Nicht verurteilen, sondern beten!

Drei Regeln für den Umgang mit dem Heiligen Vater

Berlin, 1.September 2019
Auf dem Bild oben sehen wir ein Meisterwerk von Rembrandt mit dem Titel ‚Petrus im Gefängnis‘( Rembrandt: Petrus ). Petrus war es viele Male, die meisten von uns niemals.
Ich weiß nicht, wie es ist, um des Glaubens willens im Gefängnis zu landen. Sicher habe ich auch schon Wunden für Jesus getragen, aber mehr geistliche; so wie es eben geschieht in einem Land mit Religionsfreiheit und einem inzwischen siebzig Jahre langen Frieden.
Gefängnis konnte in der Zeit der Apostel mit dem Tod enden, so wie bei Jesus auch; wer in die Hände des römischen Staates fiel, konnte seinen Kopf verlieren, buchstäblich.
Das höchste Gut eines jeden Menschen ist seine Ehre; Ehrabschneidern in die Hände zu fallen, bedeutet in Schimpf und Schande zu fallen: das denkbar Schlimmste zu Lebzeiten – noch vor Gefängnis und Tod.

1. Mensch = Ebenbild Gottes = Stellvertreter Gottes
Es gibt ein Buch namens ‚Diktator Papst‘, welches in Publikationen wie katholisches.info und sogar in ‚Theologisches‘ gepriesen wird. Gelesen habe ich es nicht. Allein der Titel verheißt, dass es sich um den schlimmsten Menschen auf Erden handeln muss, der notgedrungen keinen Respekt verdient, gar keinen. Nur der Teufel ist noch schlimmer.
Seit einigen Jahren geht es um die Frage des ‚Diktator Papst‘:
– Waren seinen ganz besonders krassen Charakterfehler daran schuld, als Jesuiten-Provinzial abgesetzt zu werden?
– Hat er seine eigenen Brüder an die argentinische Militär-Junta verraten?
– Ist er nur die billige und ewig lächelnde Marionette einer so genannten ‚St. Gallen‘-Mafia, so die vorgeschobene Puppe von intriganten Modernisten?
All das und noch vielmehr soll als allerbreitester Quark in der Öffentlichkeit breitgetreten werden; die Einzelfragen sind wohl kaum selbst vom gewieftesten Spezialisten zu entscheiden; alles nur Gerüchte ohne jeden Beweis.
Jesus hat da eine ganz einfache Regel aufgestellt, die Splitter-Balken-Regel:

„Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herausziehen!“(Mt 7,5)

Es ist das krasse Missverhältnis vom Verurteilen des Anderen, in welchen wir unsere eigenen Fehler buchstäblich projizieren.
Tausendneunhundert Jahre vor Sigmund Freud wusste Jesus: es gibt eine geheimnisvolle Verbindung zwischen meiner so genannten Erkenntnis und der Wirklichkeit.
Unser Gebet für die Bekehrung des anderen muss von Herzen kommen – und nicht im Wunsch bestehen, angebliche Hindernisse aus dem Weg räumen zu wollen, die letztlich uns gerade im Weg stehen.
Beten wir für den Heiligen Vater?

2. Heilige Vater = Stellvertreter auf Erden = Gottes Geschenk
Als Protestant musste ich mein eigener Papst sein, denn nach Luthers Lehre ist alles, was aus dem Taufbecken herauskommt, zum Priester, Bischof und Papst geweiht. (Wiki zu Priestertum aller Gläubigen).
Ich freue mich jeden Tag, katholisch zu sein, weil ein einziger Mann von Gott erwählt wurde, der mir dabei helfen soll, in den Himmel zu kommen
Auf dem Rembrandt-Bild liegen die Schlüssel des Himmelreiches neben Petrus. Die Schlüssel des Himmelreiches sind Sinnbild für die wirklich gigantische Schwere dieses Amtes.
Der Heilige Vater muss abwägen und urteilen – mit zweitausend Jahren Kirchengeschichte auf dem Buckel –, welche Lehre von Gott ist und welche nicht, welche in den Himmel führt und welche in die Hölle.
Wie Petrus sind wir schwache Menschen und brauchen Fürsprache bei Gott und lebenskluge Worte und natürlich auch Widerspruch.
Erinnern wir uns an den so genannten Antiochenischen Zwischenfall, wie er im Galaterbrief des heiligen Paulus beschrieben wird: Petrus war der Auffassung, dass auch die getauften Heidenchristen mindestens Teile des jüdischen Gesetzes mit seinen Reinheitsvorschriften zu halten haben.
Und Paulus widerstand streng und hart:

„Als ich aber sah, dass sie nicht geradlinig auf die Wahrheit des Evangeliums zugingen, sagte ich zu Kephas in Gegenwart aller: Wenn du als Jude nach der Art der Heiden und nicht nach der Art der Juden lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, wie Juden zu leben?“(Gal 2,14)

Paulus half Petrus – und diese Streitfrage führte schließlich zum allersten Konzil der Kirche in Jerusalem.
Der Mensch, der auf dem Apostolischen Stuhl sitzt, hat das schwerste Amt der Welt – und braucht manchmal die brüderliche Zurechtweisung!
Paulus war Apostel wie Petrus. Und beide waren geweihte Amtsträger. Auf dem Jerusalemer Konzil trafen sich alle Apostel, um miteinander die wichtigen Streitfragen zu klären.
Es war keine Laien dabei.
Wir dürfen als Laien Briefe schreiben und zittern und opfern und weinen – für den geweihten Amtsträger auf dem Stuhl Petri. Die Streitfragen entscheiden ist nicht unsere Sache.
Wer also keck meint, die Verheißung Jesu an Petrus gelte nicht mehr, der sollte die katholische Kirche verlassen:

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“(Mt 16,18a)

Jesus sagt nicht: „Manchmal baue ich, dann reiße ich ein“, nein, er verheißt: „Ich werde meine Kirche bauen!“
Wer also öffentlich den Felsen Petri schmäht, ist bestenfalls irregeleitet, niemals ein Katholik. Im Übrigen hat Paulus sich selbst nicht zum Gegen-Papst ausgerufen, sondern das Urteil des Konzils abgewartet.
Wann haben wir zuletzt gebeichtet und bekannt, wo wir selbst in einer Lehrfrage krass daneben lagen – natürlich zu unseren Gunsten?

3. Heilige Vater = Alter Christus
Erinnern wir uns an das Annus horribilis 2018:
– Ein höchstgestellter Kleriker wie der ehemalige Nuntius, Erzbischof Viganò, flieht aus dem Vatikan, angeblich aus Todesangst und feuert eine Breitseite an Unterstellungen, Gerüchten und übler Nachrede nacheinander.
– Es geht das Gerücht, der Heilige Vater würde den Erzschurken Theodore McCarrick decken.
– Es gab den Wunsch, der Heilige Vater solle doch nicht zurücktreten, wie es Viganò wollte, weil es dann sein Nachfolger noch schwerer hätte…
– Es gab das Murren und Knurren, der Heilige Vater wolle den ganzen üblen Homo-Sumpf der Homo-Mafia decken, indem er die Missbrauchskonferenz nicht im Sommer 2018, also sofort, sondern erst im Februar 2019, also ein gutes halbes Jahr später durchführen würde – damit alles ausgesessen und vergeben und vergessen ist…
– Es gab den ewigen Kardinal Müller, der ständig betont, dass der Heilige Vater natürlich kein Irrlehrer ist, aber aber aber…
– Und es gab den ewigen Kardinal Sarah, der natürlich ständig betonen muss, was er alles noch viel besser sagen würde…
– Und es gab den ewigen Kardinal Brandmüller, der so richtig tief schürfend ewig den Heiligen Geist selbst widerspiegelt…
Nun, ein Jahr später steht die Kirche besser dar denn je: wo bleiben die Lobeshymnen auf das wahrhaft gute Krisenmanagement dessen, für den seine Kardinalsbrüder „fast bis ans Ende der Welt gegangen“ (Rede nach der Wahl ) sind?
Es ist die Dankbarkeit, die Jesus selbst am Kreuz erfahren hat: der Wohltäter, der die Kranken heilte und die Sünder bekehrte, wurde nach getaner Arbeit vom Leben zum Tode gebracht!
Das darf die Haltung von uns Katholiken nicht sein!

Nein, Jesus sagt:

„Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.“(Joh 15,20b)

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