kirchen hat und deren loyale Söhne wir sind und immer sein wollen. Respektvoll
beharren wir darauf, dass Eure Heiligkeit öffentlich diese Thesen
zurückweist und so den Auftrag erfüllt, den Unser Herr Jesus Christus dem
Petrus und durch ihn allen seinen Nachfolgern übertragen hat bis zum Ende
der Welt: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt.
Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).
Respektvoll bitten wir um Euren Apostolischen Segen und versichern Sie
unserer kindlichen Ergebenheit in Unserem Herrn und unseres Gebets für
das Wohl der Kirche.
von Trient, Vierzehnte Sitzung, Sacrosancta oecumenica, Dekret über das Sakrament der
Buße, Kap. 4; Konzil von Trient, Dreizehnte Sitzung,Sacrosancta oecumenica, Dekret über
das Altarsakrament (DH 1636–1647); Innozenz XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 60–63
(DH 2160–2163); Katechismus der Katholischen Kirche, 1451 und 1490.
18
Unterzeichner
Dr. Gerard J. M. van den Aardweg European editor, Empirical Journal
of Same-Sex Sexual Behavior
Prof. Jean Barbey Historian and Jurist, former Professor at the University
of Maine
Philip M. Beattie BA (Leeds), MBA(Glasgow), MSc (Warwick), Dip.Stats
(Dublin) Associate Lecturer, University of Malta (Malta)
Fr Claude Barthe Diocesan Priest
Fr Jehan de Belleville Religious
Dr. Philip Blosser Professor of Philosophy, Sacred Heart Major Seminary,
Archdiocese of Detroit
Fr Robert Brucciani District superior of the SSPX in Great Britain
Prof. Mario Caponnetto University Professor, Mar de la Plata (Argentina)
Mr Robert F. Cassidy STL
Fr Isio Cecchini Parish Priest in Tuscany
Salvatore J. Ciresi, M.A. Director of the St. Jerome Biblical Guild,
Lecturer at the Notre Dame Graduate School of Christendom College
Fr. Linus F Clovis, Ph.D., JCL, M.Sc., STB, Dip. Ed, Director of the
Secretariat for Family and Life in the Archdiocese of Castries
Fr Paul Cocard Religious
Fr Thomas Crean OP STD
Prof. Matteo D’Amico Professor of History and Philosophy, Senior
High School of Ancona
Dr. Chiara Dolce PhD Research doctor in Moral Philosophy at the
University of Cagliari
Deacon Nick Donnelly MA
Petr Dvorak Head of Department for the Study of Ancient and Medieval
Thought at the Institute of Philosophy, Czech Academy of Sciences, Prague;
Professor of philosophy at Saints Cyril and Methodius Theological Faculty,
Palacky University, Olomouc, Czech Republic
H.E. Mgr Bernard Fellay Superior General of the SSPX
19
Christopher Ferrara Esq. Founding President of the American Catholic
Lawyers’ Association
Prof. Michele Gaslin Professor of Public Law at the University of Udine
Prof. Corrado Gnerre Professor at the Istituto Superiore di Scienze
Religiose of Benevento, Pontifical Theological University of Southern Italy
Dr. Ettore Gotti Tedeschi Former President of the Institute for Works
of Religion (IOR), Professor of Ethics at the Catholic University of the Sacred
Heart, Milan
Dr. Maria Guarini STB Pontificia Università Seraphicum, Rome; editor
of the website Chiesa e postconcilio
Prof. Robert Hickson PhD Retired Professor of Literature and of
Strategic-Cultural Studies
Fr John Hunwicke Former Senior Research Fellow, Pusey House, Oxford
Fr Jozef Hutta Diocesan Priest
Prof. Isebaert Lambert Full Professor at the Catholic University of
Louvain, and at the Flemish Katholieke Universiteit Leuven
Dr. John Lamont STL DPhil (Oxon.)
Fr Serafino M. Lanzetta STD Lecturer in Dogmatic Theology, Theological
Faculty of Lugano, Switzerland; Priest in charge of St Mary’s, Gosport,
in the diocese of Portsmouth
Prof.Massimo de Leonardis Professor and Director of the Department
of Political Sciences at the Catholic University of the Sacred Heart in Milan
Msgr. Prof. Antonio Livi Academic of the Holy See Dean emeritus of
the Pontifical Lateran University Vice-rector of the church of Sant’Andrea
del Vignola, Rome
Dr. Carlo Manetti Professor in Private Universities in Italy
Prof. Pietro De Marco Former Professor at the University of Florence
Prof. Roberto de Mattei Former Professor of the History of Christianity,
European University of Rome, former Vice President of the National
Research Council (CNR)
Fr Cor Mennen Lecturer in Canon Law at the Major Seminary of the
Diocese of ‘s-Hertogenbosch (Netherlands). Canon of the cathedral chapter
of the diocese of ‘s-Hertogenbosch
Prof. Stéphane MercierLecturer in Philosophy at the Catholic University
of Louvain
Don Alfredo Morselli STL Parish priest of the archdiocese of Bologna
Martin Mosebach Writer and essayist
Dr. Claude E. Newbury M.B., B.Ch., D.T.M&H., D.O.H., M.F.G.P.,
D.C.H., D.P.H., D.A., M. Med; Former Director of Human Life Internatio-
20
nal in Africa south of the Sahara; former Member of the Human Services
Commission of the Catholic Bishops of South Africa
Prof. Lukas Novak Faculty of Arts and Philosophy, Charles University,
Prague
Fr Guy Pagès Diocesan Priest
Prof. Paolo Pasqualucci Professor of Philosophy (retired), University
of Perugia
Prof. Claudio Pierantoni Professor of Medieval Philosophy in the Philosophy
Faculty of the University of Chile; Former Professor of Church History
and Patrology at the Faculty of Theology of the Pontificia Universidad
Católica de Chile
Father Anthony Pillari, J.C.L., M.C.L
Prof. Enrico Maria Radaelli Philosopher, editor of the works of Romano
Amerio
Dr. John Rao Associate Professor of History, St. John’s University,
NYC; Chairman, Roman Forum
Dr. Carlo Regazzoni Licentiate in Philosophy at University of Freiburg
Dr. Giuseppe Reguzzoni External Researcher at the Catholic University
of Milan and former editorial assistant of Communio, International Catholic
Review (Italian edition)
Prof. Arkadiusz Robaczewski Former Professor at the Catholic University
of Lublin
Fr Settimio M. Sancioni STD Licence in Biblical Science
Prof. Andrea Sandri Research Associate, Catholic University of the
Sacred Heart in Milan
Dr. Joseph Shaw Tutor in Moral philosophy, St Benet’s Hall, University
of Oxford
Wolfram Schrems Mag. theol., Mag. phil. Vienna (Austria), catechist
for adults, contributor for Catholic and secular websites, works in the prolife-
field
Fr Paolo M. Siano HED (Historiae Ecclesiasticae Doctor)
Dr. Cristina Siccardi Historian of the Church
Dr. Anna Silvas Adjunct research fellow, University of New England,
NSW, Australia
Prof. Dr Thomas Stark Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI, Heiligenkreuz
Rev. Glen Tattersall Parish Priest, Parish of Bl. John Henry Newman,
archdiocese of Melbourne; Rector, St Aloysius’ Church
Prof. Giovanni Turco Associate Professor of Philosophy of Public Law
at the University of Udine, Member Corrispondent of the Pontificia Accademia
San Tommaso d’Aquino
21
Prof. Piero Vassallo Former editor of Cardinal Siri’s theological review
Renovatio
Prof. Arnaldo Vidigal Xavier da Silveira Former Professor at the
Pontifical University of São Paulo, Brazil
Mons. José Luiz Villac Former Rector of the Seminary of Jacarezinho
22
Erklärung
Um unsere Correctio zu erklären und eine Verteidigung gegen die Ausbreitung
der Irrtümer zu verfassen, möchten wir die Aufmerksamkeit auf zwei generelle
Quellen des Irrtums lenken, die uns Vehikel der Häresien scheinen, die wir
angeführt haben. Wir sprechen vor allem von einem falschen Verständnis der
göttlichen Offenbarung, die generell mit dem Namen Modernismus bezeichnet
wird, aber auch von den Lehren Martin Luthers.
A. Das Problem des Modernismus
Das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung wird von zeitgenössischen
Theologen häufig geleugnet und diese Leugnung hat bezüglich der
Natur der göttlichen Offenbarung und des Glaubens zu einer grassierenden
Verwirrung unter den Katholiken geführt. Um jedes Missverständnis zu vermeiden,
das aufgrund dieser Verwirrung entstehen könnte, und um zu rechtfertigen,
was wir bezüglich der Verbreitung von Häresien in der Kirche behaupten,
werden wir das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung
und des Glaubens, das wir diesem Dokument zugrunde gelegt haben, beschreiben.
Diese Beschreibung ist auch notwendig, um auf die Stellen in Amoris laetitia
zu antworten, in denen gesagt wird, dass man den Lehren Christi und des
kirchlichen Lehramtes zu folgen habe. Diese Stellen sind folgende: „Selbstverständlich
ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig“
(AL, 3). „In Treue zur Lehre Christi betrachten wir die Wirklichkeit der heutigen
Familie in ihrer ganzen Komplexität“ (AL, 32). „In diesem Sinn gilt es,
die Enzyklika Humanae vitae (http://w2.vatican.va/content/paul-vi/d
e/encyclicals/documents/hf_p-vi_enc_25071968_humanae-vitae.html
(vgl. 10–14) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio
(http://w2.vatican.va/content/john-paul-ii/de/apost_exhortations
/documents/hf_jp-ii_exh_19811122_familiaris-consortio.html (vgl. 14,
28–35) wiederzuentdecken“ (AL, 222). „Die Worte des Meisters (vgl. Mt
22,30) und die des heiligen Paulus (vgl. 1 Kor 7,29–31) über die Ehe sind
23
– nicht zufällig – in die letzte und endgültige Dimension unseres Lebens eingefügt,
die wir wiedergewinnen müssen“ (AL 325). Diese Stellen könnten als
Versicherung gesehen werden, dass nichts in Amoris laetitia zur Verbreitung
von Irrtümern beiträgt, die der katholischen Lehre widersprechen. Eine Beschreibung
der wahren Natur der Zustimmung zur katholischen Lehre ist
daher nützlich, um unsere Position zu erklären:Amoris laetitia trägt wirklich
dazu bei, diese Irrtümer zu verbreiten.
Folgende Wahrheiten, die von der Heiligen Schrift, der heiligen Tradition,
dem universalen Konsens der Väter und des Lehramtes der Kirche gelehrt
werden, bieten die Zusammenfassung der katholischen Lehre über den
Glauben, die göttliche Offenbarung, die Unterweisung durch das unfehlbare
Lehramt und die Häresie:
1. Die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, deren
historischer Charakter von der Kirche ohne Zögern behauptet wird,
vermitteln getreu, was Jesus Christus während seines Lebens unter den
Menschen wirklich für ihr ewiges Seelenheil bis zum Tag seiner Himmelfahrt
getan und gelehrt hat.9
2. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Folglich sind alle
seine Lehren von Gott selbst.10
9Clemens VI, Super quibusdam, Brief an Mekhitar, Katholikos der Armenier, quæstio
14 (DH 1065): „Ob Du geglaubt hast und glaubst, daß das Neue und Alte Testament in
allen Büchern, die uns die Autorität der Römischen Kirche überliefert hat, in allem die
unzweifelhafte Wahrheit enthält.“
Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 18–19: „Denn was die Apostel nach Christi
Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie
selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert:
das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Unsere heilige
Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran
fest, daß die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht,
zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen
zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen
wurde (vgl. Apg 1,1–2).“
Siehe auch: Lk 1,1–4; Joh 19,35; 2 Petr 1,16; Pius IX., Syllabus, 7; Leo XIII., Providentissimus
Deus, ASS 26 (1893–94) 276–77; Pius X., Lamentabili sane, 13–17;Praestantia
Scripturae ASS 40 (1907), 724ff.
101 Joh 5,10: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht
glaubt, macht ihn zum Lügner […].“
Konzil von Chalkedon,Definition, (DH 301): „In der Nachfolge der heiligen Väter also
lehren wir alle übereinstimmend, unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn
zu bekennen: derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe ist vollkommen in der
Menschheit; derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele
und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach
uns wesensgleich […]“.
24
3. Alle Propositionen, die im katholischen Glauben enthalten sind, sind
von Gott mitgeteilte Wahrheiten.11
4. Indem wir zustimmend an diese Wahrheiten glauben, also mit einem
Akt der göttlichen Tugend des Glaubens, glauben wir dem Zeugnis dessen,
der spricht. Das göttliche Glaubensbekenntnis ist eine besondere
Form der generellen intellektuellen Aktivität, indem wir an eine Proposition
glauben, weil sie von dem behauptet wird, der spricht, und weil
der, der spricht bezüglich der Behauptung, die er äußert, für glaubwürdig
gehalten wird. Im göttlichen Glaubensbekenntnis glaubt man
Gott, der spricht, und Ihm wird geglaubt, weil Er Gott ist und daher
glaubwürdig.12
Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum 4: „Nachdem Gott viele Male und auf viele
Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, ‚hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns
gesprochen im Sohn‘ (Hebr 1,1-2). Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller
Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes
Kunde bringe (vgl. Joh 1,1-18). Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als ‚Mensch zu
den Menschen gesandt (3), „redet die Worte Gottes’ (Joh 3,34)“.
Siehe auch: Mt 7,29; Mt 11,25–27; Mk 1,22; Lk 4,32; Joh 1,1–14; Pius X., Lamentabili
sane, 27.
11Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, 3. Kap.: „Dieser Glaube, der Anfang des
menschlichen Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend,
kraft deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr
halten, was Gott geoffenbart hat“.
Pius X., Lamentabili sane, 22 (verurteilte Thesen): „Die Dogmen, welche die Kirche als
Offenbarungen hinstellt, sind keine vom Himmel gefallenen Wahrheiten […]“
Siehe auch: 1 Thess 2,13; Pius X., Lamentabili sane, 23–26; Pascendi dominici gregis,
ASS 40 (1907) 611; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae,
24. Juni 1973.
12Joh 3,11: „Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir
gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an“.
Joh 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“.
1 Joh 5,9–10: „Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes
gewichtiger; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn.
Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht
ihn zum Lügner […]“
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3, Can. 2 (DH 3032): „Wer sagt, der göttliche
Glaube unterscheide sich nicht vom natürlichen Wissen über Gott und die sittlichen
Dinge, und deswegen sei es für den göttlichen Glauben nicht erforderlich, daß die geoffenbarte
Wahrheit wegen der Autorität des offenbarenden Gottes geglaubt werde: der sei mit
dem Anathema belegt“.
Pius X., Lamentabili sane, 26 (verurteilte These): „Die Glaubenssätze sind nur nach
ihrem praktischen Sinn zu betrachten, d. h. als verpflichtende Richtschnur für das Handeln,
nicht jedoch als Richtschnur für den Glauben“.
Pius X., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910),
669–672, (DH 3542): „Als ganz sicher halte ich fest und bekenne aufrichtig, dass der Glau-
25
5. An das göttliche Zeugnis zu glauben, unterscheidet sich vom Glauben
an das Zeugnis der Menschen, die nicht göttlich sind, weil Gott allwissend
und vollkommen gut ist. Folglich kann Er weder lügen noch
betrügen. Daher ist es unmöglich, dass das göttliche Zeugnis falsch ist.
Weil die Wahrheiten des katholischen Glaubens uns von Gott mitgeteilt
sind, ist die gläubige Zustimmung zu ihnen eine Gewissheit. Ein
katholischer Gläubiger hat keinen vernünftigen Grund, auch nur eine
dieser Wahrheit zu bezweifeln oder nicht an sie zu glauben.13
6. Die menschliche Vernunft kann von sich aus die Wahrheit des katholischen
Glaubens durch die öffentliche Evidenz des göttlichen Ursprungs
be nicht ein blindes religiöses Gefühl ist, das aus dem Dunkel des Unterbewusstseins im
Drang des Herzens und aus der Neigung des sittlich geformten Willens entspringt, sondern
dass er eine wahre Zustimmung des Verstandes zu der von außen durch Hören empfangenen
Wahrheit ist, durch die wir auf die Autorität Gottes des Allwahrhaftigen hin für wahr
halten, was uns vom persönlichen Gott, unserm Schöpfer und Herrn, gesagt, bezeugt und
geoffenbart worden ist“.
Siehe auch: Joh 8,46; 10,16; Röm 11,33; Hebr 3,7; 5,12; Pius IX., Qui pluribus, Acta
(Rom 1854) 1/1,6–13; Syllabus, 4–5; Pius X., Lamentabili sane, 20; Pascendi dominici
gregis, AAS 40 (1907) 604ff; Johannes Paul II., Erklärung über die Einzigkeit und die
Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche, Dominus Iesus, 7.
13Num 23,19: „Gott ist kein Mensch, der lügt“.
Pius IX.,Qui pluribus (DH 2778): „Wer wüßte nämlich nicht oder könnte verkennen,
daß Gott, wenn er spricht, aller Glaube entgegenzubringen ist, und daß nichts mit der
Vernunft selbst mehr übereinstimmt, als dem zuzustimmen und getreu anzuhangen, von
dem feststeht, daß es von Gott geoffenbart wurde, der weder sich täuschen und täuschen
kann?“
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, 3. Kap., 16: „Dieser Glaube, der Anfang des
menschlichen Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend,
kraft deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr
halten, was Gott geoffenbart hat und zwar nicht, weil wir im natürlichen Licht der Vernunft
die innere Wahrheit des Sachverhaltes durchschauen, sondern auf die Autorität des
offenbarenden Gottes hin, der weder selber irren noch andere in Irrtum führen kann“.
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3, Can. 6: „Wer sagt, die Lage der Gläubigen
und derer, die noch nicht zum einzig wahren Glauben gelangt sind, sei gleich, so daß
Katholiken einen triftigen Grund haben können, den Glauben, den sie unter dem Lehramt
der Kirche schon angenommen haben, nach Aufhebung der Zustimmung in Zweifel zu ziehen,
bis sie einen wissenschaftlichen Beweis für die Glaubwürdigkeit und Wahrheit ihres
Glaubens erbracht haben: der sei mit dem Anathema belegt“.
Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 12: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche
die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht
irren.“
Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit,
Nr. 4 (DH 4538): „Alle Dogmen aber müssen, da sie ja offenbart sind, mit dem
gleichen göttlichen Glauben geglaubt werden“.
Siehe auch: Apg 3,14; Innozenz XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 20–21, (DH
2120–2121); Pius IX., Syllabus, 15–18; Pius X.,Lamentabili sane, 25.
26
der Katholischen Kirche erkennen, aber eine solche Überlegung kann
keinen Glaubensakt hervorbringen. Die göttliche Tugend des Glaubens
und der Glaubensakt können nur durch die göttliche Gnade hervorgebracht
werden. Ein Mensch, der diese Tugend besitzt, der aber aus
freien Stücken und bewusst entscheidet, nicht an eine Wahrheit des katholischen
Glaubens zu glauben, begeht eine Todsünde und verliert das
ewige Leben. 14
14Mk 16,20: „Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und
bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ“.
2 Kor 3,5: „Doch sind wir dazu nicht von uns aus fähig, als ob wir uns selbst etwas
zuschreiben könnten; unsere Befähigung stammt vielmehr von Gott.“
1 Petr 3,15: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem
Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“.
Tit 3,10–11: „Wenn du einen Sektierer einmal und ein zweites Mal ermahnt hast, so
meide ihn. Du weißt, ein solcher Mensch ist auf dem verkehrten Weg; er sündigt und
spricht sich selbst das Urteil“.
Off 22,19: „Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem
wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von
denen in diesem Buch geschrieben steht“.
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3: „Trotzdem soll unser Glaubensgehorsam
ein vernunftgemäßer sein (vgl. Röm 12,1). Darum hat Gott gewollt, dass mit den inneren
Gnadenhilfen des Heiligen Geistes auch äußere Beweise seiner Offenbarung sich verbinden:
nämlich gottgewirkte Taten, vor allem Wunder und Weissagungen. Als sprechende
Zeugnisse für Gottes Allmacht und unendliches Wissen sind sie die sichersten Kennzeichen
göttlicher Offenbarung, und außerdem der Fassungskraft aller angemessen. Deshalb haben
schon Moses und die Propheten, namentlich aber Christus der Herr selbst zahlreiche und
völlig einwandfreie Wunder und Prophezeiungen getan [. . . ]
Damit wir nun der Pflicht nachkommen können, den wahren Glauben anzunehmen und
darin standhaft auszuharren, hat Gott durch seinen eingeborenen Sohn die Kirche gegründet,
und sie mit offenkundigen Merkmalen als seine Stiftung ausgezeichnet in der Absicht,
damit alle imstande wären, sie als Hüterin und Lehrerin der Offenbarung zu erkennen.
Denn auf die katholische Kirche allein bezieht sich all das, was Gottes Vorsehung in solcher
Fülle und mit solch wunderbarer Macht gewirkt hat, um die Glaubwürdigkeit der
christlichen Religion ganz einleuchtend zu machen.
Die Zustimmung zum Glauben ist demnach durchaus keine blinde Regung des Gemütes.
Aber es kann anderseits auch niemand der Verkündigung des Evangeliums so beistimmen,
wie es zur Erlangung des Heils notwendig ist, ohne die Erleuchtung und Anregung des
Heiligen Geistes, der allen die Annahme der Wahrheit leicht und angenehm macht (Zweite
Synode von Orange, Can. 7). So ist denn der Glaube schon an und für sich, auch wenn
er sich nicht durch die Liebe betätigt, ein Geschenk Gottes, und der Glaubensakt ist eine
Tat, die mit dem Heil in enger Verbindung steht“.
Siehe auch: Zweite Synode von Orange, Can. 7; Innozenz XI., Verurteilte Sätze der
„Laxisten“, 20–21; Gregor XVI., Thesen von Louis-Eugène Bautain unterschrieben, 6 (DH
2756); Pius IX., Syllabus, 15–18; Pius X., Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907) 596–597;
Id., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910), (DH 3539);
Pius XII., Humani generis, AAS 42 (1950) 571.
27
7. Die Wahrheit einer Proposition besteht darin, von dem, was ist, auszusagen,
daß es ist scholastisch ausgedrückt handelt es sich um eine
adaequatio rei et intellectus. Jede Wahrheit ist eine solche, unabhängig
davon, von wem oder wann oder unter welchen Umständen sie als
solche erfasst wird. Keine Wahrheit kann einer anderen Wahrheit widersprechen.
15
8. Der katholische Glaube behandelt die ganze Wahrheit von Gott nicht
erschöpfend, da allein der göttliche Intellekt das göttliche Sein vollständig
erfassen kann. Dennoch ist jede Wahrheit des katholischen Glaubens
völlig und ganz wahr; die Merkmale der Wirklichkeit, die von
dieser Wahrheit formuliert werden, entsprechen genau jenen, die diese
Wahrheiten selbst darstellen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem
Inhalt der Glaubenslehre und den Dingen, so wie sie sind.16
15Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 15: „In Teilnahme am Licht des göttlichen
Geistes urteilt der Mensch richtig, daß er durch seine Vernunft die Dingwelt überragt“.
Johannes Paul II., Fides et ratio, 27: „An und für sich erscheint jede Wahrheit, auch
Teilwahrheit, wenn sie wirklich Wahrheit ist, als universal. Was wahr ist, muß für alle und
für immer wahr sein“.
Johannes Paul II., Fides et ratio, 82: „Daher gilt eine zweite Forderung: Überprüfung
der Fähigkeit des Menschen, zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen; eine Erkenntnis
übrigens, die zur objektiven Wahrheit gelangt durch jene adaequatio rei et intellectus, auf
die sich die Gelehrten der Scholastik beziehen“.
Siehe auch: Pius XII., Humani generis, AAS 42 (1950) 562–563, 571–572, 574–575;
Johannes XXIII., Ad Petri cathedram, AAS 1959 (51) 501–502; Johannes Paul II., Fides
et ratio, 4–10, 12–14, 49, 54, 83–85, 95–98.
161 Kor 2,9–10: „Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das
Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist.
Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes“.
1 Kor 2,12–13: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist,
der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist.
Davon reden wir auch [. . . ]“.
Pius XII., Humani generis (DH 3882–3883): „Es könne und müsse das deshalb auch
geschehen, behaupten einige mit einiger Kühnheit, weil die Geheimnisse des Glaubens sich
niemals in Begriffe fassen lassen, die vollständig der Wahrheit entsprechen, sondern nur in
Ausdrücken, die ’annäherungsweise’ wahr, und ständig Veränderungen unterworfen sind;
diese deuten die Wahrheiten zwar einigermaßen, gestalten sie aber auch notwendigerweise
um. Darum halten sie es nicht für abwegig, sondern für durchaus notwendig, dass die
Theologie entsprechend den verschiedenen Philosophien, deren sie sich im Laufe der Zeit als
Instrument bedient, neue Begriffe an die Stelle der alten setze, so dass sie auf verschiedene
Weise, die unter sich sogar in gewissem Sinn im Widerspruch stehen, aber, wie sie sagen,
das gleiche bedeuten, die gleichen göttlichen Wahrheiten in menschlicher Art ausdrücken..
[. . . ] Die bisherigen Ausführungen zeigen deutlich, dass diese Versuche nicht nur zum
sogenannten dogmatischen ‚Relativismus‘ führen, sondern ihn bereits enthalten [. . . ]“.
Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehl-
28
9. Das göttliche Sprechen, das die Wahrheiten des katholischen Glaubens
mitteilt, ist in menschlicher Sprache ausgedrückt. Der inspirierte hebräische
und griechische Text der Heiligen Schriften ist selbst in allen
seinen Teilen durch Gott ausgedrückt. Es handelt sich nicht um eine
bloße Zusammenfassung durch Menschen oder um eine Interpretation
der Göttlichen Offenbarung, und kein Teil ist in seiner Bedeutung nur
auf menschliche Ursachen zurückzuführen. Indem wir an die Lehre der
Heiligen Schrift glauben, glauben wir direkt Gott selbst. Wir glauben
dem, was Gott sagt, indem wir uns auf das Zeugnis von jemand anderem
stützen, einer nichtgöttlichen Person oder Menschen im allgemeinen.17
barkeit, Nr. 5, DH 4540: „Der Sinn der dogmatischen Formeln selbst aber bleibt in der
Kirche immer wahr und konstant, wenn er auch mehr erhellt und vollständiger erkannt
wird. Die Christgläubigen müssen sich also von der Meinung abwenden, nach der: Erstens
die dogmatischen Formeln (oder gewisse Arten von ihnen) die Wahrheit nicht bestimmt,
sondern nur veränderlich approximativ bezeichnen und dabei verunstalten oder verändern;
zweitens die Wahrheit nur unbestimmt bezeichnen, die man ständig durch die genannten
Annäherungswerte suchen müsse“.
Siehe auch: Pius X., Lamentabili sane, 4.
171 Tes 2,13: „Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das
ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was
es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt; [. . . ]“.
2 Tim 3,16: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung“.
2 Petr 1,20–21: „Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig
ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil
ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag
Gottes geredet“
Pius XII., Divino afflante Spiritu, AAS 35 (1943) 299–300: „Endlich ist es ganz unzulässig,
die ‚Inspiration bloß auf einige Teile der Heiligen Schrift zu beschränken oder
zuzugeben, der heilige Schriftsteller selbst habe geirrt“, denn „die göttliche Inspiration
schließt nicht nur jeden Irrtum aus, sondern die Verwerfung und der Ausschluß der Irrtums
sind ihr so wesentlich notwendig, wie es wesentlich notwendig ist, dass Gott, die
höchste Wahrheit, nicht der Urheber eines Irrtum ist. Das ist der alte und beständige
Glaube der Kirche‘. Diese Lehre, die Unser Vorgänger Leo XIII. mit so gewichtigem Ernst
dargelegt hat, legen auch Wir kraft Unserer Autorität vor und dringen darauf, dass sie
von allen gewissenhaft festgehalten wird“.
Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 11: „Das von Gott Geoffenbarte, das in der
Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet
worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter,
der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen
ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes
geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben
und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott
Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu
dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben
haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern“.
Siehe auch: Joh 10,16.35; Hebr 3,7.5,12; Leo XIII., Providentissimus Deus, (DH
29
10. Wenn die Kirche unfehlbar lehrt, dass eine Proposition ein göttlich
offenbarter Teil des katholischen Glaubens ist und mit Glaubenszustimmung
zu glauben ist, glauben die Katholiken, die dieser Lehre ihre
Zustimmung geben, an das, was Gott mitgeteilt hat, und sie glauben
daran aufgrund der Tatsache, dass Er es gesagt hat.18
11. Die Sprachen, in denen die Göttliche Offenbarung ausgedrückt ist, und
die Kulturen und die Geschichte, die diesen Sprachen Form gegeben
haben, schränken weder etwas von der in ihnen ausgedrückten Göttlichen
Offenbarung ein noch verzerren sie etwas oder fügen etwas hinzu.
Kein Teil oder Aspekt der Heiligen Schrift oder der unfehlbaren Lehre
der Kirche ist, was den Inhalt der Göttlichen Offenbarung betrifft, nur
das Produkt der Sprache oder der historischen Umstände, in denen sie
ausgedrückt wurden, und nicht des Handelns Gottes, der die Wahrheit
mitteilt. Daher kann kein Teil des Inhaltes der kirchlichen Lehre abgeändert
oder abgelehnt werden, weil er ein Produkt der historischen
Umstände und nicht der Göttlichen Offenbarung wäre.19
3291–3292); Pius X., Lamentabili sane, 9–11; Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907)
612–613; Benedikt XV., Spiritus Paraclitus, AAS 12 (1920) 393; Pius XII., Humani generis,
(DH 3887).
181 Tes 2,13: „Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das
ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was
es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt […]“.
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3: „Dieser Glaube, der Anfang des menschlichen
Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, kraft
deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr halten, was Gott
geoffenbart hat und zwar nicht, weil wir im natürlichen Licht der Vernunft die innereWahrheit
des Sachverhaltes durchschauen, sondern auf die Autorität des offenbarenden Gottes
hin, der weder selber irren noch andere in Irrtum führen kann. [. . . ] Mit diesem göttlichen
und katholischen Glauben muss man nun an all dem festhalten, was das geschriebene
oder überlieferte Wort Gottes enthält und die Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben
vorstellt, – sei es in feierlichem Lehrentscheid, sei es in Ausübung ihres gewöhnlichen
allgemeinen Lehramtes“.
Siehe auch: Joh 10,16; Hebr 3,7.5,12; Pius XII., Mystici corporis Christi, AAS 35 (1943)
216.
19Pius XII, Humani generis, (DH 3883): „Klar ist auch, dass die Kirche sich nicht an irgendein
kurzlebiges philosophisches System binden kann; die Begriffe und Bezeichnungen,
die von den katholischen Gelehrten nach gemeinsamer Übereinkunft im Laufe mehrerer
Jahrhunderte geprägt wurden, um eine Glaubenslehre verständlich zu machen, stützen
sich wahrhaftig nicht auf ein so hinfälliges Fundament. Sie stützen sich im Gegenteil auf
Prinzipien und Begriffe, die aus wahrheitsgemäßer Erkenntnis der geschaffenen Welt abgeleitet
wurden; allerdings erleuchtete die geoffenbarte Wahrheit durch die Kirche wie
ein heller Stern den Verstand des Menschen. Es wundert Uns darum nicht, wenn einige
von diesen Begriffen von den Allgemeinen Konzilien nicht nur angewandt, sondern auch
feierlich bestätigt wurden; es ist darum unrecht, sie fallen zu lassen“.
30
12. Die lehramtliche Unterweisung der Kirche nach dem Tod des letzten
Apostels muss als ein Ganzes verstanden und geglaubt werden. Es ist
nicht in ein Lehramt der Vergangenheit und ein gegenwärtiges oder „lebendiges“
Lehramt aufgespalten, das eine vorherige lehramtliche Aussage
nach Belieben ändern könnte.20
13. Der Papst, der die höchste Autorität der Kirche besitzt, ist selbst –
nach göttlichem und kirchlichem Gesetz – nicht von der Autorität der
Kirche ausgenommen. Er ist daran gebunden, die endgültige Lehre sei-
Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit,
Nr. 5, (DH 4540), cit.
Johannes Paul II., Fides et ratio, 87: „Dagegen gilt es zu bedenken, daß man in der
Formulierung, auch wenn sie in gewisser Weise an die Zeit und die Kultur gebunden ist,
die in ihr ausgedrückte Wahrheit oder den Irrtum trotz der räumlichen und zeitlichen
Distanz auf jeden Fall erkennen und als solche bewerten kann“.
Johannes Paul II., Fides et ratio, 95“Das Wort Gottes wendet sich nicht an ein einziges
Volk oder an eine bestimmte Epoche. In gleicher Weise formulieren die dogmatischen
Aussagen, auch wenn sie bisweilen unter dem Einfluß der Kultur der Zeit stehen, in der
sie definiert werden, eine feststehende und endgültige Wahrheit“
Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 6: „Die Wahrheit über
Gott wird durch ihre Aussage in menschlicher Sprache nicht beseitigt oder eingegrenzt. Sie
bleibt vielmehr einzigartig, ganz und vollständig, denn derjenige, der spricht und handelt,
ist der fleischgewordene Sohn Gottes“.
Siehe auch: Joh 10,35; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,20–21; Offb 22,18–19; Leo XIII., Providentissimus
Deus, (DH 3288); Pius X., Lamentabili sane, 4; Johannes Paul II., Fides et ratio,
84.
20Gal 1,9: „Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium
verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht“.
Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 4, Can. 3, (DH 3043): „Wer sagt, es könne
geschehen, daß den von der Kirche vorgelegten Lehrsätzen einmal entsprechend dem
Fortschritt der Wissenschaft ein anderer Sinn zuzuschreiben sei als der, den die Kirche
gemeint hat und meint: der sei mit dem Anathema belegt“.
Pius X., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910), (DH
3541): „Ich nehme aufrichtig an, daß die Glaubenslehre von den Aposteln durch die rechtgläubigen
Väter in demselben Sinn und in immer derselben Bedeutung bis auf uns überliefert
(wurde); und deshalb verwerfe ich völlig die häretische Erdichtung von einer Entwicklung
der Glaubenslehren, die von einem Sinn in einen anderen übergehen, der von dem
verschieden ist, den die Kirche früher festhielt; und ebenso verurteile ich jeglichen Irrtum,
durch den an die Stelle der göttlichen Hinterlassenschaft, die der Braut Christi überantwortet
ist und von ihr treu gehütet werden soll, eine philosophische Erfindung oder eine
Schöpfung des menschlichen Bewußtseins setzt, das durch das Bemühen der Menschen allmählich
ausgeformt wurde und künftighin in unbegrenztem Fortschritt zu vervollkommnen
ist“.
Siehe auch: 1 Tim 6,20; 2 Tim 1,13-14; Hebr 13,7-9; Jud 3; Pius IX., Ineffabilis Deus, (DH
2802); Pius X., Lamentabili sane, 21, 50, 54, 60, 62; Id. Pascendi dominici gregis, ASS 40
(1907), 616ff; Pius XII., Humani generis, (DH 3886); Kongregation für die Glaubenslehre,
Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit (DH 4540).
31
ner Vorgänger im Papstamt zu akzeptieren und zu vertreten.21
14. Eine häretische These ist eine Proposition, die einer göttlich offenbarten
und im katholischen Glauben enthaltenen Wahrheit, widerspricht.22
15. Die Sünde der Häresie wird von einer Person begangen, die über die
göttliche Tugend des Glaubens verfügt, sich aber willentlich und bewusst
entscheidet, nicht an eine katholische Glaubenswahrheit zu glauben
oder sie zu bezweifeln. Diese Person begeht eine Todsünde und
verliert das ewige Leben. Das Urteil der Kirche über die persönliche
Sünde der Häresie wird allein vom Priester im Bußsakrament ausgeübt.
23
16. Das Verbrechen der Häresie wird gemäß Kirchenrecht begangen, wenn
ein Katholik:
• öffentlich eine oder mehrere Wahrheiten des katholischen Glaubens
bezweifelt oder leugnet, oder öffentlich seine Zustimmung zu
einer oder mehreren katholischen Glaubenswahrheiten verweigert,
21Erstes Vatikanisches Konzil, Pastor aeternus, Kap. 4: „Denn Petri Nachfolgern ward
der Heilige Geist nicht dazu verheißen, dass sie aus seiner Eingebung heraus neue Lehren
verkündeten. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die von den Aposteln überlieferte Offenbarung
oder das anvertraute Glaubensgut unter dem Beistand des Heiligen ’Geistes gewissenhaft
zu hüten und getreu auszulegen. [. . . ] Diese Gnadengabe der Wahrheit und nie wankenden
Glaubens ist also Petrus und seinen Nachfolgern auf diesem Stuhl von Gott verliehen
worden, damit sie ihres erhabenen Amtes zum Heil aller walten können; damit durch sie
die ganze Herde Christi vom Giftkraut des Irrtums ferngehalten und auf den Fluren der
himmlischen Lehre geweidet werde; endlich damit die ganze Kirche nach Beseitigung jedes
Anlasses zur Spaltung in der Einheit bewahrt bleibe, und auf ihr Fundament gestützt den
Anstürmen der Hölle standhalten könne“.
Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 10: „Die Aufgabe aber, das geschriebene oder
überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der
Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt
ist nicht über demWort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert
ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen
Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als
von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft“.
Siehe auch: Mt 16,23; Decretum Gratiani, Pars Prima, Distinctio 40, Kapitel VI; Innozenz
III, Sermo II.In consecratione Pontificis Maximi, PL, 656; Sermo IV., In consecratione
Pontificis Maximi, PL, 670; Pius IX., Apostolisches Schreiben Mirabilis illa constantia an
die Bischöfe Deutschlands, (DH 3117) (vgl. DH 3114).
22Vgl. CIC, 1983, Can. 751; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 1436.
23Vgl. Mk 16,16; Joh 3,18; Joh 20,23; Röm 14,4; Gal 1,9; 1 Tim 1,18–20; Gd 3–6; Konzil
von Florenz, Bulle Cantate Domino, Dekret über die Jakobiten (DH 1351); Konzil von
Trient, Sessio XIV, Can. 9.
32
aber nicht alle diese Wahrheiten bezweifelt oder leugnet, oder die
Existenz der christlichen Offenbarung leugnet;
• in seiner Leugnung hartnäckig ist. „Hartnäckig“ meint, dass die
fragliche Person weiterhin öffentlich eine oder mehrere katholische
Glaubenswahrheiten bezweifelt oder leugnet, nachdem sie von der
zuständigen kirchlichen Autorität ermahnt wurde, dass ihr Zweifel
oder ihre Leugnung die Ablehnung einer Glaubenswahrheit bedeutet,
dass sie ihren Zweifel oder ihre Leugnung aufgeben muss, und
die betreffende Wahrheit von dieser Person selbst öffentlich als
von Gott geoffenbart zu bekennen ist 24.
(Diese Beschreibungen der persönlichen Sünde der Häresie und des Verbrechens
der Häresie gemäß dem Kirchenrecht werden einzig mit dem Zweck
dargestellt, sie vom Gegenstand unserer Zurechtweisung auszuschließen. Unsere
Sorge ist es allein, die durch Worte, Taten und Unterlassungen Eurer
Heiligkeit verbreiteten häretischen Thesen aufzuzeigen. Wir haben weder die
Zuständigkeit noch die Absicht, die kanonische Frage der Häresie aufzugreifen.)
B. Der Einfluss Martin Luthers
Zweitens sind wir durch unser Gewissen gezwungen, auf eine beispiellose
Sympathie Eurer Heiligkeit für Martin Luther sowie auf eine Ähnlichkeit zwischen
den Ideen Luthers über das Gesetz, die Rechtfertigung und die Ehe und
jenen, die von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia und anderswo gelehrt und
begünstigt werden, hinzuweisen.25 Das ist notwendig, damit unsere Anklage
gegen die sieben häretischen Thesen, die in diesem Dokument aufgelistet
sind, vollständig ist. Wir wollen zeigen, wenn auch nur auf zusammenfassende
Weise, daß es sich dabei nicht um isolierte Irrtümer handelt, sondern daß
sie Teil eines häretischen Systems sind. Die Katholiken müssen nicht nur vor
den sieben Irrtümern gewarnt werden, sondern auch vor diesem häretischen
System als solchem, nicht zuletzt aufgrund des Lobes, das Eure Heiligkeit
dem Mann gezollt hat, von dem es herrührt.
Auf einer Pressekonferenz vom 26. Juni 2016 sagte Eure Heiligkeit:
24Vgl. Mt 18,17; Tit 3,10–11; Pius X., Lamentabili sane, 7; CIC, 1983, Can. 751 und
1364; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 1436.
25In diesem Abschnitt wollen die Unterzeichner nicht vornehmlich das Denken Martin
Luthers darstellen, wozu nicht alle dieselbe Kompetenz haben, sondern einige falsche Vorstellungen
von der Ehe, der Rechtfertigung und dem Gesetz, die Amoris laetitia inspiriert
zu haben scheinen.
33
„Ich glaube, dass die Absichten Martin Luthers nicht falsch waren:
Er war ein Reformer. Vielleicht waren einige Methoden nicht
die richtigen, aber in jener Zeit. . . wenn wir zum Beispiel die
Geschichte von Pastor lesen [vgl. Ludwig von Pastor, Geschichte
der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters], sehen wir, dass
die Kirche wirklich kein nachahmenswertes Vorbild war: Es gab
Korruption in der Kirche, es gab Weltlichkeit, Anhänglichkeit ans
Geld und an dieMacht. Dagegen hat er protestiert. Außerdem war
er intelligent; er hat einen Schritt vorwärts getan und sich für sein
Tun gerechtfertigt. Und heute sind wir – Lutheraner und Katholiken,
mit allen Protestanten – einig über die Rechtfertigungslehre:
In diesem so wichtigen Punkt hatte er sich nicht geirrt.“ 26
In einer Predigt in der lutherischen Kathedrale von Lund in Schweden,
am 31. Oktober 2016, erklärte Eure Heiligkeit:
„Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg
der Versöhnung voranzugehen. Jetzt haben wir im Rahmen des
gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue
Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen, der sich in den
letzten 50 Jahren im ökumenischen Dialog zwischen dem Lutherischen
Weltbund und der Katholischen Kirche gebildet hat. Wir
dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden,
die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir
haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte
wiedergutzumachen, indem wir Kontroversen und Missverständnisse
überwinden, die oft verhindert haben, dass wir einander
verstehen konnten.
Jesus sagt uns, dass der Vater der Winzer ist (vgl. Joh 14,1),
der den Weinstock pflegt und beschneidet, damit er mehr Frucht
bringt (vgl. V. 2). Der Vater ist ständig um unsere Beziehung
zu Jesus besorgt, um zu sehen, ob wir wirklich mit ihm eng verbunden
sind (vgl. V. 4). Er schaut auf uns, und sein liebevoller
Blick ermutigt uns, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten und in
der Gegenwart dafür zu arbeiten, dass jene Zukunft der Einheit,
die er so ersehnt, Wirklichkeit wird.
Auch wir müssen liebevoll und ehrlich unsere Vergangenheit betrachten,
Fehler eingestehen und um Vergebung bitten. Allein
26https://w2.vatican.va/content/francesco/de/events/event.dir.html/cont
ent/vaticanevents/de/2016/6/26/armeniagiornalisti.html
34
Gott ist der Richter. Mit der gleichen Ehrlichkeit und Liebe muss
man zugeben, dass unsere Spaltung von dem ursprünglichen Empfinden
des Gottesvolkes, das sich von Natur aus nach Einheit
sehnt, weggeführt hat und in der Geschichte mehr durch Vertreter
weltlicher Macht aufrecht erhalten wurde, als durch den
Willen des gläubigen Volkes, das immer und überall der sicheren
und liebevoll-sanften Führung durch seinen Guten Hirten bedarf.
Allerdings gab es auf beiden Seiten den ehrlichen Willen, den
wahren Glauben zu bekennen und zu verteidigen, doch wir sind
uns auch bewusst, dass wir uns in uns selbst verschanzt haben aus
Furcht oder Vorurteilen gegenüber dem Glauben, den die anderen
mit einer anderen Akzentuierung und in einer anderen Sprache
bekennen.
Die geistliche Erfahrung Martin Luthers hinterfragt uns und erinnert
uns daran, dass wir ohne Gott nichts vollbringen können.
„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ – das ist die Frage, die
Luther ständig umtrieb. Tatsächlich ist die Frage nach der rechten
Gottesbeziehung die entscheidende Frage des Lebens. Bekanntlich
begegnete Luther diesem barmherzigen Gott in der Frohen Botschaft
vom menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen
Jesus Christus. Mit dem Grundsatz „Allein aus Gnade“ werden
wir daran erinnert, dass Gott immer die Initiative ergreift und
jeder menschlichen Antwort zuvorkommt, und zugleich, dass er
versucht, diese Antwort auszulösen. Daher bringt die Rechtfertigungslehre
das Wesen des menschlichen Daseins vor Gott zum
Ausdruck.“27
Eure Heiligkeit hat nicht nur behauptet, daß Martin Luther sich in Sachen
Rechtfertigung nicht geirrt hat, sondern im engen Gleichklang mit dessen
Sichtweise auch mehrfach erklärt, daß unsere Sünden der Ort sind, an
dem wir Christus begegnen (in der Homilie vom 4. September 2014 und vom
18. September 2014), indem Sie Ihren Standpunkt mit dem heiligen Paulus
rechtfertigten, der in Wirklichkeit sich „höchstens“ seiner „Schwachheit“
rühmen wollte („astheneíais“, vgl. 2 Kor 12,5.9), damit die Kraft Christi auf
ihn herabkomme, aber nicht seiner Sünden.28 In einer Rede vor Mitgliedern
27http://w2.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2016/documents/pa
pa-francesco_20161031_omelia-svezia-lund.html
28https://w2.vatican.va/content/francesco/de/cotidie/2014/document
s/papa-francesco-cotidie_20140904_meditazioni-75.html; https://w2.va
tican.va/content/francesco/de/cotidie/2014/documents/papa-francescocotidie_
20140918_meditazioni-83.html
35
von Comunione e Liberazione am 7. März 2015 sagte Eure Heiligkeit:
„Der bevorzugte Ort der Begegnung ist die zärtliche Geste der
Barmherzigkeit Jesu Christi gegenüber meiner Sünde. Und daher
habt ihr mich manchmal sagen gehört, dass der Platz, der
bevorzugte Ort der Begegnung mit Jesus Christus meine Sünde
ist“.29
Zudem lesen wir in Amoris laetitia, zusätzlich zu anderen Thesen, die in
einem Schreiben an alle Kardinäle und Patriarchen der orientalischen Kirchen
aufgelistet und als häretisch, falsch oder zweideutig qualifiziert sind, auch
folgendes:
„Dennoch ist es nicht angebracht, unterschiedliche Ebenen miteinander
zu vermischen: Man sollte nicht zwei begrenzten Menschen
die gewaltige Last aufladen, in vollkommenerWeise die Vereinigung
nachzubilden, die zwischen Christus und seiner Kirche
besteht, denn die Ehe als Zeichen beinhaltet einen ‚dynamischen
Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme
der Gaben Gottes‘ (AL 122).“
So wie es wahr ist, daß das sakramentale Siegel der Ehe einen dynamischen
Prozeß in Richtung Heiligkeit impliziert, so ist auch wahr, daß das sakramentale
Zeichen mit Hilfe der Gnade im Brautpaar vollkommen die Verbindung
Christi mit der Kirche abbildet. Es geht also nicht darum, zwei begrenzten
Menschen eine „gewaltige Last“ aufzuerlegen, sondern vielmehr darum, das
Wirken des Sakraments und der Gnade zu erkennen (res et sacramentum).
Auf befremdliche Art und Weise stellen wir in verschiedenen weiteren
Teilen dieses Apostolischen Schreibens eine Nähe zur Herabsetzung der Ehe
durch Luther fest. Für den deutschen Revolutionär ist das katholische Verständnis
des Sakramentes ex opere operato, das er für „mechanisch“ hielt,
inakzeptabel. Obwohl er die Unterscheidung zwischen signum et res beibehielt,
wandte er diese nach 1520 mit der Veröffentlichung der Schrift Von der
babylonischen Gefangenschaft der Kirche nicht mehr auf die Ehe an. Luther
leugnet, daß die Ehe sakramental ist, mit der Begründung, daß an keiner
Stelle der Bibel zu lesen sei, daß der Mann, der eine Frau heiratet, die Gnade
Gottes empfängt und ebensowenig, daß die Institution Ehe von Gott als Zeichen
von irgendetwas errichtet wurde. Luther war der Meinung, daß die Ehe
nur ein Symbol sei, denn obwohl sie die Verbindung Christi mit der Kirche
29http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2015/march/document
s/papa-francesco_20150307_comunione-liberazione.html
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abbilden könnte, seien solche Figuren und Allegorien keine Sakramente im
eigentlichen Sinn des Wortes (vgl. Luther’s Works [LW] 36,92). Aus diesem
Grund gehört für Luther die Ehe – deren eigentlicher Zweck die Zeugung von
Kindern und deren auf Gott ausgerichtete Erziehung ist (vgl. LW 44,11–12)
– zur Ordnung der Schöpfung und nicht zu jener des Heils (vgl. LW 45,18);
und sie wurde nur zu dem Zweck gegeben, das Feuer der Begierde zu löschen,
und als Bastion gegen die Sünde (vgl. LW 3, Gen 16,4).
Darüber hinaus ist sich Luther ausgehend von seiner persönlichen Sichtweise
der durch die Sünde korrumpierten menschlichen Natur bewußt, daß
der Mensch nicht immer bereit ist, das Gesetz Gottes zu befolgen. Daher ist
er überzeugt, daß Gott auf zweifache Weise das Menschengeschlecht leitet,
der eine zweifache moralische Sicht der Ehe und der Scheidung entspricht.
Deshalb ist die Scheidung von Luther im Falle des Ehebruches generell zugelassen,
aber nur für die nicht-geistlichen Menschen.
Seine Überlegung gründet auf der Annahme, daß es zwei Formen der
göttlichen Lenkung in dieser Welt gibt: eine geistliche und eine weltliche.
Mit der geistlichen Lenkung leitet der Heilige Geist die Christen und die Gerechten
durch das Evangelium Christi. Mit der weltlichen Lenkung hält Gott
die Nicht-Christen und Bösen zurück, um den äußeren Frieden zu bewahren
(vgl. LW 45,91). Es gibt daher auch zwei Gesetze, die das Moralleben
regeln: eines ist geistlich, für jene, die unter dem Einfluss des Heiligen Geistes
leben, das andere weltlich, für jene, denen es nicht gelingt, das geistliche
Gesetz zu halten (vgl. LW 45,88–93). Diese doppelte Sicht der Moral hat
Luther mit Bezug auf Mt 5,32 auf den Ehebruch angewandt. Deshalb dürfen
sich Christen wegen Ehebruchs nicht scheiden lassen (geistliches Gesetz);
die Scheidung existiert aber und wurde von Moses erlaubt wegen der Sünde
(weltliches Gesetz). Die Scheidungserlaubnis wird als eine von Gott den
fleischlichen Menschen gesetzte Grenze gesehen, um ihr schlechtes Verhalten
einzudämmen, und um die davor zu bewahren, aufgrund ihrer Bosheit
Schlimmeres zu begehen (vgl. LW 45,31).
Wie könnte man darin nicht eine sehr große Ähnlichkeit mit dem erkennen,
was von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia gesagt wird? Einerseits wird
die Ehe scheinbar als Sakrament geschützt, während andererseits die Scheidung
und die darauf folgende standesamtliche Ehe „barmherzig“ als status
quo betrachtet werden, der – wenn auch nur „pastoral“ – in das Leben der
Kirche zu integrieren ist, womit offen dem Wort Unseres Herrn widersprochen
wird. Luther wurde bei der Anerkennung einer Zweitverbindung davon
geleitet, daß er die Begierde mit der Sünde gleichsetzte und die Ehe als Abhilfe
für die Begierde betrachtete. In Wahrheit ist die Begierde in sich keine
Sünde, wie gleichermaßen eine zweite Verbindung zu Lebzeiten des Partners
kein Status, sondern ein Verlust der Wahrheit ist.
37
Doch wird der Selbstwiderspruch Luthers, der durch seine doppelte Sicht
der Ehe entsteht – die in sich als etwas gesehen wird, das im eigentlichen
Sinn dem Gesetz und nicht dem Evangelium angehört –, durch den Vorrang
des Glaubens scheinbar überwunden: ein „herzliches Vertrauen“, das
erlaube, Gott subjektiv anzuhangen. Er ist der Ansicht, daß der Glaube den
Menschen in dem Maß rechtfertigt, in dem sich die strafende Gerechtigkeit in
Barmherzigkeit zurückzieht und permanent in Liebe verwandelt, die vergibt.
Das wird, laut Luther, durch einen „fröhlichen Wechsel“ möglich, durch den
der Sünder zu Christus sagen kann: „Du bist meine Gerechtigkeit, so wie ich
Deine Sünde bin“ (LW 48,12; vgl. auch 31,351; 25,188). Durch diesen „fröhlichen
Wechsel“ wird Christus zum einzigen Sünder und wir sind durch die
Annahme des Wortes im Glauben gerechtfertigt.
Auf Ihrer Pilgerreise nach Fatima zum Beginn dieses von der Vorsehung
bestimmten Hundertjahrjubiläums hat Eure Heiligkeit klar die lutherische
Sicht des Glaubens und der Rechtfertigung angedeutet, indem Sie am 12.
Mai 2017 folgendes erklärten:
„Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster
Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden,
ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht
–, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die
Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das
Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet
die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus
hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich
genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am
Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit
dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir
jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht
für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18).“30
Das Evangelium lehrt aber weder, daß alle Sünden de facto vergeben werden,
noch, daß Christus allein das „Gericht“ oder die Gerechtigkeit Gottes
erfahren hat, während dem Rest der Menschheit allein die Barmherzigkeit zukommt.
Während es ein „stellvertretendes Leiden“ Unseres Herren zur Sühne
für die Sünden gibt, gibt es aber keine „stellvertretende Strafe“, da Christus
„für uns zur Sünde gemacht wurde“ (vgl. 2 Kor 5,21), und nicht zum Sünder.
Wegen der göttlichen Liebe und nicht als Gegenstand des Zornes Gottes hat
30https://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2017/may/document
s/papa-francesco_20170512_benedizione-candele-fatima.html
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Christus das höchste Opfer des Heils gebracht, um uns mit Gott zu versöhnen,
indem er nur die Folgen unserer Sünden auf sich nahm (vgl. Gal 3,13).
Deshalb genügt es nicht, daß wir darauf vertrauen, daß unsere Sünden durch
eine vermutete stellvertretende Bestrafung getilgt wurden, damit wir gerechtfertigt
sind; unsere Rechtfertigung besteht darin, daß wir Unserem Heiland
gleich werden, was durch den Glauben geschieht, der in der Liebe wirksam
ist (vgl. Gal 5,6).
Heiliger Vater, erlauben Sie uns zum Abschluß, unser Staunen und unseren
Schmerz zum Ausdruck zu bringen wegen zweier Ereignisse, die sich
im Herzen der Kirche zugetragen haben und ebenfalls die Gunst bezeugen,
die der deutsche Häresiarch unter Ihrem Pontifikat genießt. Am 15. Januar
2016 wurde einer Gruppe finnischer Lutheraner im Rahmen der Zelebration
einer Heiligen Messe im Petersdom die heilige Kommunion gespendet. Am
13. Oktober 2016 hat Eure Heiligkeit eine Begegnung von Katholiken und
Lutheranern in der Sala Nervi im Vatikan angeführt, bei der eine Statue von
Martin Luther aufgestellt wurde.
39
Angaben zum Dokument
c Der deutschsprachige Text ist eine autorisierte Fassung von
http://www.correctiofilialis.org
und wurde von katholisch-bleiben.de erstellt.
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