Die vier dubia-Kardinäle

Offener Brief für meine vier Musketiere

Mit Papstfeindlichkeit haben die fünf dubia der vier Kardinäle nichts zu tun; nein, eher mit Wahrheitsliebe und Sorge um die Kirche.

Hier mein Brief vom Stephanustag 2016, den ich an die Kardinäle per Post verschickt habe:

Sehr geehrte Eminenzen, liebe Kardinäle,

von ganzen Herzen möchte ich Ihnen für Ihren Mut, treu zur katholischen Lehre zu stehen, danken! Es muss viel auf dem Spiel stehen, wenn Männer in Ihrem Lebensalter noch einmal alles wagen; und es ist beschämend, wenn es nicht die jugendlich Kräftigen, sondern die Gebrechlichen sind, die große Tapferkeit zeigen.

Als Laie warte ich schon seit langer Zeit auf den Angriff meiner Hirten auf die Bastionen des Zeitgeistes: wo ist die ‚Katholische Aktion‘, die mit den Bischöfen zusammen, die monogame Ehe gegen die Gender-Ehe verteidigt – die Grundfeste einer jeden staatlichen Ordnung schlechthin? Wo sind die katholischen Clubs, die das Volk Gottes über Gender-Mainstreaming, Homo-Ehe und Abtreibung aufklären? Wo die guten Zeitschriften, und ja, Tageszeitungen, die kostengünstig dem Volk Gottes dienen und es erziehen? Und wo sind die Volksmissionen, die den getauften 90%-Abwesenden gute Argumente für Gott und seine Kirche bieten, damit sie wieder regulär am Gottesdienst teilnehmen?

Ich erwarte von meiner Kirche eine tiefgreifende Selbstvergewisserung, damit die Grundlagen der Menschheit – Ehe und Familie – nicht nur verteidigt, sondern zur neuen Blüte gelangen. Hier meine fünf Bekräftigungen (affirmationes):

1)      Jesus und die Familie

Als unser Herr Jesus Christus die Unauflöslichkeit der Einehe zwischen Mann und Frau bekräftigte (vgl. Mt 19,3-12), tat er dies in einem jüdischen Umfeld, welches die Ehescheidung längst hingenommen hatte. Er bekräftigte damit den Befehl seines himmlischen Vaters: ‚Seid fruchtbar und mehret euch!‘(Gen 1,28) Dies ist das Grundgesetz, nachdem menschliches Leben überhaupt möglich ist. Die Ehe macht die Sexualität fruchtbar, indem sie zu Kindern führt. Wer menschliches Leben will, muss die Ehe wollen; wer staatliche Ordnung will, muss Kinder fördern, denn die Ehe ist die Keimzelle eines jeden Staates.

 

2)      Jesus und die Sünde

Dieses tiefe menschliche Wissen um das Leben ist als Naturgesetz jedem Menschen in sein Herz gepflanzt und untrüglich (vgl. Röm 1+2). Nur so ist eine Gewissensbildung möglich. Wäre es anders, so wären wir absolut manipulierbar – und der Grundsatz von Natur und Gnade aufgehoben. Die Erbsünde möchte uns einreden, dass wir ohne Schuld seien. Jesus ist gekommen, die Sünder zu retten: sonst hätte die Ehebrecherin gesteinigt werden müssen (vgl. Joh 8), denn wenn Jesus nicht retten kann, müssen die Steine mechanisch die Schwierigkeiten der Menschen aus der Welt schaffen. Nur wer Sünder sein darf, kann Jesus genießen: „felix culpa“(glückliche Schuld) beten wir zu Ostern – nur wer ganz Adam sein darf, wird auch gerettet.

 

3)      Jesus und die Apostel

Aufgrund unserer Schwäche brauchen wir Hirten, die uns helfen, den Geboten Gottes treu zu bleiben. Sie sind es auch, die über die Dogmen wachen. Jedes katholische Dogma ist Wahrheit, die helfen soll, diese Welt zu erhalten und sie dem König Jesus Christus zu zuführen. Wer die Sexualität nicht in der legitimen Ehe will, braucht letztlich keinen Gott, denn er hat die grundlegende Schöpfungsordnung verneint. Wer keine Ordnung will, braucht auch keine heilige Hierarchie, er wählt das Chaos.

 

4)      Jesus und die Freude am Glauben

Jesus ist gekommen, die Sünder selig zu machen – und der Apostel Paulus war es, der es auf den Punkt bringt: „Von ihnen bin ich der erste“(I Tim 1,15b).

Freuen wir uns an Jesus, dem Heiland der Welt – und schenken wir ihm alle unsere Sünde; und erkennen wir, was alle Heiligen erkannten: je näher wir Gott sind, umso mehr schauen wir, wie wir von Gott erkannt sind (vgl. I Kor 13,12) – als elendiger Staub auf Erden, zu höchsten Ehren erhoben im Himmel!

 

5)      Jesus und die Buße

Am Anfang der Verkündigung unseres Herrn Jesus war die Buße (vgl. Mk 1,15): Umkehr der Herzen! Nicht mehr unser Eigensinn soll herrschen, sondern Gottes Wille, wie er sich im Naturgesetz unseres Herzens ausdrückt und in den Geboten Gottes bekräftigt wird.

Am Anfang der Lehrentwicklung hin zu ‚Amoris laetitia‘ war die ‚Königsteiner Erklärung‘ vor fast 50 Jahren, die die Verhütungsmittel dem ‚Gewissensentscheid‘ der Gläubigen unterwarf: und damit Gottes Gesetz der Sünde. Der vor sich hin kokelnde Schwelbrand der deutschen Kirche hat inzwischen die ganze Weltkirche entzündet und zudem auch noch Eingang in die Lehre der Kirche gefunden: es geht also um viel mehr als nur um Fußnote 351!

Bleiben Sie standhaft!

Hochachtungsvoll – und im beständigen Gebet mit Ihnen verbunden wünscht Ihnen Gottes reichen Segen!

Ihr Stephan Gröne