Wenn Ultra-Traditionalisten Ultra-Modernen Tipps geben

Wem dient Dr. Heinz-Lothar Barth?

Berlin, Palmsonntag 2018

Man reibt sich die Augen und glaubt es nicht: vor einem Monat wollten die Ultra-Modernisten auf der DBK-Frühjahrsversammlung nicht nur die Interkommunion mit dem Protestantismus durchboxen, sondern in einem weiteren Schritt sogar die Homo-Segnung.

Durch das beherzte Eingreifen der drei deutschen Kardinäle Brandmüller, Cordes und vor allen Dingen von Gerhard Ludwig Müller konnte es zunächst verhindert werden.

Gerade mit Verweis auf das derzeitige Kirchenrecht widersprach Kardinal Müller in einem ausführlichen Interview in der ‚Tagespost‘ vom 1.März 2018.

Und nun gibt der Anhänger der Pius-Bruderschaft in der ‚Kirchlichen Umschau‘ (März 2018) den Ultra-Modernisten den vermeintlich guten Rat, doch mal die Enzyklika des heiligen Papst Johannes Paul II. Ecclesia de Eucharistia zu lesen.

In diesem Artikel findet sich kein Wort des Bedauerns über diesen offenen Angriff der Ultras von Links auf die katholische Kirchenlehre – schon gar nicht ein Verweis auf den noch größeren Gräuel der Homo-Segnung, was ein „Sakrileg“ wäre, wie Kardinal Müller zu Recht meinte. Wir erinnern uns: auch der deutsche Distrikt-Obere hatte es nicht nötig, ein Wörtlein zu diesem Gräuel von sich zu geben.

Nein, der sonst so weit ausgreifende König der Fußnoten meint nicht, die Feinde der katholischen Lehre zu bekämpfen. Weit gefehlt: vom Geist der Proselytenmacherei beseelt will dieser Mensch ein bisschen Wasser auf seine Pius-Mühlen umleiten.

Statt seinen geschundenen Brüdern und Schwestern entgegenzukommen, beschimpft er sie. Wir lesen bei Dr. Barth:

Was auffällt, ist die Bestürzung vieler braver ‚romtreuer‘ Katholiken angesichts der neuen Bestimmung der deutschen Bischöfe. Zweifellos reagieren sie zu Recht so! Aber ist die ‚Einzelfall-Lösung‘ nicht das Ende einer schiefen Ebene, die im II. Vatikanum betreten wurde und ihre Beschleunigung in den letzten Pontifikaten erlebte?

Was will er uns sagen? Dass wir Narren sind, während er die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, weil ja alles Übel vom Konzil vor fünfzig Jahren stammt?

Ob es ihm gelingt, den Nachweis zu erbringen? Wohl kaum!

Zunächst ist da ein Zitat, das genau das Gegenteil von dem besagt, was Dr. Barth selbst meint, vertreten zu müssen. Die Interkommunion wird klar in Ecclesia de Eucharistia benannt – und verworfen ( zitiert nach Ecclesia de Eucharistia ):

45. Wenn die volle Gemeinschaft fehlt, ist die Konzelebration in keinem Fall statthaft. Dies gilt nicht für die Spendung der Eucharistie unter besonderen Umständen und an einzelne Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. In diesem Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen, nicht aber um die Praxis einer Interkommunion, die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind.

Wenn alles so schön klar und deutlich wäre, wie gerade diese Worte des heiligen Papstes Johannes Paul II., dann hätte das Schiff Petri nie Schlagseite.

Für die Schlagseite ist dann Dr. Barth zuständig. Der Fußnoten-König, man verzeihe mir den tierischen Ausdruck, unkt:

Daß die reformatorischen Gemeinschaften in dem oben aus ‚Ecclesia de Eucharitia‘ Nr.45 zitierten Satz des Papstes mit eingeschlossen sind, geht klar aus der Formulierung hervor ‚die zu Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gehören, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen.

Zu Recht vermerkt Dr. Barth, dass mit ‚kirchliche Gemeinschaften‘ (Communitates Ecclesiales, wie es auf Latein heißt) hier eindeutig die Protestanten gemeint sind.

Und? Schon im zweiten Absatz von Paragraph 45 schreibt JPII:

In diesem Sinn hat sich das Zweite Vatikanische Konzil geäußert, indem es die Praxis bestimmte, die gegenüber den orientalischen Christen einzuhalten ist, die in gutem Glauben von der katholischen Kirche getrennt leben, spontan um den Empfang der Eucharistie aus der Hand eines katholischen Amtsträgers bitten und in rechter Weise darauf vorbereitet sind.95 Diese Verhaltensweise ist von beiden Gesetzbüchern bestätigt worden, die mit den entsprechenden Anpassungen auch den Fall der anderen nicht orientalischen Christen berücksichtigen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen.

Um was geht es genau, wenn schon Dr. Barth uns die Antwort vorenthält:

  1. Einzelfall A: Die Praxis der Anerkennung der Sakramente durch die orientalischen Kirchen und die damit einhergehende große Nähe – Bestätigung der bisherigen Praxis.
  2. Einzelfall B: „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil“

Was sollen wir unter B verstehen? Ich würde mal sagen, das, was schon immer galt:

Not kennt kein Gebot.

Immer schon sah das Kirchenrecht Ausnahmen von der Regel vor, z.B. die Spendung der Nottaufe durch Laien oder die Bluttaufe mit entsprechender Sündenvergebung, wenn ein Beichtvater nicht erreichbar ist, wie z.B. beim Schächer am Kreuz.

Die Barmherzigkeit des Kirchenrechtes möchte den Gläubigen entgegenkommen – und den Extremsituationen die Schärfe nehmen.

Dr. Barth kennt offensichtlich keine Not – und so haben wir mit ihm unsere liebe Not.

Was also ist den Ultra-Modernisten und den Ultra-Traditionalisten gemein? Ich würde sagen, ihre stupide Unkenntnis von Gottes Barmherzigkeit in der Gnadenordnung der Sakramente und der eklatante Wunsch, die offenkundige Wahrheit mit Hirngespinsten zu verwechseln.

Lieber Herr Dr. Barth, ich bete für Sie!

 

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