Papa ante Munich: Apostolische Visitation?

Nachlese zum Brief des Heiligen Vaters II

Berlin, 30.Juni 2019

Jetzt habe ich ihn zum dritten Mal gelesen: der Brief an uns deutsche Katholiken[1] ist eine Wucht, liebe Leute, und ein großer Grund zur Freude!

Zuerst dachte ich mit vielen anderen: ein tapsiger Südamerikaner an den Schaltstellen des Vatikans ist nur einer von den vielen Sonderfällen der Kirchengeschichte. Ein liebenswerter Chaot eben, der es liebt, im Gästehaus zu wohnen und die Menschen am Rande Roms zu beglücken: die Obdachlosen und Kranken und Flüchtlinge.

Ein harmloser älterer Mitbürger, aus, wo war das noch, ach ja, Buenos Aires, also vom Rande der Welt, der zivilisierten, wohl gemerkt.

Aber: unser Heiliger Vater macht sich viel besser als alle Wohlmeinenden und Vatikanisten meinten, die nur bewiesen haben, wir randständig sie sind.

Die offenkundige Pragmatik unseres Heiligen Vaters hat ihre Grundlage in zweierlei: dem Wissen um den eigenen nahen Tod; und dem Wissen um die großen Themen der Zeit.

  1. Die Ökologie wird ein Hauptthema durch eine der längsten Enzykliken der Papstgeschichte: Laudato si.
  2. Die Vatikanbank ist saniert: die Skandale hörten auf.
  3. Die Kurienreform durch den Kardinalsrat K9 ist auf dem Weg – und praktisch abgesegnet.
  4. Eine der größten Krisen im Missbrauchsskandal, die wir jemals hatten, ist 2018 gelöst worden: durch ein kluges Bündel aus Kongressen, Maßnahmenpaketen und Verwaltungsakten.
  5. Und jetzt Deutschland!

Wer immer geglaubt hat, der Heilige Vater sei sich seiner Macht nicht bewusst, wurde bisher immer eines Besseren belehrt: schmerzhaft mussten dies die vier dubia-Kardinäle und auch Kardinal Müller erfahren.

Jetzt steht er auf dem Höhepunkt seiner Amtszeit – und nichts spricht dafür, dass er den Konflikt scheut, rein gar nichts!

 

Beim dritten Lesen ist mir aufgefallen:

  1. Der Brief steckt voller Anspielungen auf die deutsche Diskussion: von der „kirchlichen DNA“ ist die Rede sowie von „Verweltlichung“ und „Versuchung“ (Bitte im Vaterunser).
  2. Der Brief atmet die typische Art des Heiligen Vaters mit vielen Worten die Dinge auf den Punkt zu bringen, in konzentrischen Kreisen um den Kern herum.
  3. Er schreibt als oberster Hirt dem Volk Gottes – und erinnert damit gleichsam die anderen Hirten an seine große Machtfülle: dem Jurisdiktionsprimat! Er kann auch ohne die Bischöfe, ja, er könnte sie sofort absetzen!
  4. Das Wort „Versuchung“ kommt mindestens siebenmal im Brief vor, der Begriff Sensus Ecclesiae fünfmal: die deutsche Art und Weise, die Sichtweise des Heiligen Vaters einfach abzuschmettern, kommt damit mehr als deutlich zum Ausdruck!
  5. Der Heilige Vater sieht sich noch nicht einmal genötigt, auf die Ansichten der DBK zum ‚Synodalen Weg‘ genauer einzugehen – so tief befremdet ist er von allem und wohl auch verärgert.

Mir scheint, dem deutschen Episkopat droht Ungemach: eine Apostolische Visitation? Es wäre uns sehr zu wünschen!

 

Ja, lieber Heiliger Vater Franziskus, ich bete darum, dass du uns Deutschen noch viel hilfst und du lange lebst! Amen.

[1] https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-06/papstbrief-synodaler-weg-deutschland-text-franziskus.html

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