Der Synodale Weg am Ende

Wie ein dummer Schuljunge: Kardinal Marx wird vom Apostolischen Stuhl zerpflückt

Berlin, 14.September 2019

Inzwischen ist die ganze Weltkirche mit ‚The German Sonderweg‘ beschäftigt. Und das ganz kurz vor der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe am nächsten Wochenende.

  • Wir erinnern uns an den Eklat im Frühjahr letzten Jahres: es war der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ladaria, der im Interkommunion-Streit auf die Bremse trat.[1]
  • Im März 2019 schrieb Papa Emeritus einen Aufsatz und stellte den „Zusammenbruch katholischer Moraltheologie“[2]   fest.
  • Am 29.Juni 2019 schrieb uns der Heilige Vater Franziskus und klagte unseren mangelnden deutschen sensus Ecclesiae an und forderte uns auf, auf die Evangelisierung zu besinnen.[3]

Und nun der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Ouellet, – in Tateinheit mit dem ‚Päpstlichen Rat für Gesetzestexte‘. Eben diesen sensus Ecclesiae mahnt der hochrangige Kleriker in Deutschland ein, wenn er schreibt: „die kirchlichen Wurzeln festigen und die Sendung (evangelisierende Mission) der Kirche in diesem Land neu beleben.“[4]

Mit einem Wort: der ganze Vatikanische Apparat beschäftigt sich mit unserem deutschen Sonderweg; seit der ‚Königsteiner Erklärung‘[5] 1968 sind es mehr als 50 Jahre Irrsinn, der gewaltiges Chaos in Köpfen und Herzen angerichtet hat.

Kardinal Ouellet bezieht sich auf die vorläufigen Leitlinien des Synodalen Weges, die im Gutachten des ‚Päpstlichen Rates für Gesetzestexte‘ vernichtend beurteilt werden – und er erwartet von dem „oben genannten endgültigen Text“, dass er „dem Heiligen Vater zur Bestätigung vorgelegt werden muss.“[6]

 

  1. Die Kritik des Päpstlichen Rates im Einzelnen:

a Vermengung Lokalität und Globalität: „Dabei ist offensichtlich, dass diese Themen nicht nur die Kirche in Deutschland, sondern die Weltkirche betreffen, wobei diese Themen – mit wenigen Ausnahmen – nicht Gegenstand von Beschlüssen und Entscheidungen einer Teilkirche sein können, ohne gegen die Einschätzung des Heiligen Vaters zu verstoßen, die er in seinem Brief an die Katholiken in Deutschland vom 29.Juni diesen Jahres geäußert hat“. Und: „Wie kann eine Teilkirche verbindliche Beschlüsse fassen, wenn die behandelten Themen die Weltkirche betreffen?“

b Unklare Struktur: der Synodale Weg sei in Wahrheit ein Partikularkonzil, ohne dass dieses Kind beim Namen genannt wird: „Die Bischofskonferenz kann den Beschlüssen keine rechtliche Wirksamkeit verleihen, zumal dies außerhalb ihrer Kompetenz liegt.“

c Vermengung Laien und Klerus, weil DBK und ZdK „die gleiche Zahl an Teilnehmern“ entsenden: „Diese Parität von Bischöfen und Laien kann kirchenrechtlich keinen Bestand haben.“ Man könnte gut mittelalterlich als eine Form der Laieninvestitur sprechen.

Der Päpstliche Rat fragt erstaunt:

  1. „Wie kann eine Versammlung einer Teilkirche über Themen der Weltkirche beschließen“?
  2. „und wie kann sich eine Bischofskonferenz von einer Versammlung dominieren lassen, von der die meisten Mitglieder keine Bischöfe sind?“

 

  1. Und wie antwortet die DBK?

Sie ist beleidigt: „Das Gutachten des Päpstlichen Rats thematisiert die Entwurfsfassung der Satzung mit Stand vom Juni 2019 und berücksichtigt noch nicht die im Juli und nach der Sitzung des Ständigen Rats im August fortgeschriebene Fassung, die bereits einige Textpassagen nicht mehr enthält, auf die sich das Gutachten bezieht.“[7]

Denn das Allerneueste wurde angeblich von Rom gar nicht „berücksichtigt“. Nun, Kardinal Marx trifft sich wahrscheinlich nicht mit Kardinal Ouellet oder dem Prälat Iannone vom Päpstlichen Rat. Nein, seine Münchener Eminenz „wird den Brief sowie das Gutachten nutzen und in der kommenden Woche in Rom Gespräche führen, in denen etwaige Missverständnisse ausgeräumt werden sollen.“

Natürlich, der ganze Römische Apparat fängt an zu arbeiten – und Kardinal Marx muss nur „Missverständnisse“ ausräumen.

Aber sind die ‚Missverständnisse‘ ausräumbar? Die Themen des Synodalen Weges sind gesetzt – und die strukturelle Beteiligung der Laien in Gestalt des ZdK ebenfalls.

Es kann also nur um kosmetische Änderung von „Textpassagen“ gehen, oder aber: um den Kopf des Münchener Querulanten, der die Gutmütigkeit des Heiligen Vaters gewaltig überschätzt hat.

 

  1. Der synodale Weg: ein gewaltiger Scherbenhaufen

Das so viele Stellen im Vatikan mit dem DBK-Sonderweg beschäftigt sind, lässt es unwahrscheinlich erscheinen, dass die Herbstvollversammlung einfach so weitermachen kann.

Der Heilige Vater hat mit seinem Brief die Messlatte bedeutend nach oben gesetzt – und Kardinal Ouellet schreibt an Kardinal Marx mit der Sparsamkeit eines Befehlsgebers in seinem Schlusssatz:

  1. „Unser Dikasterium bietet jegliche Unterstützung an“
  2. „und erwartet den oben genannten endgültigen Text als Leitfaden für den Synodalen Weg, der […] dem Heiligen Vater zur Bestätigung vorgelegt werden muss.“

Ja, ‚The German Sonderweg‘ ist Chefsache – und der heißt Gott sei Dank Franziskus!

[1] https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2018-06/kommunionstreit-papst-bremst-deutsche-bischoefe-ladaria.html

[2] https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-04/papst-benedikt-xvi-wortlaut-aufsatz-missbrauch-theologie.html

[3] https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2019/2019-108a-Brief-Papst-Franziskus-an-das-pilgernde-Volk-Gottes-in-Deutschland-29.06.2019.pdf

[4] https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-04-Schreiben-Rom-mit-Anlage-dt-Uebersetzung.pdf

[5] https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/Sonstige/k_nigsteiner_erkl_rung.pdf

[6] https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-04-Schreiben-Rom-mit-Anlage-dt-Uebersetzung.pdf

[7] https://dbk.de/presse/aktuelles/meldung/synodaler-weg-der-kirche-in-deutschland/detail/

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