Magnificat: Prophetische Vision der Heidenmission

Das Magnificat als prophetische Vorwegnahme der Abrahamitischen Verheißung

Berlin, 12.Januar 2020

Erkennen wir den großen Segen auf dieser Wüstenwanderung unserer deutschen Ortskirche inmitten des so häretischen ‚Synodalen Weges‘ – und freuen uns neu an Maria.

Noch nie hatte ich mich so intensiv mit unserer Gottesmutter beschäftigt und das Evangelium neu gelesen.

Entdecken wir das Magnificat in der treuen Lesung des Stundengebetes – und in allen seinen prophetischen Implikationen: es ist fürwahr ein geistliches Programm.

 

  1. Das Magnificat im Lichte der Abrahams Verheißung

Noch nie war es mir so richtig aufgefallen: ich sah bisher Jesus Christus als neuen Mose, natürlich, besonders in der Bergpredigt (Mt 5-7).

Jesus ist auch Prophet und sagt z.B. die Zerstörung Jerusalems voraus (vgl. Mt 24,f).

Sicher ist er auch König, z.B. wird er von den heiligen drei Königen quasi als Säugling gekrönt (vgl. Mt 2).

Aber Abraham? Paulus erwähnt Abraham im Römerbrief (vgl. Röm 4). Ich dachte bisher: na, der Völkerapostel sucht ein bisschen und nennt Gründe.

Weit gefehlt: der ehemalige Pharisäer Paulus sucht nicht nur ein bisschen, er gründet seine Argumentation auf die wesentliche Verheißung des Alten Bundes, auf Abraham.

Maria spricht es schon am Anfang des Evangeliums aus, was sich später so gigantisch erfüllen wird:

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“(Lk 1,48b)

Denn:

„Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“(Lk 1,54f)

Da wird er mit Namen genannt: Erzvater Abraham. Das geht weit über eine Erneuerung des Königtums, der Prophetie und des Tempelkultes hinaus.

Das geht an den Anfang Israels. Das ist die Weiterführung der Abrahamitischen Verheißung, die bisher nur Israel galt, mit den Heiden.

Und das ist megarevolutionär: ein blutjunges jüdisches Mädchen namens Miriam erkennt den jüdischen Messias in sich, der weit, ganz weit über Israel hinaus geht.

Der Alte Bund wird im Neuen Bund quasi erweitert. Maria trägt den König Israels in sich – und die ganze neue Kirche aus allen Völkern: den Gojim.

 

  1. Die grundlegende Verheißung an Abraham in Gen 12

Es ist gerade kein rhetorischer Kniff aus der Bibelkunde, wenn Maria Abraham erwähnt. Abraham war nicht von Anfang an Erzvater des jüdischen Volkes, sondern war ein Aramäer, der sich erst später beschneiden ließ und so zum Juden wurde.

Er war sozusagen ein Grenzgänger, der vom Heiden zum Juden wurde. Als genau das richtige Urbild für die Kirche aus Heiden und Juden.

Gott sprach zu Abram:

„Ich werde segnen, die dich segnen, wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.“ (Gen 12,3)

In der Vulgata heißt es: „in te benedicentur universae cognationes terrae.“

Dieser Segen ist nicht rein jüdisch zu verstehen, sondern meint einen ganz weiten Horizont.

Ja, unsere liebe Miriam von Nazareth hatte schon die Heidenmission im Blick, als sie prophetisch vom Segen Abrahams sprach.

 

  1. Maria als Gegenbild zur Hagar

Wieder ist es die Vulgata, die uns den Weg weist. Einige Wendungen führen ebenfalls zur Magd Abrahams, die von ihm einen Sohn zu erwarten hatte: Ismael (vgl. Gen 16).

In der Vulgata nennt die rechtmäßige Ehefrau Sara ihre Sklavin Hagar „ancillam meam“(Gen 16,5).

Wie wir wissen, nennt sich Maria selbst Magd des Herrn: „ancillae suae“(Lk 1,48a).

 

Hagar hat auch ein Gotteserlebnis, in dem sie den Allmächtigen als „El-Roi“ bezeichnet, als „Gott schaut auf mich“(Gen 16,13b). In der Vulgata heißt es: „Deus qui vidisti me“.

Wie auch auf Hagar sieht Gott unmittelbar auf Maria, die diesen Gottes Namen aufnimmt; denn Maria lobpreist Gott und liebt ihn, weil er auf ihre Niedrigkeit sieht: „respexit humilitatem“(Lk 1,48a)

 

Maria erfüllt praktisch den Willen Gottes dort, wo Hagar verzagte; denn Hagar wirft ihren Erstgeborenen unter einen Wüstenstrauch, weil sie nicht mehr weiterweiß; sie meint, verdursten zu müssen.

Maria aber weiß noch viel weniger – und glaubt dennoch umso tapferer! Wenn Hagar bloß Wasser braucht, um nicht zu verdursten, was soll Maria antworten, die schwanger wurde von Gott?

 

  1. Der Gottesname „El-Schaddai“

Erinnern wir uns: Gott wird von Maria als „der Mächtige“, der „Großes an mir getan“ hat (Lk 1,49), gepriesen.

In der Vulgata heißt dies: „quia fecit mihi magna qui potens est“ – magna potens.

Der Allmächtige stellt sich Abraham als „El-Schaddai“ vor, was die Vulgata mit „Deus omnipotens“ umschreibt.

 

  1. Abraham und die sodomitischen Könige

Nicht nur an Herodes müssen wir denken, wenn Maria singt: „er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ (Lk 1,52)

Ja, hier deutet sich u.a. die Episode von Sodom und Gomorrha an, wie sie in Gen 18f beschrieben wird: der gesegnete Abraham legt Fürsprache für die Stadt des Königs von Sodom ein, aber Gott vernichtet die Stadt; nur der gerechte Lot und seine Familie entrinnen und kommen ganz knapp mit dem Leben davon.

Jesus bezieht sich immer wieder auf diese beiden Städte, z.B. im Wehe-Ruf über Kafarnaum (vgl. Mt 11,23f).

 

  1. Die Versuchung Abrahams als Urbild der Versuchung Jesu

Abraham soll seinen einzigen Sohn Isaak auf dem Berg Moriah opfern (vgl. Gen22). Dieser Berg wird u.a. als Tempelberg angesehen.[1]

Dieses Opfer lautet in der Vulgata „holocaustum“, also als Ganzopfer.

So wie die Versuchungsgeschichte drei Teil hat, hier auch: Wanderung zum Berg mit Begleitung, Erklimmen des Berges von Vater und Sohn und der Opferung des Widders als Brandopfer.

Der Engel spricht zu Abraham: „Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen“ (Gen 22,16b.17a)

Nun, war es diese Erkenntnis nicht, die der Engel Gabriel ausdrückte, als er sprach: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden“ (Lk 1,30)?

Das Ganzopfer Jesu auf dem Berg Moriah sollte ebenfalls von Gott angenommen werden.

 

  1. Pfingsten: die heidnischen Kinder Abrahams

Maria betete zusammen mit den Aposteln in Jerusalem und erlebte mit ihnen das Pfingstwunder.[2]

Praktisch alle Heidenvölker erhielten mit dem Heiligen Geist den Segen, der in Stammvater Abraham verheißen war.

Wikipedia urteilt zu Recht: „Angehörige zahlreicher nichtjüdischer Völker („Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, […] Kreter und Araber“) wundern sich, dass sie jeder seine Muttersprache hören, obwohl die Jünger doch Galiläer sind.“[3]

[1] Vgl. 2 Chr 3,1; https://de.wikipedia.org/wiki/Opferung_Isaaks#Morijah

[2] Vgl. Act 2,1 mit 1,14.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s