Donnerschlag gen München aus Rom

Schuss vor den Bug von Kardinal Marx: der Heilige Vater droht mit seiner pastoralen Begleitung

Berlin, 29.Juni 2019

Oh, wie schön ist das: unser Heiliger Vater lebt und ist ganz und gar nicht bereit, Deutschland seinem Schicksal zu überlassen. Als der Heilige Vater neulich im ‚L’Osservatore Romano‘ eine Anspielung auf ein reiches Bistum machte, meinte ich, es sei München.[1] Nun, weit gefehlt werde ich nicht haben.

Wer den Brief „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ liest, muss aufhorchen ( Papstbrief an Deutschland ).

Ich weiß nicht, wie viele Briefe Papst Franziskus an andere Ortskirchen schrieb – es ist zumindest ungewöhnlich. Es ist gerade einmal ein Jahr her, als der Heilige Vater ebenfalls recht ungewöhnlich fast alle Bischöfe Chiles zum Rücktritt brachte.

Wer den Heiligen Vater unterschätzt, macht schwere Fehler. Gerade jetzt ist die Kurienreform des K9-Kardinalrats auf den Weg gebracht – und er braucht Kardinal Marx nicht mehr.

Einige Bemerkungen seien erlaubt:

  1. Der Franziskus-Brief stammt aus „der österlichen Festzeit“ – also genau aus der Zeit, in welcher Benedikt XVI seinen Fanal vom 11.März 2019 geschrieben hat und einen „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“ feststellte; beide gehören also nicht nur zeitlich zusammen; BXVI ist für Franziskus wie ein „Großvater“, wie er zuletzt bemerkte.[2]
  2. Franziskus wendet sich ohne Umschweife an das Volk unmittelbar – schon allein das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an die deutschen Bischöfe, die er namenlos ‚Hirten‘ oder ‚Oberhirten‘ nennt.
  3. Gerade letztere haben offenbar die höchste päpstliche Pastoralbegleitung nötig, die sie aber nicht mehr bekommen; nein, den deutschen Gemeinden bietet er „meine Unterstützung“ und „meine Nähe“ an.
  4. Mit keinem Wort geht er genau auf die Punkte ein, die er wohl meinen müsste: Sexualmoral, Interkommunion, Zölibat u.a. Ganz im Gegenteil spricht er von der Zukunft seines pastoralen Eingreifens, denn was der synodale Weg bedeute, „wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen.“ Wie schon in Chile will Franziskus gründlich aufräumen – und das tat er!
  5. Ohne sein Lieblingsstichwort ‚Klerikalismus‘ erneut zu nennen, beschreibt er das deutsche Problem mit dem Missverständnis, dass „die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei“.
  6. Geistlich gesehen fordert er das „Primat der Evangelisierung“, die „eine pastorale Bekehrung“ verlange und will die „Gnade der Umkehr“ sowie der „Wachsamkeit und Bekehrung“.
  7. Gegen die Spaltung der deutschen Ortskirche klagt er den Sensus Ecclesiae ein und stellt heraus: „Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen, sowie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben.“
  8. Die in meinen Augen schönste Anspielung auf die Befindlichkeiten des deutschen Klerus ist das Thema ‚Versuchung‘: bekanntlich sind die deutschen Theologen bei der Vaterunser-Bitte etwas anderer Meinung. Die üble Zensur des Heiligen Vaters mitten auf dem Petersplatz bei der Generalaudienz vom 1.Mai 2019 habe ich ja beschrieben.[3] Nun bekräftigt er vor der Öffentlichkeit des deutschen Volkes: „Brüder und Schwestern, haben wir Sorge füreinander! Achten wir auf die Versuchung durch den Vater der Lüge und der Trennung, den Meister der Spaltung, der beim Antreiben der Suche nach einem scheinbaren Gut oder einer Antwort auf eine bestimmte Situation letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt!“
  9. Wir dürfen von unserem lieben Heiligen Vater noch viel erwarten und müssen treu beherzigen, was sein Wunsch ist: „Und so bitte ich Euch, betet für mich!“

 

Ja, lieber Heiliger Vater: hilf uns in Deutschland weiterhin so gut und treu – so will ich weiterhin jeden Tag für dich beten! Amen.

[1] https://stephangroene.blog/2019/06/09/heiliger-vater-kritik-an-kardinal-marx/

[2] https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/online/Franziskus-Benedikt-ist-wie-ein-Grossvater-fuer-mich;art4691,198646

[3] https://stephangroene.blog/2019/05/18/roemische-generalaudienz-mit-deutscher-zensur/

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