Königstein, Caritas und Donum Vitae

Der Synodale Weg und der staatlich-katholische Komplex

Berlin, 22.September 2019

Am morgigen Montag soll die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz beginnen – und völlig unklar ist, wie es weitergehen soll.

In der FAZ vom Samstag konnte man nochmals viel über das Selbstbild der deutschen Bischöfe lesen. Der Münsteraner Bischof Felix Genn bekräftigt, dass irgendwann einmal die Weltkirche dem deutschen Sonderweg folgen wird.[1]

Dabei ist die deutsche Ortskirche seit 1968 voller selbstgewählter Sonderwege – seit mehr als 50 Jahren.

Dieser Sonderweg hat sich verstetigt und hat das größte Unternehmen in Deutschland, die Caritas mit mehr als 660.000 Mitarbeitern, erfasst. Ohne jede Scham wird dort Seelsorge für gleichgeschlechtliche Beziehungen angeboten, nicht für die Homosexuellen allein. Und das kirchliche Arbeitsrecht wurde dazu angepasst.[2]

Auch Donum vitae, die umstrittene Schwangerschaftsberatung, gehört zu den Unternehmungen, die mit staatlichem Geld gefördert werden: Kardinal Marx hat diese Laienorganisation zuletzt im Januar 2018 lobend erwähnt (s. Screenshot).[3]

Und ein breites Heer aus Pastoralreferenten und Assistenten gehört ebenfalls mit dazu, die ganz offen pro-LGBT-Propaganda betreiben – mindestens in 13 Diözesen Deutschlands (s. eine Kategorie Homo-Häresie)[4].

Wir reden also von einer gewaltigen LGBT-Propaganda-Maschine von reichlich 700.000 – 800.000 hauptamtlichen Mitarbeitern, die nichtkatholische Auffassungen vertreten müssen, weil ihr Arbeitgeber, die katholische Kirche, nichtkatholische Auffassung nicht nur duldet, sondern sogar fördert.

Es ist also ein staatlicher Komplex von Dienstleistungsbringern entstanden, die das Deckmäntelchen der katholischen Kirche (z.B. Caritas und diözesane Beratungsstellen) tragen oder zu ihrem Einflussbereich durch katholische Persönlichkeiten stehen (z.B. Donum vitae).

Es ist der Staat, der die meisten dieser Dienstleistungen bezahlt. Für die Caritas z.B. kann gesagt werden: „Generell ist die heutige Finanzierung nur noch zu einem sehr kleinen Teil von Spenden abhängig, der größte Teil wird über Leistungsentgelte vom Staat eingenommen.“[5]

Wie im schon im Mittelalter kann hier von einer gewaltigen Einflussnahme des Staates auf die Selbständigkeit der katholischen Kirche gesprochen werden, die man damals Simonie nannte: „Gibst du mir Geld, bekommst du meinen Segen!“

Der so genannte ‚Synodale Weg‘ soll letztlich lehramtlich diese ganze theologisch-pastorale Schieflage legalisieren: was bisher nebenherlief, soll nun ganz offiziell seinen Segen bekommen.

Und deswegen ist Kardinal Marx längst nicht mehr allein Motor dieses Prozesses der Entfremdung vom katholischen Dogma, sondern nur ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt und seinen Segen gibt.

 

  1. Königsteiner Erklärung 1968: Gewissensvorbehalt

Dieser Erklärung schlossen sich alle deutschen Bischöfe an – nur unser Berliner Kardinal Bengsch protestierte.

Damals hatte der heilige Papst Paul VI in seiner Enzyklika Humanae Vitae[6] eindeutig und unmissverständlich den Gebrauch von künstlichen Verhütungsmitteln verurteilt – so wie es die katholische Kirche schon immer tat.

Noch nie waren künstliche Verhütungsmittel erlaubt – und schon immer wurde versucht, die Leibesfrucht abzutreiben. Wikipedia urteilt: „Schon im Altertum wurde von Geschlechtspartnern ohne Kinderwunsch auf vielfältige Weise versucht, die Chance einer Empfängnis zu mindern, aber erst seit dem 20. Jahrhundert stehen sicherere und verlässlichere Methoden zur Verfügung.“[7]

Über einen theologischen Trick versuchten die sophistischen Schriftgelehrten der Deutschen Bischofskonferenz oberhalb der Alpen sich der Schwierigkeit zu entledigen: Ja, wer in seinem Gewissen ganz katholisch sein möchte („muß sich gewissenhaft prüfen“), aber leider nicht der zweitausend Jahre alten Tradition folgen will, weil neue Fragen („gewisse neuerdings besonders betonte Aspekte der Ehe“) aufgetaucht seien, der ist dennoch Gehorsam („widerspricht nicht der recht verstandenen Autorität und Gehorsamspflicht“).

Im ganzen Zusammenhang lautet dies in der ‚Königsteiner Erklärung‘ so:

„Es wird gefragt, ob die Lehrtradition in dieser Frage für die in der Enzyklika getroffene Entscheidung zwingend ist, ob gewisse neuerdings besonders betonte Aspekte der Ehe und ihres Vollzuges, die von der Enzyklika auch erwähnt werden, nicht ihre Entscheidung zu den Methoden der Geburtenregelung problematisch erscheinen lassen. Wer glaubt, so denken zu müssen, muß sich gewissenhaft prüfen, ob er –frei von subjektiver Überheblichkeit und voreiliger Besserwisserei –vor Gottes Gericht seinen Standpunkt verantworten kann. Im Vertreten dieses Standpunktes wird er Rücksicht nehmen müssen auf die Gesetze des innerkirchlichen Dialogs und jedes Ärgernis zu vermeiden trachten. Nur wer so handelt, widerspricht nicht der recht verstandenen Autorität und Gehorsamspflicht.“[8]

Mit einem Wort: wer andauernd diskutiert und nicht treu und gehorsam katholisch handelt, ist dennoch ein Katholik.

Voilà: wenn das nicht in nuce der ‚Synodale Weg‘ ist.

 

 

  1. Abtreibung: Beratungsschein von 1976 bis 1999 – und dann nur von Donum vitae

Der Heilige Papst Johannes Paul II. setzte erst 1999 durch[9], dass die kirchlichen Schwangerschaftsberatungsstellen den Beratungsschein, der zur Tötung Ungeborener berechtigt, obwohl die Fristenregelung schon 1974 eingeführt wurde.

Daraufhin wurde Donum vitae gegründet und erfreute sich katholischer Unterstützung bis 2006 – und seit Januar 2018 wieder.

 

 

  1. 2010: Homosexualität = „Sünde“

Es war der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, der 2010 in einer Talkshow von Anne Will öffentlichkeitswirksam im staatlichen Fernsehen sagen durfte: „Homosexualität ist eine Sünde. Das widerspricht der Natur von Mann und Frau.“[10]

Seitdem hat sich das Meinungsbild ganz entschieden gewandelt: es sind inzwischen mindestens dreizehn deutsche Diözesen, auf deren Internetseiten in aller Öffentlichkeit für gleichgeschlechtlichen Beziehungen geworben wird.

Einfach mal googlen mit den Begriffen ‚Homosexualität‘ und ‚Pastoral‘. Federleicht lassen sich dort die entsprechenden ‚Seelsorger‘ finden, die arme Seelen in die Hölle führen.

Federführend ist allerdings der Kölner Kardinal Woelki, der ganz offen eine eigene Beratungsstelle betreibt.[11]

 

  1. Fazit

Nehmen wir den unwahrscheinlichen Fall an, dass Kardinal Marx und seine DBK-Genossen sich plötzlich bekehren und zur katholischen Lehre zurückkehren: was ist mit dem gewaltigen Heer an Angestellten, die ganz anders glauben, fühlen und denken?

Der Heilige Vater muss gewaltig den deutschen Saustall ausmisten – und wir sollten ihn unbedingt dabei unterstützen!

[1] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bischof-felix-genn-wir-brauchen-eine-neue-machtverteilung-in-der-kirche-16394943.html

[2] https://stephangroene.blog/2018/11/18/in-aller-oeffentlichkeit-xv-homo-haeresie-in-der-caritas-deutschland/

[3] https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2018-01-24/bischoefe-und-donum-vitae-gehen-aufeinander-zu

[4] https://stephangroene.blog/category/homo-haeresie/page/3/

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband#Finanzierung

[6] https://www.google.de/search?sxsrf=ACYBGNS2FKHe4Jsy0tdeRbbzdw8YXJIyIA%3A1569160293264&source=hp&ei=ZXyHXYe_DcfKwAKOpYz4Aw&q=vatican.va+humanae+vitae&oq=vatikan.va+hu&gs_l=psy-ab.1.0.0i22i30.1515.5434..8305…1.0..0.120.1017.13j1……0….1..gws-wiz…….35i39j0j0i131j0i67j0i10j0i30j0i8i30j0i13j0i13i30.6T1S7v_KGeY

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Empfängnisverhütung

[8] https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/Sonstige/k_nigsteiner_erkl_rung.pdf

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Donum_vitae_(Verein)#Kirchliche_Haltung

[10] https://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/overbeck-nennt-bei-anne-will-homosexualitaet-eine-suende-id3471651.html

[11] https://stephangroene.blog/2018/08/21/in-aller-oeffentlichkeit-ii-homo-haeresie-im-erzbistum-koeln/

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