Der Dornenweg Mariens und Jesu Kreuzweg

Lernen wir das Evangelium besser kennen: per Mariam ad Jesum

Berlin, 4.Advent 2019

Wer über Maria nachdenkt, entdeckt immer wieder, wie viele Parallelen es zu ihrem Sohn gibt. Leider kenne ich dazu gar keine Literatur. Für Hinweise auf Bücher und Artikel bin ich dankbar.

In dieser lausigen Zeit lohnt es sich, das Evangelium neu zu lesen.

Maria bewahrte die Worte des Engels in ihrem Herzen: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wir kein Ende haben.“[1]

Ihr war klar, dass sie den einzig legitimen König unter ihrem Herzen trug; und das sollte Folgen haben.

 

  1. Flucht durch die Wüste nach Ägypten

Jesus wurde in einer Grotte bei Bethlehem geboren, weil seine Eltern keine Herberge in der Stadt fanden. Nach der Darstellung Jesu im Tempel, 40 Tage nach Weihnachten[2], mussten Josef und Maria mit dem neugeborenen König der Juden aus Nazareth flüchten: der unrechtmäßige König Herodes suchte ihn zu töten.[3]

Denn Herodes war kein Jude, schon gar nicht aus dem Stamm Davids, sondern ein Idumäer, also ein Abkomme Edoms, der Todfeinde Israels.[4]

Damals war Jesus knapp ein Jahr alt – und fast acht Jahre, als sie wieder ins Heilige Land konnten. Damit war die Heilige Familie sieben lange Jahre im Exil.[5]

Weil sie im Heiligen Land wenigstens die Gegend von Bethlehem kannten, gingen sie von Nazareth in Richtung Süden. Unmittelbar am judäischen Bergland um Bethlehem grenzt die judäische Wüste, die in den Sinai übergeht. Und ein Teil der Wüste Sinai gehört schon zu Ägypten.[6]

Wahrscheinlich bezieht sich dieser Vers aus der Offenbarung des Johannes auf die Wüstenwanderung der Heiligen Familie: „Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte: dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.“[7]

Warum nun gerade Ägypten? In der Heiligen Schrift Alten Testaments gibt es immer wieder den Blick in den Süden, nach Afrika.

In Ägypten gab es mit Alexandria die größte jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels; dort entstand auch die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta.[8]

Es gibt deutliche Verbindungen Israels zu Ägypten seit langer Zeit, so wird z.B. der große Prophet Jeremia[9] nach Ägypten verschleppt[10].

Mit Sicherheit gab es in vielen Ländern jüdische Ansiedlungen, wie in Ägypten: so flüchtete ja Noomi nach Moab, weil es in Bethlehem eine Hungersnot gab.[11]

Gesichert ist: die Maria wollte ihr Kind schützen, dessen Todfeind der unrechtmäßige König Herodes war. Sie musste also flüchten: wohin sollte sie flüchten, wenn nicht nach Ägypten? Dagegen spricht nichts.

Jesus hatte seine Wüstenerfahrung vor seiner öffentlichen Wirksamkeit in den vierzigtägigen Versuchungen, wie es die Evangelisten beschreiben.[12]

Bedenken wir: die damals frommste Jüdin, Mariam aus Nazareth, musste das übelste Heidentum in der Fremde sieben lange Jahre ertragen, nur weil sie ihren Sohn Jesus schützen musste.

Bedenken wir: wir haben immer noch schöne Kirchen und viele gute Wallfahrtskirchen – wir müssen nicht inmitten von Götzentempeln Gott anbeten, immerhin.

Die Heilige Familie war in Ägypten von Feinden umgeben und immer mit der Ungewissheit des morgigen Tages konfrontiert; ob Josef Arbeit finden würde, war mit jedem neuen Tag unklar.

Mit dem Säugling von 9 Monaten auf dem Arm gilt ihr das bittere Wort Jesu buchstäblich: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“[13]

 

  1. Der Engel Gabriel und die Engel in Jesu Leben

Der Engel Gabriel sagt der allerseligsten Jungfrau, was Gott mit ihr vorhat: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“[14]

Der Engel kündigt Maria an, was Er tun wird.

Umgekehrt ist es bei Jesus: in der Wüste besteht er die Versuchungen – und dann kommen die Engel: „Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.“[15]

 

 

  1. In den Herzen Mariens und Jesu stecken Schwert und Lanze

Durch ihren göttlichen Sohn, den Gesalbten Gottes, hatte Maria großen Anteil an allem, was ihm später widerfahren würde.

Und noch viel mehr: sie erlitt alles, was ihrem Sohn geschehen würde, schon vorher. Der greise Simeon prophezeit ihr: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, – und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.“[16]

Während sie vor allen Dingen geistig-geistlich an den Schmerzen ihres Sohnes Anteil hat, so gilt dies in besonderer Weise körperlich für ihren Sohn, dessen Seite mit einer Lanze geöffnet wurde: „einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“[17]

 

 

  1. Tempel

Es ist wirklich eigenartig: eines der schönsten geistlichen Lieder, das Magnificat, der Lobgesang Mariens, erklang nie im Tempel.

Höchstwahrscheinlich war die allerseligste Jungfrau mit drei Jahren in den Tempel gegeben worden, weil Anna und Joachim Gott mit diesem Opfer danken wollten; so diente sie Gott ungefähr neun Jahre lang.[18] Allerdings blieb sie praktisch unterirdisch in den Gewölben versteckt.

Sie lebte dort und lobte Gott mit Gebet und Stickereien für den Tempel – bis sie sich mit Josef verlobte.

Mit ihrem Sohn Jesus, dem Sohn Gottes, war es genau umgekehrt: er lehrte im Tempel, aber war dort nur für kurze Zeit geduldet; seine Todfeinde in den herrschenden Tempelkasten der Pharisäer und Sadduzäer warteten nur auf die Gelegenheit, ihn zu ermorden: „als Jesus seine Reden beendet hatte, […] versammelten sich die Hohepriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohepriesters, der Kajaphas hieß, und beschlossen, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen und ihn zu töten.“[19]

Jesus Christus ist der Hohepriester Gottes, der den neuen Bund mit seinem Blut eingesetzt hat – knapp vierzig Jahre vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels.

Und mit der Tempelzerstörung sind die Opfer des Alten Bundes sowohl im Allerheiligsten als auch auf den Opferaltären hinfällig: denn es kann nichts mehr geopfert werden, weil es weder Tempel noch Altäre gibt.

Eigenartig bleibt: Maria und Jesus taten dem Volk Israel den allergrößten denkbaren Dienst – und blieben doch vollkommen im Verborgenen.

Statt Ehre und Anerkennung ernteten beide nur Hohn und Demütigung.

 

 

  1. Keine Verwandten: „Frau, dein Sohn“

Jesus hat die deutliche Mahnung in seiner Heimat Nazareth gesprochen: „Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat und in seiner Familie.“[20]

Als Maria unter dem Kreuz stand, starb dort oben erhöht ihr einziger naher Verwandter, ihr Sohn Jesus. Und der sprach zu einem Blutsfremden, seinem Lieblingsjünger Johannes: „Siehe, deine Mutter!“[21]

In beispielloser Weise erfuhr sie, was Jesus immer gepredigt hatte: „Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“[22]

 

 

  1. Gold, Weihrauch und Myrrhe

Es waren die heiligen drei Könige, die dem göttlichen Kind Mariens huldigten. Es wird dann immer so getan, als wären diese drei Geschenke von Gold, Weihrauch und Myrrhe einfach die üblichen Gaben, die ‚man‘ so mitbringt, wenn ein König neugeboren ist und ‚man‘ das nötige Kleingeld hat.

Dabei wird dann einfach so getan, als wäre alles rein symbolisch und hätte gar keinen biblischen Bezug.

Die Myrrhe „war ein wichtiger Luxus- und Handelsartikel“[23].

Als die drei Könige ihn Maria brachten, hatte sie nichts davon. Gewiss hob sie die drei Geschenke auf, aber nutzte sie nicht. Ihre Freude war rein geistlich.

Jesus als ihr Sohn hatte auch nichts davon: kurz vor seinem Tod wurde ihm ein Mischtrank mit Myrrhe gereicht, der ihm helfen sollte zu sterben[24]; denn Myrrhe hat „schmerzstillenden, betäubenden und entzündungshemmenden Eigenschaften“[25].

Und: „Nach Joh 19,39f brachte Nikodemus eine riesige Menge (100 Pfund, ca. 32kg nach heutigen Maßstäben) an mit Aloe vermischter Myrrhe; sie diente – wohl in pulverisierter Form – als verwesungshemmender Duftstoff, mit denen man die Leichentücher tränkte, in die der tote Jesus gehüllt war. Nur Könige wurden sonst so aufwendig beigesetzt (vgl. 2Chr 16,14).“[26]

 

Weihrauch wiederum wird in der Heiligen Schrift als Ausdruck für das Gebet der Christen[27] genannt: einem anderen Engel „wurde viel Räucherwerk gegeben, damit er es mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron darbringe.“[28]

Gold hat die Bedeutung von Ewigkeit, die eine Eigenschaft Gottes ist. Dennoch sollten die Apostel ausdrücklich weder Gold noch Silber auf ihren Evangelisationsreisen mitnehmen. Jesus mahnt seine Apostel, als er sie aussendet: „Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel!“[29]

Als Maria vom Lieblingsjünger ihres Sohnes Johannes aufgenommen wird, teilt sie genau das Schicksal aller Apostel – so wie es Petrus sagt: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!“[30]

 

  1. Fazit

Lernen wir von Maria: Demut, Großherzigkeit

[1] Lk 1,32f.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Darstellung_des_Herrn

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Kindermord_in_Bethlehem

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Herodes#Herkunft

[5] Ich beziehe mich auf das empfehlenswerte Buch ‚Das Leben der heiligen Jungfrau Maria‘ der seligen Katherina Emmerick, Stein am Rhein, 11.Aufl. 2009, 340f. 394.

[6] https://de.wikivoyage.org/wiki/Flucht_der_heiligen_Familie_nach_Ägypten#Von_Bethlehem_ins_Nildelta

[7] Offb 12,6.

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Septuaginta

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremia#Historische_Zuordnung

[10] Vgl. Jer 43,1-13.

[11] Vgl. das Buch Rut.

[12] Vgl. z.B. Mt 4,1-11.

[13] Mt 8,20.

[14] Lk 1,32f.

[15] Mt 4,11.

[16] Lk 2,34b.35a.

[17] Joh 19,34.

[18] Vgl. dazu das nicht-kanonische Protevangelium nach Jakobus: http://www.jakobus-weg.de/aJakw/3Spiritua/Jkevangel.htm

[19] Mt 26,1a.3f.

[20] Mt 13,57b.

[21] Joh 19,27.

[22] Mt 12,50.

[23] https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/myrrhe-3/ch/d65af4175ca4f9afd3ab63fd46144752/#h5

[24] Vgl. Mk 15,23.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] https://de.wikipedia.org/wiki/Weihrauch#Römischer_Ritus

[28] Offb 8,3b.

[29] Mt 10,9; vgl. https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/gold/ch/47dc79414919e4dc7a011fbf1c1328e2/#h2

[30] Act 3,6.

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