Mein Heiliger Vater heißt Franziskus!

Ubi Petrus – ibi Ecclesia

                                                                                                              Berlin, 25.November 2018

  1. Eine persönliche Vorbemerkung

Vor zwölf Jahren habe ich mich Gott sei Dank entschieden, katholisch zu werden. Entscheidend war der katastrophale Zivilisationsbruch in den evangelischen Gemeinschaften: die Segnung gleichgeschlechtlicher Schande!

Das war etwas, das es noch nie in der Geschichte der Völker gab, denn jeder Mensch braucht nur zwischen seine Beine zu schauen, um zu erkennen, ob er Männlein oder Weiblein ist und wozu er das, was er dort hat, für das andere Geschlecht braucht.

In der katholischen Kirche wacht das hierarchische Lehramt unter der Leitung des Papstes, der Apostolische Stuhl, über die Reinheit der Lehre. Und so schenkte und der heilige Johannes Paul II den sicher großartigsten Katechismus der Neuzeit. Und dort steht die Lehre der Kirche geschrieben – eindeutig und unzweifelhaft über die gleichgeschlechtliche Schande.

Mir war das wichtig: mein Gewissen und die universelle Lehre über die Familie unter allen Religionen, Kulturen und Völkern können nicht fehlen.

Wie froh war ich, nicht mehr mein eigener Papst sein zu müssen, wie es Martin Luther in der Schrift ‚De Captivitate Babylonica‘ lehrte, der wörtlich meinte, dass jeder Getaufte zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei.

Als ehemaliger Lutheraner kenne ich mich mit dem Vorwurf, der Papst sei der Anti-Christ besonders gut aus. Die übelsten Schriften Luthers, z.B. ‚Wider Hans Worst‘, sind voller gräulicher Beschimpfungen der katholischen Hierarchie.

Es ist die Verheißung Jesu an den heilige Petrus: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“(Mt 16,18)

 

  1. Die Hetze gegen den heiligen Papst Johannes Paul II.

Wahrscheinlich haben wir vergessen, wie scheel der Heilige Vater 1986 angeschaut wurde, weil er in Assisi mit anderen Religionen für den Frieden gebetet hatte. Natürlich kann es an dieser Geste Kritik geben, vielleicht weil sie ökumenischen Partnern, wie z.B. protestantischen Evangelikalen, schwer vermittelbar ist – wie zum Beispiel mir damals. Dieses Treffen war Ausdruck der Tatsache, dass in allen Religionen eine keimhafte Ahnung des Einen Wortes Gottes (sperma logikon) vorhanden ist.

Denken wir auch daran, dass der Heilige Vater 1999 den Koran küsste, was ein Ausdruck der Hochschätzung der monotheistischen Religion des Islam war – und kein Kniefall vor den Verächtern Jesu und den Schlächtern von Christgläubigen.

Es sind manchmal nicht nur die liberalen Modernisten, die im Papst eine Schimäre des Antichristen sehen.

 

 

 

  1. Erzbischof Viganò

Wie zweifelhaft der Protest so genannter Konservativer ist, zeigt sich am Beispiel eines der höchsten kurialen Kleriker: dem ehemaligen Apostolischen Nuntius in den Vereinigten Staaten.

In größter Hysterie, ja Raserei, meinte er in Todesgefahr zu sein – und flüchtete wie ein Mietling vor der angeblichen Gefahr aus Rom.

Wahrscheinlich ist er die einzige geweihte Person auf Gottes Erdboden, der sich größter Freiheit erfreut und dabei der Jurisdiktionsgewalt des Heiligen Vaters entzogen hat.

Denn er wohnt jetzt an einem Nicht-Ort, der kraft Definition außerhalb der Rechtsbefugnisse der Kirche liegt: Erzbischof Viganò ist also quasi sein eigener Papst an seinem Nicht-Ort – und ruft lauthals nach dem Rücktritt des rechtmäßigen Pontifex Maximus.

Wenn das nicht vollkommen lächerlich ist: was ist es dann?

Jede Firma der Welt würde einen der ihren wegen des Ausplauderns von Betriebsgeheimnissen vor Gericht zerren: der Heilige Vater schweigt zu dieser illoyalen Plaudertasche, der auch noch in Gerichtsprozesse über Erbstreitigkeiten mit seinem eigenen Bruder verstrickt ist.

Würde der Heilige Vater ihn vor ein päpstliches Gericht zerren, wozu er ein gutes Recht hätte – Verletzung der Residenzpflicht, Geheimnisverrat, Gehorsamsverweigerung durch Flucht etc. –, so würde er aus diesem Heuchler ein Märtyrer werden.

 

  1. Weihbischof Athanasius Schneider

Anständig ist er und hat gute Absichten. Und doch reist er um die Erde, um letztlich den Papst zur Strecke zu bringen. Correctio filialis nennt er das auf Latein: brüderliche Zurechtweisung.

Nur: wenn der Bruder nicht so will, ich meine, dass er wollen sollte, dann ist er kein Bruder. Und wenn der vermeintlich zurechtgewiesene Bruder seinen Fehler nicht bereuen will und gleichzeitig Papst ist, muss er abgesetzt werden.

Nun, Athanasius Schneider ist Weihbischof in Astana mit knapp 66.000 Schäflein – und bereiste bis vor kurzem die ganze weite Welt: um den gut eine Milliarde Katholiken zu erzählen, wie falsch der Heilige Vater liegt.

Nun, vor einiger Zeit wurde der junge Mann aus Kasachstan daran erinnert, dass es so etwas wie eine Residenzpflicht gibt: ein Bischof soll üblicherweise nicht mehr als dreißig Tage abwesend sein.

Vielleicht punktet Herr Schneider bald in den katholischen Medien, dass er durch gelungene Evangelisation die Schar der Gläubigen erhöht hat? Vielleicht auf 70.000?

 

 

 

 

  1. Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Eigentlich war er mein Wunschkandidat als Nachfolger für den Heiligen Vater. Seine Dogmatik liest sich astrein. Und seine Wortmeldungen zu Deutschland sind lebensnotwendig: er bringt die Dinge einfach vollkommen richtig auf den Punkt.

Und doch: allen, die es hören wollten – und vor allen Dingen allen Feinden der katholischen Kirche – erzählte er, wie vermeintlich schrecklich und demütigend sein Abgang als Präfekt der Glaubenskongregation im Sommer 2017 war.

Noch ein armes Bürschlein, das alles besser weiß – und nicht verstehen kann, warum der Heilige Vater nicht so begeistert war.

Immerhin war er vom Heiligen Vater Franziskus zum Kardinal kreiert worden, nicht schon durch Benedikt XVI. Und sein Nachfolger auf dem Stuhl der Glaubenskongregation ist kein liberaler Modernist, sondern einer wie er selbst: gut und glaubenstreu – nach dem eigenen Urteil Müllers.

Auch mein Lieblingskardinal zieht durch die Welt, mal hier, mal dorthin, um dem Heiligen Vater die Leviten zu lesen und allzu kluge Ratschläge zu geben.

Nun, hätte er seine eigenen Ratschläge in seiner Zeit als Glaubenswächter beherzigt – und z.B. in Deutschland ein Kehraus veranstaltet wie im Kölner Bistum unter Kardinal Woelki (s. mein Beitrag zur Homo-Häresie).

 

  1. Franziskus: ein Diktator-Papst?

So viel Duldsamkeit – als Fremdwort: Toleranz – war wohl selten im höchsten Amt auf Gottes Erdboden.

Statt als grausamer Häretiker, der einen Rechtgläubigen nach dem anderen verschlingt, lebt er das, was ihn wohl von Südamerika her prägt: ein guter Hauch von Basisdemokratie liegt in der römischen Luft, europäisch als Vielheit von Meinungen bekannt.

Wahrscheinlich vergessen wir, dass Südamerika von Militärputschen immer wieder durchgeschüttelt und gerüttelt wird. Umso erstaunlicher ist dann doch wohl ein Argentinier, der sein Amt gerade nicht herausfordernd gebraucht, sondern täglich lebt, was er predigt.

Erinnern wir uns: fast alle chilenischen Bischöfe boten ihm freiwillig ihren Rücktritt an! Mit einem Federstrich hätte er sie ihres Amtes entheben können, er tat es nicht. Er will das Gewissen anrühren und die Reinigung des Bischofsstandes aus sich selbst heraus: nicht durch Dekrete, sondern durch eine neue Kultur.

Denken wir an den unseligen Theodore McCarrick, der nicht von Benedikt XVI. aus dem Kardinalsstand entlassen wurde, sondern vom Papst aus Südamerika.

Es war die nordamerikanische Kirche, die nach einem Apostolischen Visitator geschrien hat, also nach einem Quasi-Diktator. Vielleicht auch, weil man damit der Verantwortung entfielen kann, weil man sagen könnte: „Durch falsche Strukturen konnten wir gar nicht anders! Es muss halt so ein Controller her. Jetzt aber liegt alles in Händen des Papstes!“ Und der Hintergedanke war wohl: „Und jetzt dürfen die Schäflein pünktlich zum Weihnachtsfest wieder spenden.“

Als vermeintlicher Basisdemokrat lädt der Heilige Vater im Februar zum großen Reinemachen nach Rom alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen ein.

Und uns alle lädt er ein: „Der Herr ruft jeden von uns zur Heiligkeit: auch dich!“

 

  1. Mit Fußnote 351 kann ich leben – mit dem heuchlerischen Klerikalismus nicht

Ich war auch einmal von diesem albernen Geschrei von Selbstdarstellern angesteckt. Da ging es um die dubia der vier Kardinäle. Ich dachte, die ganze Glaubenslehre wackelt. Immerhin war Kardinal Meisner einer der besten deutschen Bischöfe, die wir je hatten.

Und ich steigerte mich in diesen hysterischen Unsinn hinein, weil ich alles, buchstäblich alles, aus der deutschen Perspektive gelesen habe. Ja, im Land der Deutschen Bischofskonferenz ist Vieles im Argen (s. meine Kategorie ‚Homo-Häresie‘ auf stephangroene.blog).

Aber Deutschland ist eben nicht die Welt: aus der Sicht eines Südamerikaners, der einen kritischen Blick auf den dekadenten Reichtum Europas – und besonders Deutschlands hat – und die Machokultur in Lateinamerika kritisiert, werden seine freundlichen Äußerungen zu Homosexuellen anderes gehört als einer Kultur, die durch das Gendermainstreaming verseucht ist.

Es war einmal das Charakteristikum der frommen deutschen Katholiken papsttreu zu sein: bei einem Heiligen wie Johannes Paul II war das leicht.

Bei seinem Nachfolger, dem vortrefflichen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, dem späteren B XVI, ebenfalls.

Und bei Franziskus sollte wenigstens der Glaubensgehorsam vorhanden sein, der im treuen Gebet besteht!

Heuchlerisches Kesseltreiben in Blogs und anderen Medien sollte unterbleiben!

Ein Gedanke zu “Mein Heiliger Vater heißt Franziskus!

  1. Die Zeitung „Manila Times“ hat heute (30.12 18) einen kritischen Kommentar als Meinungskolumne zu „Amoris laetitia“ verfasst. Die „Manila Times“ ist eine normale Tageszeitung.

    Wer sich jetzt wundert: In den Philippinen ist staatliche Scheidung und Wiederheirat verboten. Das Parlament hat versucht, die Scheidung einzuführen, aber die zweite Kammer und Präsident Duterte – selber von seiner Frau getrennt – haben dies bis jetzt verhindert.

    https://www.manilatimes.net/one-holy-catholic-and-apostolic-church-endangered/489392/

    Liken

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