Vor der Amazonas-Synode

Warum ich dem Heiligen Vater vertraue

Berlin, 18.August 2019

Als Papst Franziskus 2013 gewählt wurde, hielt ich es zuerst für einen Scherz des Heiligen Geistes: „Bergoglio? Wer ist das denn?“

Später hörte ich, dass er schon im vorherigen Konklave beinahe gewählt wurde,           aber aus Rücksicht auf die Weltkirche keine weitere Stichwahl wollte.

Am Anfang war er mir ziemlich sympathisch: im Gästehaus wohnend und täglich öffentlich wirksam predigend – was kann daran falsch sein?

 

  1. Ein erster Paukenschlag: seine Weihnachtspredigt 2014 über die Krankheiten des Klerus[1]

Alle Wohlmeinenden und Frommen haben aufgeatmet. Frank und frei benennt er die vielen Eigentümlichkeiten seiner Schutzbefohlenen aus dem Klerus. Fünfzehn sind es an der Zahl – das ist gut drei Jahre vor dem Annus horribilis 2018, dem Jahr des großen Jammers.

 

  1. Laudato si´: die erste Öko-Enzyklika der Weltkirche[2]

Zwei Jahre später war er zum ersten, aber nicht zum letzten Mal ein Trendsetter in der Kirche, denn im Mai 2015 machte er die Sünden wider die Umwelt zum Thema Nummer Eins – das war vier Jahre vor Greta Thunberg, immerhin.

 

  1. Kein Fiasko 2016 um Amoris Laetitia[3]

Viele hatten nach dem bescheidenen Instrumentum laboris – sicher nicht weniger einseitig als dasjenige zur Amazonas-Synode – die Mega-Katastrophe in der Weltkirche erwartet: der Papst als bösartiger Häretiker.

Dabei ist dieses Lehrschreiben nicht die ipssissima vox Papae – wie in einer Enzyklika –, sondern war und ist ein so genanntes Nachsynodales Schreiben im Stil einer Adhortation, also einer Ermunterung. Der Heilige Vater will mit diesem Dokument Anregungen der Synode zusammenfassen, mehr nicht.

Es ist die Frage, ob die ewig Gleichen, die „mit sprungbereiter Feindseligkeit“[4], wie es Papa Emeritus 2009 ausdrückte, nicht immer nur die Gelegenheit suchen, sich selbst als die einzig wahren Stellvertreter Christi, allerdings ohne Amt, in das rechte bzw. falsche Licht setzen wollen.

  1. Annus horribilis 2018

Dunkele Gewitterwolken zogen langsam auf: der Missbrauchsskandal tauchte wie ein gigantischer Eisberg aus den Untiefen der Bosheit auf.

Beispiellos ist die Tatsache, dass durch die Vermittlung des Heiligen Vaters fast der gesamte Episkopat eines Landes, nämlich Chile, in Demut zurücktrat, damit der Pontifex Maximus mit seinem Jurisdiktionsprimat über sie verfügen könne.[5]

Im Hitzesommer 2018 glühte die Kirche: der Bericht der Grand Jury aus den Vereinigten Staaten entfaltete seine große mediale Wirkung.[6]

Nein, der Heilige Vater verglühte nicht, nein, er war wie der wirkliche Fels in der Brandung. Er tat das allein Richtige: er behielt die Ruhe – und sprach Mut zu.

Und er handelte mit der Weitsicht des Kapitäns des größten Schiffes der Welt – der Weltkirche mit einer Milliarde und dreihundert Millionen Menschen an Bord, der ältesten Institution der Welt überhaupt – und kündigte eine große Missbrauchskonferenz für den Februar des nächsten Jahres an, also ein gutes halbes Jahr später.

Beschimpft und in den Schmutz gezogen wurde er dagegen von einem Menschen aus dem innersten Zirkel der Kirche, Erzbischof Viganò, der meinte, unter eingebildeter Todesgefahr flüchten zu müssen. Mit immer neuen unüberprüfbaren Verleumdungen war er ein Multiplikator von Gerüchten und Verleumdungen par excellence.

Und der Heilige Vater hatte Recht: es gelang ihm vor, mit und nach der Konferenz durch ein großes Bündel von Maßnahmen das Thema Kindesmissbrauch in der Weltkirche zu verankern, Handlungsrichtlinien zu erstellen und Strukturen hervorzubringen.

 

  1. Was sind die Stärken von Papst Franziskus?

Ich habe schon drei Bücher von und über ihn gelesen und zwei Filme gesehen. Dort findet man den wahren Heiligen Vater nicht.

Wir finden ihn indem, was er Predigt: er ist ein guter Prediger! Seine Predigt vom Dezember 2014 über die Kinderkrankheiten des Klerus ist ausgezeichnet. Ebenso seine bedeutsame Weihnachtsansprache 2018 – scharf stellt er die Sünden des Mörders und Ehebrechers David heraus.[7]

 

Demut der Gesten: er küsst wirklich die Füße von sudanesischen Politikern, damit sie wirklich Frieden miteinander schließen – keine leichte Übung für einen alten und gebrechlichen Menschen.[8] Er verzichtet wirklich auf den ihm möglichen päpstliche Prunk. Und er hat wirklich das Wort ‚Sünde‘ in den Mund genommen, als er von seinen Schwierigkeiten als Jesuiten-Provinzial sprach. Das ist ungewöhnlich.

Seine Marienfrömmigkeit wurde schnell bekannt, als sich das Bildnis von ‚Maria Knotenlöserin‘[9] verbreitete: er war es, der die Allerseligste Jungfrau als Knotenlöserin in Argentinien bekannt machte. Und durch den Heiligen Vater wiederum bekam unsere deutsche Marienfrömmigkeit den Anstoß, unsere eigenen Schätze zu heben.

Sein Gottesvertrauen ist in meinen Augen seine größte Stärke: er hatte wohl wirklich keinen Plan, als er als gebürtiger Argentinier mit italienischem Pass in Rom aufschlug. Dennoch wusste er wohl ziemlich genau, was die anderen von ihm dachten, die „fast bis ans Ende der Welt gegangen“[10] waren, wie er in seiner ersten Ansprache nach dem Konklave bemerkte. Er wusste, was auf ihn zukommen würde, denn er ahnte, warum sein Vorgänger zurücktrat. Die ‚sprungbereite Feindseligkeit‘ erwartete auch ihn. Aber er glaubt an Gott und an die ewige Vorsehung, die ihm schon Gelegenheiten verschaffen würde, das Evangelium zu predigen und seinem Auftrag als Hirte gerecht werden. Und genau das hat er getan: auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören und die Kirche leiten!

Und, wie ist scheint, ist er damit nach lange nicht am Ende!

Gott segne dich, lieber Heiliger Vater, und schenke uns Deutschen, dass du uns dabei hilfst, dass das Evangelium von der Buße und der Vergebung der Sünden wieder in Deutschland, dem Land der Knotenlöserin, gepredigt wird. Amen!

[1] https://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2014/december/documents/papa-francesco_20141222_curia-romana.html

[2] http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html

[3] http://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia.html

[4] https://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/letters/2009/documents/hf_ben-xvi_let_20090310_remissione-scomunica.html

[5] http://w2.vatican.va/content/francesco/de/letters/2018/documents/papa-francesco_20180408_lettera-vescovi-cile.html

[6] https://de.catholicnewsagency.com/article/christus-kam-nur-bis-pennsylvania-0372

[7] https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-12/papst-franziskus-kurie-ansprache-audienz-weihnachten-vatikan.html

[8] https://www.youtube.com/watch?v=9HElG2Vg5VY

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Knotenlöserin

[10] https://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2013/march/documents/papa-francesco_20130313_benedizione-urbi-et-orbi.html

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