50 Jahre Liturgiereform

5 Gründe, warum die Volksmesse so überaus wertvoll ist

Berlin, 25.August 2019

In Zeiten wir diesen brauchen wir eine neue Vergewisserung, warum wir katholisch sind. Nein, es geht nicht darum, die Lateinische Messe schlecht zu machen, denn das ist nicht möglich. Die Vetus Ordo Missae ist eine Festlegung des in meinen Augen größten und wichtigsten Konzils in Trient. Dieses Konzil rettete den Katholizismus vor den Häresien des Protestantismus. Und gerade deswegen muss festgestellt werden.

  1. Der Novus Ordo Missae ist die Vollendung Trients in der der Liturgie

Wir erinnern uns: das Trienter Konzil tagte von 1545 bis 1563 mit großen Unterbrechungen, die sowohl aufgrund von nationalstaatlichen als auch von kirchenpolitischen Verwerfungen notwendig waren.[1] In größter Not einigte man sich auf das Wesentliche und verwarf das Ansinnen Luthers, der Gottesdienst müsse in der Volkssprache gehalten werden. Nein, sprach das Konzil, nein, Papst und Konzil legen fest, in welcher Sprache die Liturgie gehalten wird. Nein, die Heilige Messe muss nicht in der Volkssprache gehalten werden.[2] Um der größten Verwirrung zu wehren, besann man sich auf Latein als die einigende Kirchensprache der Weltkirche, die ohnehin überall gebraucht wurde. Keine Frage, eine Diskussion über die Zulassung der Volkssprache hätte die Kirche geradezu in die Luft gesprengt; das Chaos war durch das Eindringen der Häretiker und vor allem durch den moralischen Zustand der Katholiken viel zu groß, um hier eine Liturgiereform verantworten zu können.

So kann also gesagt: die Abwehr der Durchsetzung der Volkssprache vor allem gegen Papst und Konzil ließ die Fragen natürlich offen, ob Papst und Kirche sich in Freiheit ebenfalls für die Volkssprache entscheiden könnten.

Ja, sie haben sich für die Volkssprache entschieden: in größter Freiheit ohne jede Bedrängnis und in schönstem äußeren Frieden – im großen Gegensatz zum Ersten Vatikanischen Konzil – tagte das Zweite Vatikanische Konzil mit Kraft und Überzeugung.

Die Konstitution über die Heilige Liturgie Sacrosanctum concilium behandelte dieses wichtige Thema nicht ohne Grund als Allerstes und forderte die Übersetzung wichtiger Texte, z.B. des Stundengebetes, in die Volkssprache. Paul VI nahm den Ball auf und führte 1969 die Heilige Messe in der Volkssprache mit der Apostolischen Konstitution Missale Romanum ein.[3]

  1. Die Volkssprache ist die Rückkehr zum usus antiquior[4] des Urchristentums

Wer immer die Lateinische Messe verteidigen will, muss gleichwohl erkennen, dass Jesus mit seinen Schafen in der Lingua franca sprach, dem Griechischen – und nicht in Hebräisch und Aramäisch.

Der Völkerapostel Paulus konnte nur über das Griechische die heidnische Welt missionieren, denn der Glaube kommt aus der Predigt. Paulus fragt uns: „Wie sollen sie an den Glauben, von dem sie nichts gehört haben?“[5]

Denn der Glaube kommt aus dem Hören, wie es Paulus im Römerbrief sagt: fides ex auditu[6].

Keine Frage: schon immer gab es eine Sakralsprache – und es gibt Gründe für sie. Wenn allerdings gilt, dass in Jesus Christus das Eine Wort Gottes zu uns kommt, kann es nur in der Sprache des Volkes verstanden werden, sonst ist es wirkungslos.

  1. Sakramentale Wirksamkeit durch die glaubenswirkende Beteiligung des Volkes Gottes

Die Einsicht in das untrennbare Zusammenwirken von Glauben und Werken, das Luther quasi auseinandergerissen hat, ist eine mögliche Fehldeutung des Sakraments der Eucharistie im Vetus Ordo Missae.

Der Priester als Alter Christus wandelt Brot und Wein in Leib und Blut Christi: das ist die wichtige Erkenntnis im ex opere operatum, denn aus dem Vollzug des Messkanons – unabhängig von der Disposition des geweihten Mannes – haben wir das Wunder der Wandlung.

Damit das Sakrament seine Wirksamkeit in den Christgläubigen entfaltet, muss es würdig und mit Andacht empfangen werden.

Jesus verkündet ganz glasklar: „Wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.“[7] Wo sollte das Herz am Allerbesten überfließen, wenn nicht im geschützten Raum der Kirche? Wo sollte der Glauben gelabt und gestärkt werden, wenn nicht vor Gott mitsamt seinen Engeln und Heiligen, die ja immer anwesend sind und mitfeiern?

Mit vollem Recht spricht das Heilige Zweite Vatikanische Konzil: die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“[8].

Und Paulus lässt buchstäblich in seinen Gottesdiensten das christliche Volk jubeln und jauchzen und singen und musizieren.[9]

Nirgendwo sonst ist die Beteiligung des ganzen Volkes Gottes mehr angebracht als gerade vor Gott im Allerheiligsten.

  1. Lebendiger Austausch mit Kultur und Alltagsleben durch die Volkssprache

Nun, staubtrocken und verknöchert ist die Lateinische Messe sicher nie gewesen. Und moderne Lieder sind zu allen Zeiten sicher gesungen worden.

Nun, es war allerdings immer eine Frage des Priesters vor Ort, wie die Dinge gehalten werden.

Sprache und Kultur eines Volkes sind sicher niemals die Quelle der Offenbarung Gottes. Dennoch war genau dies der grundlegende Zusammenhang von Natur und Gnade, der urkatholisch ist: das Volk lebt in Kultur und Sprache – und muss z.B. in modernen volkssprachlichen Liedern zum Tragen kommen.

Sind die vielen gelungenen modernen Lieder im ‚Gotteslob‘, z.T. aus der Popmusik[10], nicht Geschenke des Heiligen Geistes an unsere Zeit? Nur die Volkssprache lässt im schönsten Sinne das Volk buchstäblich zur Sprache kommen.

  1. Die ganzheitliche Wirksamkeit des Priesters in der Volkssprache

Die wenigsten wissen, dass der Priester drei Ämter hat: er ist nicht nur heiligender Priester, sondern auch predigender Lehrer und seelsorgerlicher Hirte seiner Gemeinde, wenigstens im Gottesdienst.

Schöner können sich diese grundlegenden Aufgaben, die gar nicht wirklich zu trennen sind, gar nicht zeigen, als gerade in einem reichhaltigen Gottesdienst, indem nicht nur der Priester seine Amtsgewalt entfaltet, sondern seine Wirkungen in der Gemeinde durch tätige Laien vervielfacht.

Was wäre ein Priester, der nur die Eucharistie vollzieht – in einer fremden Sprache wie Latein und vielleicht nur gemurmelt? Buchstäblich würde er bestenfalls seine eigene Seele nähren, weil sein Murmeln niemand verstehen kann.

Nur wenn das Volk ihn verstehen kann und mit einbezogen wird, ist er vom und im und für das Volk.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Trient

[2] DH 1749.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Missale_Romanum_(apostolische_Konstitution)

[4] Historisch gesehen ist die Urform im Messkanon zu finden, wie ihn Paulus in I Kor 11 überliefert; sprachlich ist es das alltägliche Griechisch, die Koine. Kirchengeschichtlich meint usus antiquior die Lateinische Messe vor der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgie_von_1962 ).

[5] Röm 10,14b.

[6] Röm 10,17; Übersetzung aus der Vulgata!

[7] Lk 6,45c.

[8] Lumen gentium 11,1.

[9] Vgl. z.B. I Kor 12-14.

[10] Z.B. im GL 188 des Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber.

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