Vor 53 Jahren führte Paul VI. die Volkssprache ein

Warum der Novo Ordo Missae rechtmäßig ist

Karfreitag 2018

Im Folgenden soll es im ersten Teil um Beweise für die Rechtmäßigkeit der Vollmacht zur Änderung des Römischen Ritus durch den Heiligen Vater gehen, wie sie sich in der Lehre der Kirche darstellen, sodann im zweiten Teil um mögliche Einwände.

 

  1. Beweise
  2. Die Enzyklika Mediator Dei et hominum von Pius XII.

Pius XII. schreibt deutlich: „Deshalb steht nur dem Papst das Recht zu, eine gottesdienstliche Praxis anzuerkennen oder festzulegen, neue Riten einzuführen und gutzuheißen, sowie auch jene zu ändern, die er für änderungsbedürftig hält.“[1]

Der Heilige Vater verweist auf das Kirchenrecht von 1917 mit seinen Canones 253 und 1257.

  1. CIC 1917

2.1  Can 253 §1. Congregatio Sacrorum Rituum ius habet videndi et statuendi ea omnia quae sacros ritus et caeremonias Ecclesiae Latinae proxime spectant, non autem quae latius ad sacros ritus referuntur, cuiusmodi sunt praecedentiae iura aliaque id genus, de quibus sive servato ordine iudiciario sive in linea disciplinari disceptetur.  §2. Eius proinde est praesertim advigilare, ut sacri ritus ac caeremoniae diligenter serventur in Sacro celebrando, in Sacramentis administrandis, in divinis officiis persolvendis, in iis denique omnibus quae Ecclesiae Latinae cultum respiciunt; dispensationes concedere opportunas; insignia et honoris privilegia tam personalia et ad tempus, quam localia et perpetua, quae ad sacros ritus vel caeremonias pertineant, elargiri, et cavere ne in haec abusus irrepant. §3. Denique ea omnia agit quae ad beatificationem et canonizationem Servorum Dei vel ad sacras reliquias quoquo modo referuntur.

Und:

2.2  Can 1257. Unius Apostolicae Sedis est tum sacram ordinare liturgiam,tum liturgicos approbare libros.

 

Zum Vergleich können die Canones des CIC von 1983 herangezogen werden.

 

  1. CIC 1983
  2. Can 828, §1: Die Regelung der heiligen Liturgie steht allein der kirchlichen Autorität zu: sie liegt beim Apostolischen Stuhl und, nach Maßgabe des Rechtes, beim Diözesanbischof.
  3. §2. Sache des Apostolischen Stuhles ist es, die heilige Liturgie der ganzen Kirche zu ordnen, die liturgischen Bücher herauszugeben, die von den Bischofskonferenzen nach Maßgabe des Rechts approbierten Anpassungen zu rekogneszieren sowie darüber zu wachen, dass die liturgischen Ordnungen überall getreu eingehalten werden.
  4. Can 928: Die Feier der Eucharistie ist in lateinischer Sprache oder in einer anderen Sprache zu vollziehen, sofern nur die liturgischen Texte rechtmäßig genehmigt sind.

 

  1. Änderungen in der Liturgiesprache vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Was im Kirchenrecht deutlich bezeugt ist, war häufig geübte Praxis des Apostolischen Stuhls. In vielfachen Änderungen und Ausnahmen drang die Volkssprache schon lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der Kirche vor – und wurde vom Heiligen Stuhl approbiert. Dies bezeugt der gute online-Artikel in kathpedia.com.[2]

 

  1. Einwände
  2. Ein Novo Ordo Missae sei kanonisch nicht möglich, weil die Heilige Kirche die Volkssprache nach DH1749 verworfen hat: vulgari lingua. Entkräftung: Hier muss festgestellt werden, dass es nur um die Abwehr der Irrlehre der Protestanten ging, wonach ein Gottesdienst ausschließlich in der Volkssprache möglich sei.
  3. Nach DH 1613 seien andere denkbare Riten verworfen: ritus […] novos alios und mit Kirchenbann belegt. Entkräftung: Hier geht es nicht darum, dass alle denkbaren neuen Riten verworfen werden, sondern nur diejenigen, die nicht vom Heiligen Stuhl approbiert sind.
  4. Quo primum selbst lasse ebenfalls keinen Zweifel zu, dass die Messe aller Zeiten genau das meint: alle Zeiten – und droht ebenfalls den Fluch allen an, die dies nicht verstehen möchten: Si quis autem hoc attentare praeumpserit, indignationem omniptentis Dei, ac beatorum Petri et Pauli Apostolorum eius se noverit incursurum. Entkräftung: Bei diesem Bannfluch geht es allein darum, einem möglichen Missbrauch zu wehren und zu bekräftigen, dass nur der Apostolische Stuhl befugt ist, den Römischen Ritus zu ändern (analog siehe den Bannfluch von Pius X. in Divino Afflatu)[3].

 

III.          Fazit

Ohne Zweifel hatte Paul VI. das Recht, den Römischen Ritus zu ändern. Zweifellos war in der Apostolischen Konstitution Sacrosanctum Concilium ein volkssprachlicher Ritus bestenfalls angedeutet ist, dennoch liegt es in der Vollmacht des Apostolischen Stuhles, den Römischen Ritus zu jeder Zeit zu ändern.[4]

 

 

[1] Zitiert nach: Heilslehre der Kirche, hg. v. Anton Rohrbasser, unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1953, Bobingen o.J., 157.

[2] http://www.kathpedia.com/index.php?title=Liturgiesprache

[3] Den Hinweis fand ich bei https://poschenker.wordpress.com/category/enzykliken-papstliche-dokumente/pius-v-quo-primum/

[4] Eine Titulierung mit ‚Bastard-Ritus‘, wie es Lefebvre in Lille 1976 tat, ist frevelhaft und sagt alles über ihn selbst aus: „Der Meßritus ist ein illegitimer Ritus.“(Damit die Kirche fortbestehe I, Stuttgart 1992, 175)

3 Gedanken zu “Vor 53 Jahren führte Paul VI. die Volkssprache ein

  1. In den 70er Jahren war die Situation ganz anders als heute.
    Damals war der alte Ritus de facto verboten, kein Priester durfte ihn zelebrieren, außer vielleicht drei Indultpriester. Es gab keine traditionelle Gemeinschaft außer der Piusbruderschaft, die meisten enstanden erst nach den Bischofsweihen. Die Polemik Lefebres ist nur unter diesen Umständen verständlich, und er hat de facto den alten Ritus gerettet.
    Heute erkennt die Piusbruderschaft den Novus Ordo als gültig an – im Gegensatz zu den Sedisvakantisten. Ich lebe nicht in Deutschland, habe aber Gerüchte gehört, dass die Berliner Piusbruderschaft konservativer sein soll als der Durchschnitt…
    Bis Papst Benedikt durfte kein normaler Priester den alten Ritus lesen!
    Bis Papst Franziskus waren sogar die Ehen und die Beichten der Piusbruderschaft ungültig! Fellay ist übrigens vielen innerhalb und außerhalb der Piusbruderschaft…nicht nur Williamson…zu liberal!
    Mich stört übrigems in ihrem Text über Homosexualität…bin allerdings nicht homosexuell…dass sie die Ehe mit einer Frau über den freiwilligen Zölibat stellen. Laut Konzil von Trient steht die Ehelosigkeit und die Kreuzigung des Leibes über der Ehe – gilt nicht nur für Priester und Ordensleute, auch Paulus sagt eigentlich dasselbe! Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte jetzt dreist, dass ein Zölibatärer, der vielleicht ein paarmal stolpert, heiliger ist als jemand, der mit 20 geheiratet und sich ein Leben lang sexuell ausgelebt hat ( und womöglich Kinder mit der Pille abgetrieben hat).

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    1. Ich glaube nicht, dass ich die Ehe für den freiwilligen Zöllibat gestellt habe. Was das Verbot der Alten Messe betrifft, war es wahrscheinlich gar nicht klug. Das II Vatikanische Konzil hätte die Frage der Vor- und Unterordnung von Mann und Frau in der Ehe dogmatisieren sollen. Leider ist da die Piusbruderschaft auch indifferent.

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