Warum einen Sonderweg für den Amazonas?

Das Instrumentum laboris zur Amazonas-Synode

Berlin, 18.Juli 2019

  1. Vorbemerkung

Auf den ersten Blick sieht das Dokument mit 111 Seiten ziemlich voluminös aus, der Schein trügt.[1] Es ist wohl das Konvolut von den letzten Freunden einer reinrassigen Befreiungstheologie – und dazu noch voller Widersprüche.

Dürfen eurozentrierte Phantasten einer heilen Öko-Vision für den Amazonas, der

„Quellgrund für die Offenbarung Gottes“[2]

sein will (was das sein soll, wird natürlich nirgendwo erklärt) ihren pseudo-ökologischen Geifer loswerden?

 

  1. Der Begriff ‚Sünde‘ wird umgedeutet

Nein, um Mission im Sinne der Bekehrung von Heiden zum einzig wahren Erlöser Jesus Christus geht es mitnichten. Weshalb es in diesem Dokument um eine rein innerweltliche Heilung geht. So heißt es in Paragraf 99:

„Eine entscheidende Wurzel für die Sünde des Menschen besteht darin, sich selbst aus der Natur herauszunehmen […] und mit Gott zu brechen.“

Zuerst also die an und für sich gute ‚Natur‘, dann Gott: das klappt nicht, wenn wir die Bibel anschauen, denn auch die Natur ist in sich verderbt, jedenfalls nach dem Sündenfall.

Haben wir im Amazonas also noch ‚die‘ reine jungfräuliche Natur vor dem Sündenfall?

 

  1. Heidnische Gehirnwäsche: Kapitulation vor den vielen Amazonas-Religionen

In den Empfehlungen in Paragraf 129 heißt es unter d.3 wörtlich:

„Den Ordensfrauen und -männern, die von außen kommen, sollte man nahelegen, bereitwillig das Leben am jeweiligen Ort mit Herz, Kopf und Händen zu teilen, um auf diese Weise vorgefertigte Modelle, Rezepte, Schemata und Strukturen zu verlernen, stattdessen jedoch ursprüngliche Sprachen, Kulturen, Traditionen von Weisheiten, Kosmologien und Mythologien zu erlernen.“

Was so richtig weltoffen klingt, ist es natürlich nicht: wer die eigene christliche Identität buchstäblich an der Garderobe abgeben soll, um sich einer Gehirnwäsche zu unterziehen (‚verlernen‘), ist zum einen kein Gesprächspartner. Und zum anderen: welche indigene Sprache soll es sein? Und welche der konkurrierenden Amazonas-Kulturen hat den Vorzug vor der anderen? Und wie stehen die verschiedenen Mythen zueinander?

Allein die Aufzählung zeigt: was so richtig nach Vielfallt klingt, ist vollkommen unausgegoren.

 

  1. Guter Regenwald – böse Stadt?

Ich bin durchaus auch gegen Ausbeutung, immer. Nur sind alle Länder im Amazonas-Gebiet souveräne Staaten, ja Demokratien: was, bitte, ist mit

„den neuen Kolonialmächten“

in Paragraf 7 gemeint?

In Paragraf 14 ist dann nebulös von

„heute dominanten Gesellschaftsschichten“ die Rede.

Und dann wieder ‚die‘ Stimme der Indigenen:

„Aus den vielfältigen Konsultationen in vielen amazonischen Regionen geht hervor, dass die Gemeinden der Überzeugung sind, das Leben in Amazonien werde hauptsächlich bedroht: […] (b) durch Aneignung und Privatisierung von Naturgütern wie dem Wasser; (c) durch Konzessionen an legale Holzunternehmen und Eindringen illegaler Holzunternehmen; […] (e) durch Megaprojekte wie Wasserkraftwerke, Konzessionen zur Waldnutzung“[3].

Nun, ich würde mal sagen: da demokratische Staaten wie z.B. Brasilien durchaus über ihr ‚Territorium‘ bestimmen können, sollten Naturgüter privat aneignet werden können und „Konzessionen“ Normalität sein.

Im Hintergrund steht wohl die absolute und unausgesprochene Maximalforderung: den Amazonas-Regenwald vollständig unter Naturschutz zu stellen, damit die Indigenen ihr gigantisches Reservat bekommen Zumindest wird dies explizit im ganzen Kapitel II in Bezug auf die indianischen Völker gefordert, die im Verborgenen leben.

Nun, die Verfasser des Instrumentum laboris sprechen selbst davon, dass 20-30% der Bevölkerung Amazoniens nicht mehr im Regenwald lebt:

„Gegenwärtig leben 70-80 Prozent der Bevölkerung in Städten.“[4]

Die Sicht der Verfasser ist so einseitig, dass sie sich tatsächlich niemals die Frage stellen, ob die urbanen Indigenen nicht auch ein Mitspracherecht haben, wenn es jedenfalls ihr eigenes Land betrifft – oder ist es gar nicht ihr eigenes Land, sondern das der verblendeten eurozentristischen Ökophantasten?

Es gibt also die guten Indigenen im Regenwald und die nicht so guten, die ‚urbanisiert‘ sind?

 

  1. 111 Seiten Amazonas-Unsinn – und der Sonderweg Deutschlands?

Wenn dieser theologische Unsinn eines Tages die Weltkirche beherrscht: Gute Nacht, Christus!

Ich habe selten so einen Unsinn auf 111 Seiten gelesen, aber noch schlimmer: bis heute Vormittag dachte ich noch, dass nur Deutschland auf dem Weg zur Nationalkirche sei.

Ich befürchte: die deutschen Geldgeber Adveniat und Misereor haben ihre Finger im Spiel und benutzen den Regenwald als gigantische Projektion ihres eigenen undemokratischen, ja unchristlichen Weltbildes!

Sie beten nicht den Erlöser Jesus Christus an, sondern verehren die Mutter Erde zutiefst heidnisch!

[1] https://www.adveniat.de/fileadmin/user_upload/Informieren/Aktuelles/Instrumentum_Laboris_Deutsch.pdf

[2] Paragraf 19.

[3] Paragraf 15.

[4] Paragraf 71.

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