Kardinal Meisner RIP

Ein tapferer Streiter für das Evangelium

 

Er wirkt im Rückblick, als käme er aus einer anderen Welt: einer besseren Welt, einer Welt, in der Anstand zählt und Treue zu den eigenen Überzeugungen; eine Welt, in der eine guter Christenmensch den Kopf hin hält, wenn es sein muss!

Ja, das ist eine Welt, in welcher ich gerne weiter leben möchte. Aber ohne ihn? Wie soll das gehen? Der Gegensatz zu demjenigen, der jetzt den Bischofstuhl von Köln besetzt, und Kardinal Meisner, der ein guter Hirte in Deutschland war, ist gewaltig.

Dazwischen liegen nicht Welten, nein, das sind Welten von Welten: ein Universum.

Was der tapfere Streiter aus Köln war, davon spricht Paulus im ersten Brief an die Korinther:

Abschaum der Welt (4,13)

Bei Kardinal Meisner war das ständige Spießrutenlaufen der Normalfall. Wer es nicht glauben will, lese den Artikel in Wikipedia über ihn ( Wikipedia über Kardinal Meisner ): weil er treu zur römischen Lehre stand war er der Skandal schlechthin.

So wie das Evangelium ein Skandal ist, weil es die Sünder zur Umkehr ruft. Weil das Evangelium die Sünde Sünde und Gottes Barmherzigkeit Seine Barmherzigkeit nennt, nicht unsere.

Wieder spricht Paulus aus, was Kardinal Meisner Zeit seines Lebens erfahren durfte:

Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.(I Kor 1,23f)

Wer will schon Sünder sein, heute, in dieser aufgeklärten Zeit? Wer will einen über sich haben, der uns zur Ordnung ruft: die Polizisten werden öffentlich verhauen, wenn sie für Ordnung sorgen wollen; wehe, sie machen etwas falsch: nicht die Bösen sind heute auf der Anklagebank, nein, die Guten müssen sich rechtfertigen.

Und Gott? Er wird zur Rechenschaft gezogen und nicht verehrt. Gottes Gebot wird an die Seite geschoben, um es aufzuheben.

‚Ehe für alle‘? Gott bewahre! In kluger Voraussicht haben die vier dubia-Kardinäle, zu ihnen gehörte Kardinal Meisner mit Brandmüller, dem Italiener Caffara und dem Amerikaner Burke, die Ehe verteidigt, indem sie alle Einwände gegen die Sakramentalität und Gültigkeit in weisen Zweifeln (eben dubia) kleideten! Nicht die vier Musketiere wollten den Papst mit Fangfragen überführen, sondern er sollte Antwort geben auf berechtigte Zweifel.

Ein so starker Glaubenszeuge braucht die diplomatische Vorsicht nicht: gegen das gesamte Domkapitel wurde er aus meinem Berlin in den rheinischen Frohsinn katapultiert – monatelang ging der Kampf damals, ehe er das sein durfte, wofür er ernannt wurde.

Männer wie Kardinal Meisner sind selten geworden in Deutschland. Diese Männer haben Deutschland geprägt, weil sie eine fundierte Auffassung vom Leben hatten – so einer wie auch Helmut Kohl. Und was noch viel wichtiger ist: sie waren Männer des Volkes!

Was ist ein Mann des Volkes? Der für das Volk da ist und Dinge sagt und tut, die das Volk versteht, um es zu schützen! ‚Ehe für alle‘ und Adoptionsrecht für Homosexuelle können keinen Bestand haben – trotz augenblicklicher Mehrheiten. Ein Mann des Volkes weiß das – und handelt auf lange Sicht.

Der katholische Glaube ist bis zu einem gewissen Grade auch vernünftig begründbar: Kardinal Meisners Theologie war nicht die des Elfenbeinturmes ausgeklügter Fachausdrücke! Seine Sprache war klar. Er wurde verstanden und gerade dafür von der linksliberalen Journaille zerrissen.

Wer den besagten Wikipedia-Artikel liest, wird feststellen: jemand seines Formats ist nicht mehr vorhanden in Deutschland. Gar nicht. Null.

Diese Welt mit diesem mutigen Haudegen Gottes war eine bessere: wir deutschen Christen war geschützt! Es tut weh, einen Vater im Glauben zu verlieren!

Und es tut wohl, ihn in den Armen des barmherzigen Vaters zu wissen – nun nicht mehr in dieser schnöden Welt, sondern im Himmel der Himmel!

Amen.